Aus jüngsten Meinungsumfragen geht hervor, dass die Amerikaner zum ersten Mal nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in höherem Maße befürchten, die Regierung werde die in der Verfassung garantierten Freiheitsrechte einschränken, als dass sie damit rechnen, die Regierung werde die Sicherheit ihrer Bürger nicht garantieren können.
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Das Internetportal "WND" berichtete kürzlich:
»Selbst nach den Bombenanschlägen in Boston am 15. April, bei denen drei Menschen ums Leben kamen und mehr als 280 weitere Personen verletzt wurden und für die zwei radikale Islamisten verantwortlich gemacht werden, zeigen die Meinungsumfragen, dass die amerikanische Bevölkerung nur widerstrebend bereit ist, im Gegenzug für höhere ›Sicherheit‹ weitere Einschränkungen ihrer Rechte hinzunehmen.

Und in einer Umfrage des amerikanischen Nachrichtensenders Fox News, in der am Tag nach den Anschlägen nach dem Zufallsprinzip ausgewählte 619 registrierte Wähler befragt wurden, zeigte sich, dass die Antworten der Befragten trotz dieser tragischen Ereignisse sich grundlegend von den Antworten nach den Anschlägen vom 11. September 2001 unterschieden. Zum ersten Mal seit der Beantwortung einer ähnlich lautenden Frage im Mai 2001 verneinten diesmal mehr Amerikaner die Frage ›Wären Sie bereit, einige Ihrer persönlichen Freiheitsrechte aufzugeben, wenn im Gegenzug die Gefahr terroristischer Anschläge vermindert würde?‹.

Am 16. April 2013 beantworteten 45 Prozent diese Frage mit ›Nein‹, während 43 Prozent mit ›Ja‹ antworteten. Eine Umfrage im Mai 2001, also vor den Anschlägen vom 11. September, ergab ein ähnliches Bild: 40 Prozent reagierten ablehnend, 33 Prozent stimmten zu. Aber nach den Anschlägen vom 11. September 2001 schnellte die Zahl der zustimmenden Antworten massiv in die Höhe. 71 Prozent der Befragten erklärten sich damals bereit, persönliche Freiheitsrechte zu opfern, um die Terrorgefahr zu verringern.

Auch bei nachfolgenden Umfragen in den Jahren 2001, 2005 und 2006 waren die befragten Amerikaner immer noch mehrheitlich bereit, teilweise massive Einschränkungen ihrer Bürger- und Freiheitsrechte im Austausch für Sicherheit hinzunehmen. Allerdings sanken die bejahenden Antworten stetig von 71 Prozent kurz nach den Anschlägen 2001 bis auf nur noch 54 Prozent im Mai 2006.

Scheinbar trifft die Benjamin Franklin zugeschriebene Äußerung: ›Diejenigen, die bereit sind, grundlegende Freiheiten für eine zeitlich befristete Sicherheit aufzugeben, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit‹ derzeit auf die Amerikaner in höherem Maße als noch vor einigen Jahrzehnten zu.

Eine ähnliche Umfrage der Washington Post vom 17. und 18. April, an der 588 Erwachsene teilnahmen, bestätigt demgegenüber diesen oben beschriebenen Gesinnungswandel. Die Washington Post hatte gefragt: ›Was bereitet Ihnen größere Sorge: dass die Regierung aus Rücksicht gegenüber den Bürgerrechten die Ermittlungen zu den Anschlägen nicht weitreichend genug führen könnte, oder dass die Regierung bei den Ermittlungen gegen den Terrorismus die Bürgerrechte zu weitgehend einschränken könnte?‹ Fast die Hälfte der Befragten - 48 Prozent - befürchteten, die Regierung könnte zu weit gehen, 41 Prozent waren der Ansicht, sie könnte nicht intensiv genug ermitteln.

Ähnlich wie bei der Fox News-Umfrage bewertete auch die Washington Post diese veränderte Gewichtung als eine neue Entwicklung, da noch im Januar 2006 lediglich 44 Prozent und im Januar 2010 sogar nur 27 Prozent der Befragten befürchteten, die Regierung könnte hinsichtlich der Einschränkung der Bürgerrechte zu weit gehen.«
Aus der Fox News-Umfrage ergab sich, dass eine knappe einfache Mehrheit der Demokraten (51 Prozent) bereit wäre, im Gegenzug für eine Verringerung der Terrorgefahr Einschränkungen der persönlichen Freiheit hinzunehmen, während dies nur bei 47 Prozent der Republikaner - und sogar nur bei 29 Prozent der parteilich nicht festgelegten, unabhängigen Befragten - der Fall war.

Dieses Ergebnis ist keine große Überraschung.

Bereits im Februar dieses Jahres wurde berichtet:
»Seit Jahren erklären ›konservative‹ Demoskopen, die Amerikaner stünden der Regierung ablehnend bis wütend gegenüber:
  • Rasmussen meldete 2010, nur eine kleine Minderheit der amerikanischen Bevölkerung gehe davon aus, die Regierung genieße die Zustimmung der Regierten; die Stimmung sei ›vorrevolutionär‹.
Liberale könnten versucht sein, dies mit einer einseitigen Sichtweise zu erklären. Aber unparteiische und liberale Demoskopen stimmen weitgehend überein:
Im März 2010 war die Meinung, ob die Regierung die persönlichen Freiheiten bedrohe oder nicht, noch geteilt; 47 Prozent sagten, die Regierung bedrohe diese Freiheiten, während 50 Prozent dieser Auffassung nicht zustimmten. In Umfragen aus den Jahren 1995 bis 2003 wurde die Meinung, die Regierung bedrohe die Bürgerrechte und schränke die Freiheiten der Menschen ein, noch mehrheitlich abgelehnt...

Die Umfragen zeigen ein tiefverwurzeltes und weit verbreitetes Misstrauen gegenüber Regierungen. Mehr als ein Viertel der amerikanischen Bevölkerung (26 Prozent) vertrauen der Regierung und meinen, diese handle im allgemeinen oder zumindest in der Mehrzahl der Fälle richtig; 73 Prozent sind der Auffassung, sie könnten der Regierung nur zeitweise vertrauen oder erklären sogar von sich aus, sie vertrauten der Regierung niemals.

In allen überparteilichen und anderen Bevölkerungsgruppen herrscht mehrheitlich die Überzeugung vor, man könne der Regierung nur wenig oder überhaupt nicht vertrauen.«
Offensichtlich setzen die Demokraten derzeit mehr Vertrauen in die Regierung als die Republikaner. So stellte eine Studie des Pew Research Center aus dem Jahr 2010, in der die langfristige Einstellung zur Regierung untersucht wurde, fest, dass seit den 1950er Jahren immer diejenige Partei, die gerade den Präsidenten stellte, der Regierung größeres Vertrauen als die »Opposition« entgegenbrachte.

Aber da derzeit offensichtlich ein wachsender Anteil auch der Demokraten glaubt, dass die Regierung ihre Freiheit bedrohe, ist mit interessanten Entwicklungen zu rechnen.