hochwasser
Sturmtief „Manni“ hat in der Region nicht nur eine Schneise der Verwüstung hinterlassen, sondern Handwerkern auch jede Menge Aufträge in die Betriebe gespült.

Seit Tagen sind Gutachter und Handwerker im Dauereinsatz. „Wir rechnen mit 15000 bis 25000 beschädigten Autos alleine in der Region“, sagt Pascal Spiegler vom Hagelschadenspezialist Dellfix.

Das Unternehmen hat in Königsbrunn für die nächsten Wochen eine Station zur Schadensbegutachtung aufgebaut. Mit Neon- und LED-Technik wurden spezielle Lichtbögen aufgebaut, die jede noch so kleine Delle sichtbar machen. „Die Leute kommen, weil sie drei Macken festgestellt haben, und unter dem Licht entdecken wir dann oft mehrere hundert Hageldellen“, so Spiegler. Die Gutachter arbeiten im Akkord. „Bevor nicht der genaue Schaden bestimmt ist und von der Versicherung das Okay kommt, können wir uns nicht an die Reparatur machen.“ Wer jetzt noch einen Schaden entdeckt und begutachten lassen möchte, muss mit längeren Wartezeiten rechnen, so Spiegler.

Auch die Glaser müssen Überstunden leisten

Noch immer werden die Versicherer mit Anrufen überschwemmt. Bei der HUK-Coburg reichen die 25 Mitarbeiter in Augsburg längst nicht mehr aus, das Unternehmen hat bundesweit Schadensspezialisten über eine Hotline zusammengeschaltet, sagt der Direktionsbevollmächtigte für Schaden, Ralf Reichhold. „75 Prozent der gemeldeten Elementarschäden sind an Kraftfahrzeugen entstanden.“ Aber auch Haus- und Gartenbesitzer stehen buchstäblich vor Scherben. „Das Unwetter hat Solaranlagen und Wintergärten zerschlagen und Dächer zum Teil schwer beschädigt“, so der Versicherungsexperte. Hier ist Eile geboten. „Wir haben Dachdeckerbetriebe aus dem ganzen Bundesgebiet nach Augsburg geholt, damit den Hausbesitzern schnell geholfen wird.“

Die Augsburger Dachdecker können die Hilfe gebrauchen. „Unsere Betriebe machen nichts anderes mehr als Sturmschäden“, sagt der stellvertretende Obermeister der Dachdeckerinnung, Markus Stöffelmeir.

Zum Teil müssten nur einzelne Ziegel ersetzt werden, aber es gebe auch Häuser, wo umgestürzte Bäume das ganze Dach eingeschlagen hätten. „Wir haben alles so weit dicht gemacht, dass es den Leuten nicht mehr in Haus regnet, die Reparaturen müssen warten.“ Auch die Glaser leisten Überstunden. „Überraschenderweise hat es kaum Dachfenster erwischt, dafür umso mehr Lichtkuppeln, Pergolas, Carports oder auch Terrassenüberdachungen, sagt Glaserinnungs-Obermeister Heinz Kraus.

Zertrümmerte Gewächshäuser kann er nur noch notdürftig mit Folie flicken. „Ich habe die letzten Tage über eine Tonne Spezialglas verbraucht, da geht jetzt gar nichts mehr.“ Auch im Botanischen Garten habe es Schäden an den Glashäusern gegeben, so Kraus.

Was tun mit dem Baum, der im Garten liegt?

Die Heim- und Kleingartenbesitzer werden sich gedulden müssen. „Viele haben monatelang ihre Pflänzchen gehegt und gepflegt und jetzt, wo es mit der Gartensaison losgehen sollte, ist alles kaputt“, ärgert sich der Geschäftsführer des Augsburger Kleingärtnerverbandes, Thomas Bauer. Viele Gärten seien verwüstet und die Pflanzen nicht zu retten. Aber es gebe große Solidarität unter den Gärtnern. „Wer Jungpflanzen übrig hat, gibt sie weiter.“

Ratlos ist eine Familie aus Kriegshaber. Beim Nachbarn hat der Sturm einen fast 20 Meter hohen Baum umgerissen und in ihr Grundstück geworfen. „Der Baum hängt halb über den Zaun, die Feuerwehr will ihn nicht beseitigen, weil er niemanden gefährdet. Aber wie soll ich den bitte aus meinem Garten bekommen“, fragt sich der Hausbesitzer.

Die Versicherung war in diesem Fall auch keine große Hilfe. „Ich soll den Baum halt gemeinsam mit dem Nachbarn beseitigen“, wundert der Kriegshaberer sich über den salomonischen Rat.