
Man muss das Unterholz der komplizierten juristischen Details für einen Moment verlassen, um die Dimension dieses das Land spaltenden Freispruchs zu erahnen: Ein schwarzer, unbewaffneter und unbescholtener Teenager wird erschossen, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Der Täter, ein weißer Möchtegern-Ordnungshüter, bleibt auf freiem Fuß. Entschieden hat es eine ausnahmslos weiße Jury. Gerechtigkeit made in USA.
Um die Fragwürdigkeit zu erkennen, muss man keine Justizschelte anstimmen. Auch wenn das Rechtsinstitut der Notwehr hier nur noch als Ausdruck von Perversion bezeichnet werden kann. Die katastrophalen Fehler sind viele Jahre vorher passiert, sie sind Teil der nationalen DNA.
Die latente Angst vorm schwarzen Mann, die fahrlässig freie Verfügbarkeit von Waffen und empörende Gesetze, die Selbstjustiz nicht nur fördern sondern sogar mit Straflosigkeit honorieren, haben Trayvon Martin auf dem Gewissen.
Zur Frage, welche Rolle der Faktor Rasse spielte, nur dies: Zimmerman hat einen Menschen getötet. Er ist weiß. Und frei. Marissa Alexander, eine 31-jährige Schwarze, ist vor wenigen Tagen ebenfalls in Florida verurteilt worden. Sie hatte Schüsse abgegeben, um ihren prügelnden Ehemann auf Distanz zu halten. Warnschüsse. Das Urteil: 20 Jahre Haft. Aus Martin Luther Kings Traum wird in Amerika oft ein Albtraum.



Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an