Wie die Süddeutsche Zeitung (SZ) berichtet, haben große Telekomkonzerne und Unternehmen, die wesentliche Teile der Internetinfrastruktur bereitstellen, dem britischen Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) umfassende Hilfe geleistet, indem sie ihm Zugang zum gesamten Internetverkehr, der durch ihre Glasfaserkabel verlief, einräumten und sogar selbst Trojanersoftware, also Computerprogramme, die auf einen Computer eingeschleust werden und dort im Hintergrund verdeckte Funktionen erfüllen, entwickelten.

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In den neuen, nun veröffentlichten Präsentationen, die der
SZ und dem NDR
vorliegen, werden Telekommunikationsunternehmen aus aller Welt aufgelistet, die mit den GCHQ zusammenarbeiteten. Diese Dokumente stammen wahrscheinlich vom früheren NSA-Vertragsmitarbeiter Edward Snowden.
Die Präsentation aus dem Jahr 2009 führt u.a. die Namen der folgenden Unternehmen mit ihrem jeweiligen NSA-Decknamen (in Klammern) auf: den amerikanischen Provider Verizon Business (»Dacron«), die britischen Konzerne British Telecommunications (»Remedy«) und Vodafone Cable (»Gerontic«) sowie Global Crossing (»Pinnage«), Level 3 (»Little«), Viatel (»Vitreous«) und Interoute (»Streetcar«).
Die genannten Firmen haben, so ergibt sich aus den Folien, im Rahmen des Programms
Tempora detaillierte Daten über Telefongespräche, E-Mails und Facebook-Einträge weitergegeben. Snowden hatte bereits zuvor enthüllt, dass Tempora Teil des umfassenden britischen Datensammelprogramms Mastering the Internet (»Herrschaft über das Internet«) war.
Die sieben genannten Provider besitzen Zehntausende von Kilometern lange Glasfasernetze, einschließlich der Hochleistungs-Unterseekabel, und bilden mit ihnen das Rückgrat der Internetinfrastruktur.
Die britische Tageszeitung
Guardian zitierte im Juni einen Geheimdienstmitarbeiter mit den Worten, die Unternehmen hätten praktisch »keine andere Wahl« gehabt, als zu kooperieren, da die Geheimdienste entsprechende gerichtliche Verfügungen (siehe Verizon in den USA) vorweisen konnten oder auf andere Vorschriften Bezug nahmen. Bisher wurden die Namen der Firmen strikt geheim gehalten, weil die Dienste »negative Folgen seitens hoher politischer Kreise« und erhebliche geschäftliche Verluste befürchteten.
Aber die neuesten Enthüllungen zeigen auch die andere Seite dieser geheimen Absprachen, da die Telekomkonzerne für die Entwicklung der Spionagesoftware für die GCHQ angeblich entlohnt wurden. Diese Software hatte z.B. die Form eines »Trojaners«, der Computer infizierte, heißt es in dem Artikel, der zu dem Schluss kommt, insgesamt sei die Verwicklung der Unternehmen in die Datensammlung weitaus umfassender und komplizierter als man gedacht hatte. In dem Artikel wird auch berichtet, der britische Geheimdienst habe bei seinem Bemühen, das Internet zu »beherrschen«, selbst Netzwerkangriffe durchgeführt und bewusste Desinformationen verbreitet.
Bisher hat nur eines der angeführten Unternehmen die Vorwürfe direkt oder indirekt bestätigt oder dementiert. Die meisten erklärten, sie hielten sich an die jeweiligen gesetzlichen Vorschriften der Länder, in denen sie tätig seien. Der deutsche Marktführer Level 3 habe bestritten, »einer fremden Regierung« Zugang zu seinen Kommunikationsnetzwerken eingeräumt zu haben, schreibt die
SZ. Aber die Zeitung mutmaßt dann weiter, dass das Unternehmen dennoch als »Drehkreuz« für fremde Daten tätig gewesen sein könnte, da es 2011 die Firma Global Crossing mitsamt ihren Netzwerken - und vielleicht auch deren Absprachen - übernahm.
Diese Enthüllungen über die so genannten »Abhörpartner« der GCHQ stehen in engem inhaltlichen Zusammenhang zu früheren Enthüllungen Snowdens, nach denen der britische Dienst in den vergangenen drei Jahren umgerechnet mindestens 115 Millionen Euro von der NSA für seine Beteiligung an der »schmutzigen Arbeit« der Datenschleppnetzsammlung erhalten habe.
Der flüchtige Whistleblower Snowden erklärte vor Kurzem, die massive Überwachung sei nicht allein »ein amerikanisches Problem«, auch Großbritannien sei massiv beteiligt - das GCHQ sei sogar »noch schlimmer als die USA«.
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