Im Sommer 1943 befindet sich General Wladyslaw Sikorski auf dem Rückflug aus dem Nahen Osten. Kurz nach dem Start stürzt seine Maschine aus bis heute ungeklärten Gründen ab. Verschiedene Theorien machen die Runde: Höhere Mächte hätten den damaligen Chef der polnischen Exilregierung beseitigen wollen. - Mehr als 60 Jahre später, im November 2008, wird der schwere Marmorsarg mit dem Leichnam Sikorskis in ein Labor geschafft, um mit modernen Methoden noch einmal auf Spurensuche zu gehen. Jetzt liegen die aktuellen Ergebnisse vor. Angeblich kein Mord! Doch die britischen Akten zum Fall Sikorski bleiben noch bis zum Jahr 2050 unter Verschluss! Warum aber?Es war einer jener Unfälle, denen von Anfang an der Geruch des Geheimnisvollen und der Verschwörung anhaftete, es war ein Unglück, das den Lauf der Geschichte veränderte. Und dies wohl nicht rein zufällig.
Man schrieb den 4. Juli 1943. An jenem Tag befand sich General Wladyslaw Sikorski auf dem Rückflug nach London, wo er als Chef der polnischen Exilregierung wirkte. Der General hatte Truppen im Nahen Osten inspiziert und bald darauf die brodelnde ägyptische Metropole Kairo verlassen, um den Rückweg nach London anzutreten.

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Nun war es kurz vor Mitternacht. Immer noch lag die Hitze des Tages über der gesamten Mittelmeerregion. Sikorski, der mittlerweile zu einem kurzen Zwischenstopp in Andalusien eingetroffen war, begab sich recht eilig zum Rollfeld des Gibraltar Airport, wo eine silberne Liberator-Maschine für ihn und seine Begleiter bereit stand. Bald darauf hob die Maschine in die Nacht ab. Nur elf Sekunden nach dem Start stürzte der Bomber aus unerfindlichen Gründen in die Tiefe. Alle Insassen starben bei dem Unglück - einzig der Pilot Edward Prchal überlebte. Entgegen aller Gewohnheit und aller Gepflogenheiten hatte er zu diesem Flug eine Sicherheitsweste angelegt. Ahnte oder wusste er etwas von einem bevorstehenden Unglück? Zumindest nährten einige weitere merkwürdige Umstände verschiedene Theorien, die sich mit den ersten Deutungen keineswegs zufrieden gaben.
Als britische Rettungskräfte einige Stunden später die Absturzstelle erreichten, folgte schnell auch eine offizielle Erklärung der Ursache. Die Ermittler machten damals das Bodenpersonal verantwortlich. Alles drehte sich dabei um einen bewusstlosen Techniker und eine kleine Werkzeugtasche. Der Mann sei wegen der enormen Hitze auf dem Rollfeld zusammengebrochen, so dass ihn seine Kollegen unter eine Tragfläche der Liberator legten - und die Tasche darauf. Niemand dachte mehr an sie. Doch genau diese Tasche habe sich dann mit dem Steuermechanismus verkeilt und später den Absturz bewirkt. Bis heute hegen einige Historiker und Experten, die sich teils jahrelang mit dem Unglück vom 4. Juli 1943 befasst haben, wohl durchaus berechtigte Zweifel, ob nicht andere Ursachen im tragischen Spiel waren.
Schon sehr bald kamen Informationen ans Licht, die möglicherweise auf die wahren Hintergründe verweisen. Nur wenige Tage vor seinem plötzlichen Tod hatte der General eine Untersuchung des Massakers von Katyn gefordert, bei dem über 20.000 polnische Offiziere und Intellektuelle umgebracht worden waren, angeblich von den Nationalsozialisten. Wie sich dann nach genauen Untersuchungen herausstellte, wurden die Massenhinrichtungen von den Sowjets ausgeführt. Sikorski drängte Stalin auf eine Erklärung, doch der Kreml schwieg. Nach und nach verdichteten sich die Thesen und Theorien in die Richtung einer mörderischen Verschwörung. Nur, Beweise hierfür ließen sich nicht vorbringen. Seltsam schien einigen Beobachtern die Tatsache, dass am Tag des Absturzes auch eine Delegation des sowjetischen Außenministers Ivan Maisky anwesend war, deren Maschine sogar direkt neben der Liberator stand. Zufall oder Notwendigkeit - die alte Frage also. Ebenso die Präsenz des britischen Top-Spions Kim Philby, der später zu den Sowjets überlief. Und mit Großbritannien in Gestalt von Winston Churchill scheint sich letztlich der tödliche Kreis zu schließen, wenn die Theorien wirklich stimmen. Churchill soll der eigentliche Planer des Verbrechens gewesen sein, er soll den Befehl für den Mord an Sikorski gegeben haben. Seine Beweggründe? Er habe gefürchtet, dass die alliierten Kräfte letztlich am Gerechtigkeitswahn des Generals zerbrechen könnten, am Bestreben jenes Mannes, der nicht locker lassen würde, eine Aufklärung aller Hintergründe von Katyn in Gang zu setzen. Um die guten Beziehungen zu Stalin weiter aufrecht zu erhalten, musste also etwas geschehen. Dafür sei Churchill auch bereit gewesen, ohne mit der Wimper zu zucken, zwei britische MPs zu opfern, die Sikorski auf seinem Flug begleiteten. Doch Churchill hatte schon deutlich mehr Opfer gebracht. Skrupel waren da fehl am Platze.
Auch Dariusz Baliszewski, ein polnischer Historiker, der den Fall seit 15 Jahren verfolgt, ist davon überzeugt, dass der General umgebracht

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wurde. Seiner Meinung nach waren »die Briten zumindest passive Zeugen, da ohne deren Wissen nichts auf Gibraltar geschehen konnte«. Britische Behörden stellten in einer offiziellen, gerichtlichen Verlautbarung lediglich fest, dass das »Flugzeug aus nicht nachvollziehbaren Gründen unkontrollierbar wurde«.
Was geschah in jener Nacht wirklich? Eine Untersuchung von 1992 brachte das wiederum kontroverse Ergebnis, dass die Maschine in der fraglichen Flugphase, in der erreichten Höhe und mit der anliegenden Geschwindigkeit, aus rein technischen Erwägungen heraus überhaupt nicht abstürzen konnte.
Um Licht ins Dunkel jener Stunden und Sekunden zu bringen, wurde der Marmorsarg mit dem Leichnam Sikorskis im Einvernehmen mit den polnischen Behörden vor rund zwei Monaten aus der Kathedrale von Krakau in das städtische Institut für Gerichtsmedizin verbracht und geöffnet. Die am 25. November 2008 durchgeführte Exhumierung sollte endlich klären, ob der General wirklich Opfer eines sorgfältig geplanten Mordanschlags wurde, eines Attentats, das auf der höchsten Machtebene beschlossen worden war.
Ende vergangener Woche wurden nun die Ergebnisse vorgelegt. 43 Röntgenaufnahmen zeigen diverse Frakturen am Körper des Toten. Die Brüche finden sich am linken Augensockel und an der Stirn, am Schlüsselbein und an den Rippen, an der rechten Hand und am Bein. Im Schädel steckte noch ein Holzsplitter. Gab es Hinweise darauf, dass Sikorski vielleicht schon im Vorfeld ermordet und dann im Flugzeug platziert wurde? Diesen Gedanken schloss zumindest Dariusz Baliszewski nicht aus. Wiederholt wurden Vermutungen laut, der General sei erwürgt oder vergiftet worden. Die bisher bekannt gewordenen Ergebnisse lassen allerdings laut Aussage der Pathologen keine Rückschlüsse darauf zu; am Zungenbein stellten die Mediziner keinerlei Verletzungen fest, die auf eine Strangulation hindeuten könnten. Auch fanden sich keinerlei Spuren von Gift oder Schusswunden. Der Spannungszustand diverser Muskeln deutet für die Fachleute darauf hin, dass Sikorski zum Zeitpunkt des Unglücks vielmehr noch lebte und sein Tod durch das Versagen etlicher lebenswichtiger Organe eintrat, wie oft bei Flugzeugunglücken und dem plötzlichen Sturz aus großer Höhe.
Das gegen Ende 1998 vom polnischen Parlament gegründete "Institut der Nationalen Erinnerung"
,welches sich der Erforschung der polnischen Geschichte zwischen 1939 und 1989 widmet sowie die Erinnerung daran aufrechterhalten will, plant weitere Untersuchungen. Jetzt soll geprüft werden, ob möglicherweise Sabotage den Absturz des Liberator-Bombers herbeigeführt hat. Das Institut sieht seine Aufgabe auch darin, eine Verfolgung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit ebenso zu gewährleisten wie die Entschädigung der Opfer.

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Um Sikorski dürfte es allerdings noch manche Geheimnisse geben, die sich wohl nie mit Sicherheit aufklären lassen werden. Im September 1939 hatte der polnische General einen unvergleichlichen und abenteuerlichen Goldschmuggel organisiert, bei dem laut verschiedener Aussagen insgesamt sage und schreibe 78 Tonnen des Edelmetalls aus dem Land geschafft wurden, um die Exilregierung zu finanzieren. Mit involviert in die zahlreichen geheimen Aktivitäten des Generals war auch ein Mann namens Joseph Hieronim Retinger. Am 4. Juli 1943, dem Todestag Sikorskis, hielt er sich am Londoner Swindon Airportauf. Er wartete auf die Ankunft des Liberator-Bombers aus Gibraltar, an dessen Bord sich sein damaliger Vorgesetzter befunden hatte - Wladyslaw Sikorski.
J.H. Retinger war ein risikobereiter Einzelgänger, der stets im Hintergrund blieb und im Laufe seiner einzigartigen Schattenkarriere immer tiefer in die Geheimhaltung verstrickt wurde, um als Agent einige bemerkenswerte Leistungen zu vollbringen. J.H. Retinger wurde später zum Initiator und Begründer der hochelitären Bilderberger-Treffen, womit er die Mächtigsten der Welt jährlich mindestens einmal hinter fest verschlossenen Türen an einen Tisch brachte. Hier werden seit Jahrzehnten die Weichen der Weltgeschichte gestellt. Bekanntlich finden diese Treffen heute wie eh und je statt. Wie eh und je bleibt auch geheim, was am 4. Juli 1943 tatsächlich geschah. Und so wird es noch sehr lange sein. Denn sämtliche britische Akten zum Tod von General Sikorski unterliegen bis zum Jahr 2050 der strikten Geheimhaltung! Aber klar doch, es war nichts als ein tragischer Unfall! Denn die Tasche war an allem schuld!
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