
Pulsare sind rasch rotierende, extrem dicht gepackte Neutronensterne, die wie kosmische Leuchttürme äußerst präzise Radioblitze abstrahlen. Unter anderem deshalb eignen sich diese nur rund 20 Kilometer großen Objekte ideal, um beispielsweise zu prüfen, wie stark ihre Radiowellen und auch die von ihnen durchquerte Raumzeit durch große Massen gekrümmt wird - wie es die Allgemeine Relativitätstheorie von Albert Einstein vorhersagt.
Spurensuche am Massemonster
Auch im Herzen unserer Galaxie, der Milchstraße, existiert ein Massengigant, der die Raumzeit theoretisch enorm krümmen müsste: das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A* (Sgr A*). Es vereinigt auf kleinsten Raum die Masse von rund vier Millionen Sonnen. Es würde sich daher perfekt dazu eignen, um zu untersuchen, ob Einsteins Vorhersagen auch bei extremen Massen noch zutreffen. Deshalb suchen Astronomen auch schon seit mehr als 20 Jahren nach einem Pulsar, der dafür nahe genug an Sagittarius A* steht. Trotz langen Suchens schien das Herzen der Milchstraße jedoch eine Pulsar-freie Zone zu sein - bis zum Frühjahr dieses Jahres.
Satelliten der US-Raumfahrtbehörde NASA hatten damals eine neue Röntgenquelle in Richtung des galaktischen Zentrums entdeckt, deren Strahlung pulsierte. Aus den Daten schlossen die Wissenschaftler, dass es sich um einen Magnetar - einen jungen Neutronenstern mit extrem starkem Magnetfeld - handeln musste. Diese Objekte besitzen extrem starke Magnetfelder in der Größenordnung von 100 Millionen Tesla - das ist ungefähr 1000-fach stärker als das Magnetfeld von normalen Neutronensternen oder 100 Billionen Mal stärker als das Magnetfeld der Erde.
Doch keine pulsarfreie Zone
„Sobald wir von der Entdeckung regelmäßiger Pulse im Röntgenbereich mit dem NuSTAR-Teleskop gehört hatten, haben wir das Effelsberger 100-Meter-Teleskop in Richtung des galaktischen Zentrums ausgerichtet”, sagt Ralph Eatough vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie. „Bei den ersten Beobachtungen war der Pulsar noch nicht eindeutig sichtbar. Beim zweiten Versuch aber erwies er sich im Radiobereich als recht aktiv und sehr leuchtkräftig." Dabei bestätigte sich auch, dass der Pulsar mit der Bezeichnung PSR J1745-2900 zu den Magnetaren gehört.

Starkes Magnetfeld hindert Schwarzes Loch am Fressen
Aber der neue Pulsar hat den Astronomen trotzdem wichtige Informationen über das Schwarze Loch im Milchstraßen-Zentrum geliefert. Weil die Strahlung eines Magnetars stark polarisiert ist, lässt sich an ihr ablesen, ob sie auf ihrem Weg durch äußere Magnetfelder gedreht wurde. Solche Magnetfelder erzeugt auch das Schwarze Loch, wenn es Materie aus seiner Umgebung verschlingt. Sie verraten unter anderem, wie aktiv und gefräßig das Schwarze Loch ist.
„Um die Eigenschaften von Sgr A* verstehen zu können, müssen wir den Akkretionsprozess begreifen, mit dem das Gas in das zentrale schwarze Loch transportiert wird“, sagt Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie. „Bis jetzt blieb ein Parameter unbekannt, nämlich die Magnetisierung des Gases. Die aber ist entscheidend für die Struktur des Akkretionsflusses.“
Dank des neuen Pulsars ist es den Forschern jetzt gelungen, die Stärke des Magnetfelds genau dort zu messen, wo der Akkretionsfluss - der Strom der eingesaugten Materie - zur Zentralquelle einsetzt. Dabei zeigte sich, dass das Massemonster im Herzen der Milchstraße an dieser Stelle ein starkes und großskalig geordnetes Magnetfeld besitzt. Möglicherweise ist dieses sogar schuld daran, dass Sgr A* im Vergleich zu supermassereichen schwarzen Löchern in anderen Galaxien eher hungert und nur wenig aktiv ist: Denn sehr starke Magnetfelder direkt am schwarzen Loch können den Akkretionsprozess unterdrücken.
(Nature, 2013; doi: 10.1038/nature12499)
(Max-Planck-Institut für Radioastronomie - NPO)



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