Nachdem am Freitag bereits die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger des neuen Weltklimarat-Berichts erschienen war, wurde gestern der Bericht der Arbeitsgruppe 1, Wissenschaftliche Grundlagen, der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bereits im Vorfeld der Veröffentlichung war in der Presse und in Internetforen ein Aspekt ganz besonders intensiv diskutiert worden. Wie würde das IPCC mit dem unangenehmen Umstand umgehen, dass es in den letzten 15 Jahren nicht wie erwartet wärmer geworden ist. Vor allem der Umstand dass 98 Prozent der für die Vorhersagen verwendeten Klimamodelle einen solchen Stillstand nicht vorhergesehen haben, sollte Anlass genug sein, die Methodik und die für die Modelle verwendeten Parameter einmal gründlich zu überdenken. Bereits im Juni hat einer der führenden deutschen Klimaforscher, Hans von Storch, in einem Spiegel-Interview auf die Diskrepanz zwischen Modellen und Wirklichkeit hingewiesen:
“Es gibt zwei denkbare Erklärungen - und beide sind für uns wenig erfreulich. Erste Möglichkeit: Die Erwärmung fällt schwächer aus, weil die Treibhausgase, insbesondere das CO², eine geringere Wirkung haben als angenommen. Das bedeutet nicht, dass es keinen menschengemachten Treibhauseffekt gibt; nur wäre unser Einfluss aufs Klimageschehen nicht so stark wie vermutet. Die andere Möglichkeit: In unseren Simulationen haben wir unterschätzt, wie sehr das Klima aufgrund natürlicher Ursachen schwankt.”
Eine unbequeme Wahrheit

Da diese unbequeme Wahrheit nicht so einfach wegzudiskutieren ist, war bereits die Zusammenfassung für Entscheidungsträger (Summary for Policymakers, SPM) mit Spannung erwartet worden. Wer dort allerdings einen offenen Umgang des Weltklimarats mit diesem brenzligen Thema erwartet hatte, der wurde enttäuscht. So wurde etwa ein Zentraler Satz, mit dem im Entwurf für den Bericht noch auf die schlechte Abbildung der Wirklichkeit durch die Modelle hingewiesen wurde, einfach weggelassen.

Diese Taktik des unter den Tisch kehrens kann man bei einer Zusammenfassung möglicherweise noch irgendwie rechtfertigen. War halt nicht so wichtig, das Thema. Anders ist das bei einem Bericht, in dem auf über 2.000 Seiten der aktuelle Wissensstand möglichst allumfassend dargestellt werden soll.

Auch war seit längerem bekannt, dass die Diskrepanz zwischen den Modellen und der Wirklichkeit in IPCC-Kreisen durchaus thematisiert wurde. So wurde Im Dezember letzten Jahres eine vertrauliche Rohfassung des IPCC-Berichts publik gemacht. In diesem war bereits in der Einleitung die Abbildung 1-4 zu finden (nächste Grafik). Und auf dieser war eindeutig zu erkennen, wie groß der Unterschied zwischen dem was die Modelle erwarten ließen und dem was in der Realität gemessen wurde wirklich ist.
ipcc temperatur, modell

Die schwarzen Quadrate stellen die Ergebnisse der Temperaturmessungen unterschiedlicher Institute dar (Die amerikanischen NASA und NOAA und das britische Hadley Center). Die roten Quadrate sind nachträglich eingefügte Werte (HadCrut 4 von 2012 und 2013 vorläufig). Der farbig hinterlegte Hintergrund zeigt die Vorhersagen der bisherigen Berichte des Weltklimarats. Der bislang aktuellste war AR4 (Forth Assesment Report) von 2007. Die Vorhersagen daraus sind als roter Hintergrund dargestellt. Die graue Hinterlegung hat keine Bedeutung.

Tarnen und Tricksen

Seit Veröffentlichung des letzten Weltklimaberichts im Jahr 2007 lag also nur eine gemessene Temperatur überhaupt innerhalb der Vorhersagen. Der Rest darunter. Dass dieser Umstand nicht für die Qualität der Klimamodelle sprechen würde, lag auf der Hand. Spannend war jetzt die Frage, wie das IPCC damit umgehen würde. Die Antwort darauf gibt die Abbildung 1-4, wie sie letztendlich im aktuellen Sachstandsbericht gezeigt wird.

ipcc, klimamodell

Man reibt sich verwundert die Augen. Plötzlich erscheinen die gemessenen Temperaturen innerhalb des Bereichs der Projektionen. Das IPCC schreibt dazu:
“Even though the projections from the models were never intended to be predictions over such a short time scale, the observations through 2012 generally fall within the projections made in all past assessments.”

“Obwohl die Projektionen aus den Modellen niemals dazu gedacht waren, Vorhersagen über einen so kurzen Zeitabschnitt zu machen, liegen die Messungen bis 2012 im allgemeinen innerhalb der Projektionen aller bisherigen Berichte.”
Man kann darüber diskutieren ob es Zufall ist, dass das IPCC für die endgültige Version der Abbildung 1-4 eine andere Skala benutzt hat, als bei der ursprünglichen Version. Jedenfalls ist die jetzt gewählte Art der Darstellung besser geeignet, das Auseinanderdriften von Modell-Welt und Wirklichkeit gerade nicht darzustellen. Die folgende Abbildung zeigt einen Vergleich der ursprünglichen und der finalen Version von Abbildung 1-4 bei gleicher Skalierung. Die Pfeile markieren die Ober- und Untergrenze des A1B-Szenarios aus dem 4. Sachstandsbericht und wurden von Steve McIntyre eingefügt, der in seinem Blog ClimateAudit als erster auf das Verschwinden der Diskrepanz hingewiesen hat. Die gelben Punkte in der rechten Grafik zeigen die Jahrestemperaturen aus HadCrut 4.

Es muss offen bleiben, welchen „Trick“ das IPCC genau angewandt hat, um aus einer Abbildung, die das offensichtliche Versagen der Modelle zeigt eine zu machen, die eine heile Welt vorgaukelt in der Modell und Wirklichkeit plötzlich wieder zusammen passen. Was sofort ins Auge fällt ist, dass die Projektionen aus dem 2. Und zweiten und dritten Sachstandsbericht nach unten verschoben wurden. Weitere Veränderungen kann man wegen des unübersichlichen „Spaghetti-Graphen“ nicht erkennen.

Was bleibt ist der Eindruck, dass von Seiten des IPCC ausdrücklich nicht an einer Aufklärung darüber gelegen ist, warum Modelle und Wirklichkeit auseinanderklaffen. Dieser Diskussion wird durch diese Eigenwillige Art der Darstellung und offenbar auch durch Manipulation der Daten aus dem Wege gegangen.