Neue Beobachtungen des nahen Sterns Gliese 667C lieferten ein erstaunliches Ergebnis: Hier existieren innerhalb jenes schmalen Entfernungsbereichs, der für Leben geeignet ist, gleich drei Planeten! Dieser Fund belegt deutlich, dass die Zahl bewohnbarer Welten in der Galaxis sehr hoch sein muss.

Bild
© ESO/L. Calçada
Ein überwältigender Anblick: Am frühen Morgen schweben zwei intensiv funkelnde Sterne über einem weiten See. Sie leuchten beide noch viel kräftiger als unser Morgen- und Abendstern Venus und erreichen zusammen die Helligkeit des Vollmonds. Doch die blutrote Dämmerung rührt nicht von ihnen her, sondern von einer dritten Sonne. Allmählich nähert sich der Tag, und am Horizont zeigt sich der Rand eines Glutballs, der wie ein Rubin durch die morgendlichen Dunstschichten leuchtet. Nur die geringe Distanz lässt ihn viel greller leuchten als die beiden anderen Sonnen im Hintergrund. Trotzdem ist die glühende Kugel innerhalb des Dreifachsystems der kleinste Stern, ein Roter Zwerg der Spektralklasse M2V. In Sternkatalogen wird er als »Gliese 667C« gelistet.

Der Stern befindet sich in der südwestlichen Zentralregion des Skorpion, oberhalb seines »Stachels«, einer bogenförmigen Anordnung von Sternen, die in alter Zeit zur Namensgebung der Konstellation beigetragen hat.

Das Areal liegt mitten in der südlichen Milchstraße und ist wegen der extremen Horizontnähe von unseren Breiten nur sehr schlecht beobachtbar, wenn überhaupt. Ganz anders von Australien aus, wo der nur etwa 22,7 Lichtjahre entfernte Gliese 667 laut Angaben des 1933 verstorbenen Astronomen Thorburn Ayton Innes auch erstmals als Doppelstern erkannt wurde. Beobachtungen am alten Observatorium von Melbourne (MLO) zeigten ganz klar zwei Sterne, die entsprechend als »MLO« oder »Mlb 4« katalogisiert wurden und heute vor allem als Gliese 667A und B bekannt sind. Später wurde noch jene schwächere C-Komponente als physisch gebundene Komponente entdeckt, die A und B in viel größerem Abstand umkreist. Während die beiden Hauptkomponenten sich in knapp der 13-fachen mittleren Distanz Erde-Sonne umkreisen (12,6 Astronomische Einheiten, AE), also mehr als dem Bahnradius des Saturn, hält sich C in mindestens 230 AE auf, rund der sechsfachen Plutoentfernung! Ein vierter Stern befindet sich lediglich in gleicher Blickrichtung, ist aber nicht physisch ans Gliese-667-System gebunden.

Der große relative Entfernungsunterschied zwischen den Hauptkomponenten und C ermöglicht stabile Planetenbahnen um den roten Zwergstern, der nur etwa ein Drittel der Masse unserer Sonne auf sich vereint. Gliese 667C wurde in den vergangenen Jahren sehr gründlich erforscht. Astronomen fanden bereits drei Planeten dort. Einer von ihnen kreist innerhalb der habitablen Zone, also jenem schmalen Entfernungsbereich, innerhalb dessen auch flüssiges Wasser auf einer Planetenoberfläche als Grundvoraussetzung für organisches Leben existieren kann. Bei einem Roten Zwerg wie Gliese 667C mit seiner niedrigen Oberflächentemperatur von nur 3700 K liegen diese besonders interessanten Bahnen allesamt innerhalb der Distanz, die unser innerster Planet Merkur zur Sonne einnimmt.

Eine neue Studie stellt spektakuläre Ergebnisse vor, die Gliese 667C als bislang einzigartiges Planetensystem offenbaren. Jetzt gehen die Experten von bis zu sieben Exoplaneten dort aus, vondenen gleich drei innerhalb der habitablen Zone laufen. Durchgeführt wurden die aufwendigen Beobachtungen von einer internationalen Astronomengruppe unter Leitung von Guillem Anglada-Escudé (Universität Göttingen) sowie Mikko Tuomi von der Universität im britischen Hertfordshire.

Dabei kam eine »Armada« modernster Großtechnologie zum Einsatz: Die »Exo-Experten« nutzten den UVES-Spektrografen des höchst erfolgreichen Very Large Telescope der ESO in Chile, den Carnegie Planet Finder Spectrograph (PFS) am Magellan-II-Teleskop mit seinem 6,5-Meter-Spiegel auf dem chilenischen Las-Campanas-Observatorium, den HIRES-Spektrografen am Zehn-Meter-Keck-Spiegel (Hawaii) und frühere Daten des HARPS-Instruments für die hoch genaue Messung von Radialgeschwindigkeiten zur Planetensuche am mittlerweile altgedienten 3,6-Meter-Teleskop auf dem La Silla, Chile.

Dieses 1977 in Betrieb genommene Großteleskop wurde im Lauf der Jahre wiederholt auf den neuesten technischen Stand gebracht. Seit 2008 wird der 3,6-Meter-Spiegel ausschließlich mit HARPS genutzt. Der Aufwand zahlte sich aus. »Wir wussten von früheren Untersuchungen, dass der Stern drei Planeten besitzt, nun wollten wir sehen, ob es noch mehr gab«, so Tuomi zu Gliese 667C. Sichtlich begeistert fügt der Astronom hinzu: »Drei Planeten niedriger Masse in der habitablen Zone des Sterns zu finden, ist sehr aufregend!«

Tatsächlich handelt es sich bei den drei »bewohnbaren« Welten um Super-Erden, somit also terrestrische Planeten im Massenbereich zwischen Erde und Uranus oder Neptun. Rory Barnes, Mitautor der Studie und Wissenschaftler an der Uni Washington, kommentiert: »Die Zahl der möglicherweise habitablen Planeten in unserer Galaxie ist weitaus größer , wenn wir erwarten können, gleich mehrere von ihnen um jeden Stern niedriger Masse zu finden - anstatt zehn Sterne zu beobachten, um nach einem einzigen potenziell bewohnbaren Planeten zu suchen, wissen wir nun: Wir müssen lediglich einen Stern beobachten und finden mehrere davon.«