
Da noch nie zuvor etwas vergleichbares beobachtet werden konnte, grübeln Wissenschaftler derzeit noch über Erklärungen für das "mysteriöse Erscheinen" des Objekts, so die gemeinsame Hubble-Pressemitteilung von NASA und ESA.

Einen Einschlag als Erklärung für das merkwürdige Aussehen und Verhalten schließen die Forscher derweil aus, da bei einem solchen Treffer sämtlicher Staub und Trümmer auf einmal ins All geschleudert worden wären. "P5" hingegen gibt seinen Staub über einen Zeitraum von mittlerweile mindestens fünf Monaten sporadisch ins All. Auch die Anzahl der Schweife spreche gegen Einschläge als Erklärung - schließlich seien Sechs Einschläge innerhalb kurzer Zeit doch eher unwahrscheinlich. Da sich das Objekt am inneren Rand des Asteroidengürtels bewegt und damit für einen Asteroiden in großer Sonnennähe, dürfte auch kein Eis mehr existieren, um die Schweife durch die Sublimation von Eis zu erklären.
Eine weitere Erklärung für das ungewöhnliche Erscheinungsbild des Objekts wäre die, dass sich seine Rotationsrate derart beschleunigt, dass Teile seiner Oberfläche nun fortgeschleudert werden, wobei sich immer wieder Staub und Gase eruptionsartig lösen.
Handelt es sich also vielleicht doch um einen Kometen im Asteroidengürtel? Oder ein Asteroid, der Gas und Staub spuckt? Die genaue Zuordnung dieser astronomischen Zwitter, von denen bisher kaum mehr als zehn bekannt sind, fällt bis heute schwer. Auch sprachlich wird die Verwirrung deutlich: Forscher sprechen von aktiven Asteroiden oder Hauptgürtel-Kometen.
"Vieles spricht dafür, dass die sogenannten aktiven Asteroiden keine einheitliche Gruppe bilden“, sagt Jessica Agarwal vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Katlenburg-Lindau. Von der Oberfläche einiger Vertreter sublimiere vermutlich Eis (geht also sofort vom festen in den gasförmigen Zustand über). Dieses Eis stammt wahrscheinlich aus dem tiefen Innern der Körper und werde möglicherweise durch heftige Einschläge freigelegt. Bei anderen aktiven Asteroiden haben Zusammenstöße Fontänen aus Staub erzeugt, die noch monatelang als Schweif sichtbar waren. „Bei den meisten dieser Körper ist jedoch der Ursprung des Schweifes völlig unklar“, so Agarwal.
Mit Computersimulationen gelang es Agarwals Team nun, genau diese Veränderung zu rekonstruieren. Dafür berechneten die Wissenschaftler die Bahnen vieler hypothetischer Staubteilchen verschiedener Größe und verschiedenen Alters und verglichen deren Positionen mit denen der beobachteten Schweife. Einzige Annahme war, dass allein Strahlungsdruck und Gravitation der Sonne die Bewegung der Teilchen beeinflussen.
"Unsere Rechnung und die tatsächlichen Beobachtungen stimmen sehr gut überein", bilanziert Agarwal, die die Rechnungen durchführte. "Besonders ermutigend ist, dass wir die zeitliche Entwicklung zwischen den beiden Beobachtungstagen gut wiedergeben können."
Offenbar entstand jeder der sechs Schweife zu einem anderen Zeitpunkt, der jüngste nur wenige Tage vor den Hubble-Aufnahmen. Er konnte in den folgenden Tagen deshalb an Helligkeit zulegen, während alle anderen - je nach Größe ihrer Staubteilchen - nach und nach schwanden.
Bislang hat der Asteroid erst einen kleinen Teil seiner Hauptmasse in Form von Staub verloren - die Forscher vermuten 100 bis 1000 Tonnen. Mit einem Radius von 240 Metern ist das Objekt jedoch um das Tausendfache schwerer.
Weitere Beobachtungen sollen nun zeigen, ob Staub auch von der Äquatorebene des Asteroiden dessen Oberfläche verlässt. Dies wäre ein deutlicher Beleg für das bereits beschriebene Auseinanderbrechen des Körpers durch Rotationskräfte. Hierzu wollen die Astronomen nun auch die Umdrehungsrate messen.
Jewitt selbst vermutet, dass ein solches Auseinanderbrechen ein vergleichsweise häufiges Phänomen im Asteroidengürtel sein könnte. Es könnte sogar die gängigste Art und Weise sein, wie kleine Asteroiden "sterben". "In der Astronomie findet man meist dort, wo man ein Exemplar findet auch noch weitere. Dennoch handelt es sich bislang bei P5 um ein wirklich erstaunliches Objekt, das in dieser Form erstmals beobachtet werden konnte."
Quelle: spacetelescope.org, mpg.de




Kommentar: Siehe auch folgende (englische) Artikel:
Sichtung eines seltenen "Asteroiden" mit Schweif
Asteroid mit Schweif, der immer länger wird
Asteroid 3200 Phaethon verhält sich wie Komet
Die Beweise sind offensichtlich, doch weil sie sich an ihre alten Vermutungen klammern, sind sie unfähig zu sehen, dass sich in einem elektrischen Universum alle Weltraumtrümmer elektrisch aufladen können!
Um die Wahrheit über Asteroiden und Kometen zu lernen, lesen Sie The Apocalypse: Comets, Asteroids and Cyclical Catastrophes von Laura Knight-Jadczyk (nur auf Englisch erhältlich).