Elektronische Zigarette
© Marcus Brandt/dpa
Elektronische Zigarette
Als Dampfer bezeichnete man früher große Schiffe, deren Schrauben von Dampfmaschinen angetrieben wurden. Heute gibt es eine neue Art Dampfer: Menschen, die mit E-Zigaretten Dampf erzeugen. Für sie gibt's jetzt sogar einen Stammtisch.

Mit einem Facebook-Aufruf trommelte ein Anhänger der E-Zigarette 33 Gleichgesinnte zusammen und traf sich mit ihnen in einem Gasthaus, um dort einen »Dampfer-Stammtisch« zu etablieren - denn die Fans der E-Zigaretten nennen sich selbst Dampfer.

Bischmisheim. Es ist voll am Freitagabend im Gasthaus „Zum Reinsche“. An den Tischen wird gegessen und getrunken. Doch an einer langen Tischreihe dampft es helle, große Wolken im Sekundentakt. Immer wieder gucken die anderen Gäste verdutzt den weißen Dampfschwaden hinterher. Irgendwann hält es einen von ihnen nicht mehr auf den Stuhl: „Was macht ihr hier? Was ist das?“, fragt der Mann Raphael Raber (38). „Wir dampfen E-Zigaretten“, erklärt er. Ungläubig schüttelt sein Gegenüber den Kopf: „So große? Ich dachte, es seien Wasserpfeifen.“ Mit einer üblichen Zigarettenform hat Rabers etwa 20 Zentimeter großes Dampfgerät aus Edelstahl mit Industrieakku nichts mehr gemein. In der Mitte des Gerätes, eingelassen in eine Kartusche, blubbert eine hellblaue Flüssigkeit: „Das ist das sogenannte Liquid“, erklärt er, „ein Gemisch aus Propylenglykol, Glyzerin, Wasser, Lebensmittelaromastoffen und bei Bedarf auch Nikotin. Anders als bei normalen Zigaretten findet bei E-Zigaretten keine Verbrennung statt. Der Dampf, der bei uns aufsteigt, ist kein Problem. Weder für Passivdampfer, noch für uns selbst.“

Gewöhnliche Zigaretten enthalten neben Nikotin gesundheitsschädliche Zutaten wie Teer oder Blausäure, was der Dampf der E-Zigaretten nicht hat. Dennoch warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BFR) vor den Liquids, „als keine gesundheitlich unbedenklichen Produkte“, besonders dann, wenn Nikotin mitgedampft wird.

Früher hat Raber 30 Zigaretten am Tag geraucht: „Mittlerweile bin ich bei null. Aber den Flash des Rauchens, wenn sich die Lunge weitet, kriegt man auch beim Dampfen.“

33 Dampfer hat Raber für den ersten Termin seines „Dampferstammtischs Saarbrücken“ über Facebook zusammengetrommelt. Die meisten sind aus dem Saarland, andere sind aus Trier und dem südhessischen Biblis angereist. „Es gibt schon seit anderthalb Jahren einen saarländischen Dampferstammtisch. Allerdings trifft der sich an wechselnden Orten. Ich wollte einen organisieren, der immer am gleichen Ort stattfindet. Einmal im Monat treffen wir uns jetzt in Bischmisheim. Heute sind Neulinge und passionierte Dampfer dabei.“ E-Zigaretten fallen im Saarland, anders als in Baden-Württemberg, Hessen oder Rheinland-Pfalz, nicht unter das Nichtraucherschutzgesetz. Auf dem Stammtisch liegen verschiedene Dampfgeräte, mal aus Plastik, mal aus Edelstahl. Bunte, kleine Fläschchen mit verschiedenen Aromaessenzen sind in der Tischmitte aufgereiht. „Jedes Aroma, das die Lebensmittelindustrie hergibt, kann man auch dampfen“, erklärt Susanne Brückmann. „Nikotin wird mit der Spritze punktgenau aufgezogen“, erklärt die 40-Jährige. Maximal 18 Milligramm dürfe man den Liquids beimischen, „ich hab' heute nur drei drin“. Viele der Dampfer verzichten hier ganz auf Nikotin. Die Wolken im „Zum Reinsche“ riechen nach Pfefferminz, Erdbeere, Karamell, Vanille und Eisbonbon. Aber es gibt auch „verrückte Sorten wie Knoblauch, Brathähnchen oder Käsekuchen“, sagt eine andere Dampferin.

In vielen Städten gibt es Dampferstammtische, bei denen man sich austauscht, neue Aromen und Geräte probiert.