Bild
© AFPIm Dorf Burrowbridge liegen große Sandsäcke bereit, um die Wassermassen zu stoppen.
Die Menschen in Südengland sind stinksauer: Seit Weihnachten stehen ihre Felder und Dörfer unter Wasser - und niemand hilft. Von der Regierung geschickte Soldaten sind nur herumgefahren. Nun steht bereits die nächste Regenfront bevor.

Das Dorf Muchelney ist seit dem Ersten Weihnachtstag eine Insel. Die Zufahrtsstraßen sind überflutet. Dort, wo normalerweise die Kühe auf den Weiden grasen, sieht man nun meilenweit nur Wasser.

Engländer gelten als überdurchschnittlich geduldige Menschen. Doch jetzt reicht es den Leuten in der Küstenebene von Sommerset. Ladenbesitzer John Leach ist stinksauer: "Wir sind am Boden zerstört. Wir mussten unseren Laden schließen. Meine Mitarbeiter haben keine Chance, hier nach Muchelney hereinzukommen - und das jetzt schon einen ganzen Monat lang."

In Südengland hat es in diesem Januar doppelt so viel geregnet wie normalerweise. So viel wie in diesem Monat hat es hier noch nie geregnet. Sturm und Regen schnitten über die Weihnachtstage ganze Landstriche von der Umwelt ab. Die meisten Häuser sind inzwischen wieder ans Stromnetz angeschlossen und die Züge fahren wieder. Aber noch immer stehen Dörfer und Weiden unter Wasser.

Viele Familien können seit einem Monat nicht mehr in ihre Häuser, aber erst in dieser Woche haben ihre Hilferufe die Politiker in London erreicht. Premierminister David Cameron zeigte sich im Unterhaus entschlossen: "Diese Situation ist nicht hinnehmbar. Ich habe angeordnet, dass noch mehr Hochleistungspumpen in das Flutgebiet geschickt werden. Und wir werden ganz dringend prüfen, welche weiteren Hilfen wir den Betroffenen zur Verfügung stellen. Ich schließe nichts aus, um dieses Problem in den Griff kriegen."

Royal Marines im Einsatz gegen die Fluten

Ergebnis der Prüfung war, dass sich gestern ein paar Royal Marines in Bewegung setzten und mit ihren Landrovern und Amphibienfahrzeugen durch die überfluteten Straßen pflügten. Mehr konnten sie nicht tun. Die Anwohner quittierten den Auftritt der Soldaten mit typisch britischem Sarkasmus.

Ann Long hat mit ihrem Golden Retriever von der Ladefläche eines Lkw-Anhängers zugeschaut: "Ich finde das fast ein bisschen übertrieben. Wir kommen doch auch so zurecht. Wahrscheinlich sind die nur hier, weil die Medien das Thema aufgegriffen haben."

In der Kritik steht vor allem Umweltminister Owen Paterson. Der Etat seiner Behörde ist in den vergangenen Jahren stark gekürzt worden. Bewohner erzählen, dass die Bagger verkauft wurden, mit denen früher die Flüsse ausgebaggert wurden, um das Flutwasser aufzunehmen. "Sie haben doch gewusst, dass es immer mehr Überflutungen geben wird", erzählt Ladenbesitzer Leach. "Sie hätten die Flüsse ausbaggern müssen. Sie hätten Überflutungsflächen schaffen müssen, um uns zu schützen."

Versteinerter Wald aus grauer Vorzeit entdeckt

Klimaforscher sagen voraus, dass Großbritannien in den kommenden Jahren immer stärkeren Stürmen und Regen ausgesetzt sein wird. Schon für das kommende Wochenende kündigen sich neue sintflutartige Regenfälle an. Die Royal Marines haben versprochen, in Bereitschaft zu bleiben, um notfalls Sandsäcke zu füllen.

Es gibt nur ganz wenige, die in den Wetter-Kapriolen etwas Positives entdecken können - Archäologen zum Beispiel: Der Weihnachtssturm hat an der walisischen Küste den Strand weggerissen. Zum Vorschein kam ein versteinerter Wald aus grauer Vorzeit. Das sei eine Sensation, sagen die Wissenschaftler.