
Diese Defekte treten jedoch nicht bei allen Zellen zur gleichen Zeit und mit der gleichen Intensität auf. Manche Zellen sind stärker davon betroffen als andere. Vor diesem Hintergrund wollten die Schweizer Forscher die Gesundheit des Zellgewebes und damit die Lebensdauer eines Organismus erhöhen, indem sie die gesunden Zellen auslesen und die beschädigten eliminieren.
Um ihre Hypothese zu testen, griffen die Wissenschaftler um Moreno auf die Fruchtfliege Drosophila melanogaster zurück. Die Forscher entdeckten sodann ein Gen, das in weniger gesunden Zellen aktiviert wird. Das sogenannte Azot-Gen (benannt nach Ahuizotl, einer Kreatur aus der aztekischen Mythologie, die Fischbestände von Gewässern schützt, indem sie gezielt Fischerboote attackiert), greift dieses Gen gezielt weniger gesunde Zellen an, um die Unversehrtheit und Gesundheit von Organen wie dem Hirn oder den Eingeweiden zu schützen.
Während sich normalerweise zwei Kopien dieses Gens in einer Zelle befinden, fügten die Wissenschaftler eine dritte Kopie hinzu und konnten so die gesünderen Zellen und Nervenzellen noch effizienter aussortieren. "Das Resultat dieser zellulären 'Qualitätskontrolle' war äußerst aufregend", so die Studienleiter Moreno und seine Kollegin Christa Rhiner: "Die behandelten Fliegen wiesen ein gesünderes Zellgewebe auf, alterten langsamer und hatten eine längere Lebensdauer." (...) Unsere Fliegen lebten im Mittel um 50 bis 60 Prozent länger als ihre übrigen Artgenossen."
Tatsächlich, so sind die Forscher überzeugt, gehe das Potenzial dieser Resultate aber über die Erschaffung von "Methusalem-Fliegen" hinaus, da das Azot-Gen auch im menschlichen Körper vorkommt. "Auch hier könnte die Selektion gesünderer, fitterer Zellen in den Organen künftig als Mechanismus zur Verlangsamung des Alterns dienen", erläutern die Forscher abschließend. "Beispielsweise könnte damit der im Laufe des Lebens zunehmenden Degeneration von Gewebe und Nervenzellen in unseren Körpern entgegengewirkt werden."



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