
Denn Blitze bestehen nicht nur aus dem leuchtenden Einschlag, den wir sehen. Stattdessen fließen in einer Gewitterwolke ganze Kaskaden elektrischer Ladung hin und her und nähern sich schrittweise dem Boden. Dies öffnet gewissermaßen einen Pfad für einen "Rückschlag", der den für uns sichtbaren Blitz bildet.
Rakete in die Gewitterwolke
Wie wir den Donner hören, hängt stark von der Entfernung ab: Aus der Nähe klingt Donner wie ein kurzer, scharfer Knall, der erst mit der Distanz zum bekannten Donnergrollen wird. Aus diesen Geräuschen wollen Dayeh und seine Kollegen mehr über Blitze erfahren: Sie belauschen das Gewitter. Dazu verwenden sie einen Aufbau von fünfzehn Mikrophonen, die bis zu 95 Meter entfernt von einem Blitzeinschlag stehen.
Allerdings wäre es ein Glücksspiel mit schlechten Karten, auf einen Einschlag genau ins Zentrum dieses Aufbaus zu warten: Blitze sind sprichwörtlich unvorhersehbar - das ist einer der Gründe, weshalb sie so wenig erforscht sind. "Wegen ihrer unberechenbaren Natur untersucht man diese Phänomene am besten mit ausgelösten Ereignissen", erklärt Dayeh. Dazu schießen die Forscher mit einer kleinen Rakete einen Kupferdraht in eine Gewitterwolke. Das untere Ende des Drahtes ist im Zentrum der Mikrophone geerdet. Der leitfähige Draht bildet so den Pfad für die elektrische Entladung.
Donner sieht aus wie moderne Kunst
Mit entsprechender Signalverarbeitung lassen sich die aufgezeichneten Schallwellen der Donnerschläge dann sichtbar machen. "Zuerst dachte ich, das Experiment hätte nicht funktioniert", berichtet Dayeh über die ersten Ergebnisse. "Die erstellten Bilder sahen aus wie ein buntes Stück moderne Kunst, das man sich über den Kamin hängt." Erst ein Blick auf die höheren Klangfrequenzen brachte Klarheit: Nachdem die Physiker diese Frequenzen isoliert und verstärkt hatten, ergab sich ein klares Klang-Profil der Blitzeinschläge.

(Southwest Research Institute, 07.05.2015 - AKR)



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