Der umstrittene »Klon-König« Hwang Woo-suk feiert einen neuen Triumph: In seiner Firma Sooam Biotech Research klonte er zwei Boxerwelpen, und zwar erstmals aus Gewebe eines beinahe schon zwei Wochen toten Hundes. Die Besitzer hatten die Proben selbst entnommen und sind die ersten britischen Kunden des südkoreanischen Mediziners und Unternehmers.
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© ABC News
Die britischen Hundefreunde Laura Jacques und Richard Remde gehen wohl in die Geschichte des Klonens ein. Zum ersten Mal wurden Jungtiere aus Gewebe eines bereits zwölf Tage toten Hundes geklont. Im vergangenen Juni erfuhren die beiden Engländer, dass ihr acht Jahre alter Boxerhund »Dylan« unheilbar an einem Gehirntumor erkrankt war und nur noch kurze Zeit zu leben hatte. Am 30. Juni starb das Tier dann nach einer plötzlichen Herzattacke.

Die Besitzer, die ihren Hund wie ein Familienmitglied liebten, entschlossen sich zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sie wollten Dylan als Klon wiederauferstehen lassen. Der Tierarzt überließ den toten Hund noch für einige Tage seinen Herrchen. In dieser Zeit recherchierten Jacques und Remde, welche Möglichkeiten heute existieren, ein verstorbenes Haustier zu klonen.

Schnell kristallisierte sich Sooam Biotech Research in Südkorea als geeigneter Partner heraus, wobei den Tierfreunden, die noch vier andere Hunde und elf weitere Tiere besitzen, offenbar kein Preis zu hoch war. Rund 91 000 Euro veranschlagt Sooam für das Klonen eines Hundes. Die Firma hat bisher schon rund 700 Hunde für kommerzielle Zwecke geklont.

Ein Beitrag der Londoner Produktionsgesellschaft CB Films hatte bereits im Vorjahr über ein von Sooam initiiertes Preisausschreiben berichtet. Es hatte zum Ziel, einer britischen Familie kostenlos den Hund zu klonen. Die Werbeaktion steigerte den Bekanntheitsgrad des Biotech-Unternehmens deutlich.

Die Gewinnerin der ungewöhnlichen Veranstaltung ließ ihren noch lebenden Dackel erfolgreich »reproduzieren«. David Kim, der als Wissenschaftler bei Sooam tätig ist, erklärte, wie aufregend es für das Labor sei, für das Klonen nun Gewebeproben zu verwenden, die einem bereits zwölf Tage toten Tier entnommen worden waren.

Dylan wurde in einem Bestattungsinstitut eingefroren, und das britische Paar kaufte sich beim Versandhandel kurzerhand einige medizinische Hilfsmittel, um Hautproben des verstorbenen Lieblings zu entnehmen, völlig ohne fachliche Aufsicht. Am 4. Juli flog Remde dann mit den Proben im Gepäck nach Südkorea, wo ihn ein Sooam-Firmenmitarbeiter am Flughafen empfing, um das Material ins Labor zu bringen, während der Brite gleich die nächste Maschine zurück in die Heimat nahm.

Wie sich allerdings herausstellte, eigneten sich jene Gewebestückchen nicht für die genetische Reproduktion des Tieres. Sooam erkundigte sich, ob der Hund noch »verfügbar« sei. Das war der Fall. Und so machten sich die beiden Besitzer daran, wenn auch mittlerweile eher widerstrebend, weitere Proben von dem bereits fast zwei Wochen toten Boxer zu entnehmen.

Bereits eine Woche nach seinem ersten Besuch flog Remde erneut nach Südkorea, wieder mit Gewebe im Gepäck. Nach einer Wartezeit von über drei Monaten kam dann die erlösende Nachricht von Soaam: Das Zellwachstum war tatsächlich ausreichend, um mit dem Klonen zu beginnen. Im Labor von Hwang Woo-suk integrierten die Gentechniker nun Dylans DNS in die von Erbsubstanz befreite Eizelle eines Hundes. Dann regten sie durch gezielte Elektroschocks die Zellteilung an und implantierten die Zelle in eine erwachsene Hündin, die als »Leihmutter« fungierte.

Außerdem pflanzten die Wissenschaftler einer zweiten Hündin noch eine weitere Eizelle ein. Ende November folgte die Bestätigung, dass die Tiere wirklich trächtig seien und sich beide Embryonen gut entwickelten. Am zweiten Weihnachtsfeiertag, in Commonwealth-Staaten als »Boxing Day« bekannt, was ziemlich gut zum aktuellen Anlass passte, wurde schließlich der erste Boxer-Welpe geboren. Am 28. Dezember kam nun der zweite zur Welt. Das Experiment scheint also geglückt zu sein und sogar neue Maßstäbe zu setzen. Bislang stand der Rekord für eine Regeneration genetischen Materials bei fünf Tagen nach Eintritt des Todes.


So weit die recht schöne Erfolgsgeschichte

Doch verbinden sich damit viele weniger schöne Aspekte. Noch bleiben Menschen weitgehend außen vor. Doch das Potenzial besteht. Versuche wurden längst durchgeführt. 2013 gelang dem Forscher Shoukhrat Mitalipow von der Oregon Health and Science University ein entsprechendes Klon-Experiment, das allerdings nach einer Woche abgebrochen wurde.

Auch Hwang Woo-suk hatte mit menschlichen Stammzellen experimentiert, doch verstieß er nicht nur gegen das Bioethik-Gesetz, sondern manipulierte auch die Ergebnisse. So verwendete er wesentlich mehr Eizellen, als er angab, womit er seine Erfolgsquote natürlich massiv schönte, kaufte sogar Eizellen seiner Mitarbeiterinnen für die Versuche und unterschlug Millionensummen an öffentlichen Geldern.

2006 wurde er des Wissenschaftsbetrugs für schuldig befunden, ist aber, wie man sieht, schon wieder zurück auf der großen Bühne des Klonens. Sein Unternehmen ist übrigens auch Partnerfirma der neuen riesigen chinesisch-südkoreanischen Klonfabrik BoyaLife, die zum weltführenden genetischen Massenkopierer von Hunderttausenden Tieren zu werden scheint, unter anderem, um den wachsenden Fleischbedarf Chinas ausreichend zu decken.

Ethische Fragen werden seitens des Managements zügig abgehandelt, und so erklärt auch Sooam Biotech Research ganz schlicht: »Im Labor wenden wir auf die Tiere ethische Regeln an.« Doch die Ethik des Klonens bleibt ein äußerst strittiges Feld, nicht nur, wenn es um Menschen geht. Kritiker beklagen das völlige Fehlen von Regularien.

Helen Wallace, Chefin von Genewatch, erklärt beispielsweise: »Eine unserer Sorgen ist, dass kommerzielle Klon-Unternehmen die Trauer der Besitzer von Haustieren ausnutzen könnten. Das Klonen von Haustieren sollte verboten werden. Es gibt dafür keinerlei Rechtfertigung.«

Diese Aussage dürfte noch zu knapp gefasst sein. Denn generell verbinden sich mit dem Klonen fundamentale ethische Probleme und potenzielle Gefahren. Tierschützer haben wiederholt darauf verwiesen, dass die Technik mit Qualen für die betroffenen Tiere verbunden ist. Auf einen Erfolg kämen zahlreiche missglückte Experimente, die Mortalität sei extrem hoch, außerdem bestehe eine klare Indizienlage hinsichtlich physischer Unzulänglichkeiten und Leiden geklonter Tiere - abnormale Wachstumsmuster, Tumoren oder Lungenentzündungen.

Völlig paradox jedenfalls, wenn Tierfreunde zum Klonen greifen, um besser über den Verlust ihres geliebten Haustieres hinwegzukommen! Der Griff zu diesem modernen Mittel der Selbsttäuschung scheint eher motiviert durch Selbstsucht, und auch Jacques spricht von einem sehr kontroversen Thema: »Es wird Leute geben, die mit unserer Entscheidung nicht einverstanden sind, viele Leute würden aber auch liebend gerne dasselbe tun!«

Auf der anderen Seite steht der Kommerz

Mögliche Negativfolgen werden einfach in Kauf genommen. Wer es sich leisten kann, sein totes Haustier zu klonen, muss sich bewusst sein, das verstorbene Individuum niemals auferstehen zu lassen, sondern wiederum eigene Individuen zu schaffen, wenn auch genetische Kopien. Am Ende der Entwicklung könnte das Szenario einer genetischen Zweiklassengesellschaft stehen, was Kritikern beim Blick in diese vielleicht gar nicht so ferne Zukunft kalte Schauder über den Rücken jagt. Frankenstein in moderner Form, wahrscheinlich auch Frankensteins Fluch.

Was alles an Gutem und Hilfreichem hätten die beiden Tierfreunde mit dem aufgewendeten Geld für zahlreiche Tiere tun können, anstatt ihre sicherlich ehrliche Trauer um den verstorbenen Hund völlig selbstzentriert zu kompensieren, durch »Copy & Paste«, von Südkorea nach England! Weitaus sinnvoller wäre wohl eher gewesen, sich eines bedürftigen Tieres anzunehmen.