Ein Zustrom von erwartenden Müttern, die auf Grund des Todes ihrer ungeborenen Kinder in den USA des Mordes angeklagt werden, hat Empörung unter Frauenrechts-Aktivistinnen entzündet.

38 Staaten haben Gesetze zum Fötus-Mord erlassen, um schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder vor gewalttätigen Angriffen Dritter zu schützen.

Aber diese Gesetze werden zunehmend dazu benutzt, Frauen zu drohen und sie über den Ausgang ihrer Schwangerschaft zu belangen, sagt der National Advocates for Pregnant Women (NAPW).

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Bei Bei Shuai wurde im März des Mordes ihrer drei Tage alten Tochter, Angel Shuhai angeklagt, die am 2. Januar gestorben war.
Aktivisten sagen, dass Rennie Gibbs ein solcher Fall ist. Gibbs war gerade 15 als sie schwanger wurde, aber ihr Kind war im Dezember 2006 mit 36 Wochen eine Totgeburt.

Nachdem die Staatsanwälte ihre Kokainsucht endeckten, wurde sie des 'verdorbenen-Herzen-mordes' des Babies angeklagt, was eine zwingende lebenslange Freiheitsstrafe bedeutet.

Der Fall hat einen Sturm ausgelöst, und Gibbs war die erste Frau in Mississippi, die des Mordes in Verbindung mit dem Verlust ihres ungeborenen Kindes angeklagt wurde.

Es gibt keinen Beweis, dass Drogenabusus mit dem Tod des Babies in Verbindung stand.

Laut dem Gesetz Mississippis ist es ein Verbrechen für jede Person außer der Mutter, wenn man versucht, eine Abtreibung vorzunehmen.

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38 Staaten haben Kindsmord-Gesetze eingeführt, die dazu dienen sollen schwangere Frauen und ihre ungeborenen Kinder vor gewalttätigen Angriffen Dritter zu schützen.
Anti-Abtreibungsgruppen haben jedoch versucht, die Landesverfassung zu mildern, indem sie ein Referendum auf die Beine stellten, das für den Staat die Definition einer Person erweitert und den Fötus vom Tag seiner Empfängnis an miteinschließt.

Gibbs' Anwalt, Robert McDuff, nannte die Anschuldigungen "beispiellos" und "ziemlich extrem".

Er fragte den obersten Gerichtshof: "Wenn es für eine Mutter kein Verbrechen ist, ihre Schwangerschaft absichtlich zu beenden, wie kann es dann ein Verbrechen für sie sein, es unabsichtlich zu tun, sei es, indem sie Drogen nimmt oder sie raucht oder was auch immer es sein mag".

Seine Klientin ist jedoch nicht die einzige.

Bei Bei Shuai ist des Mordes ihrer drei Tage alten Tochter Angel Shuai angeklagt, die am 2. Januar gestorben ist.

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Aktivisten sagen, dass ein neues Gesetz zum Mord in Mississippi, das Frauen rechenschaftspflichtig über den Ausgang ihrer Schwangerschaft macht, ihr Recht werdender Mütter verletzt.
Die 34-jährige begang am 23. Dezember einen Selbstmordversuch -- in ihrer 33. Schwangerschaftswoche -- indem sie Rattengift einnahm, nachdem sie von ihrem Freund verlassen wurde.

Sie entband am 31. Dezember und wurde im März des Mordes und des versuchten Fötusmordes angeklagt. Sie verbleibt in Untersuchungshaft ohne Kaution.

Lynn Paltrow von der Kampagne National Advocates for Pregnant Women (NAPW) sagte, dass Fälle wie diese die Rechte der Frauen verletzt.

Sie sagte der Guardian: "Frauen werden ihres konstitutionellen Menschseins beraubt und wirklich grausamen Gesetzen unterworfen. Hier werden aus schwangeren Frauen eine andere Klasse von Menschen gemacht und es werden ihnen ihre Rechte entzogen".

Während das Phänomen nicht neu ist, so scheint es zuzunehmen, sagte Paltrow.

NAPW schätzt, dass es bis zu 300 Frauen gegeben habe, die für ihre Handlungen während der Schwangerschaft inhaftiert wurden.

2006 führte Alabama ein Gesetz zur 'chemischen Gefährdung' ein, um Kinder vor Eltern zu beschützen, die zu Hause Methamphetamin kochten.

Vierzig Fälle sind seitdem unter diesem Statut vor Gericht gekommen.

Amanda Kimbrough ist eine dieser Frauen. Ihr Fötus wurde mit einem möglichen Down Syndrom diagnostiziert und die Ärzte schlugen ihr vor, eine Abtreibung in Betracht zu ziehen. Sie lehnte ab und das Kind wurde als Frühgeburt per Kaiserschnitt im April 2008 geboren. Doch das Kind starb innerhalb weniger Minuten.

Sechs Monate später wurde sie festgenommen und dem Gesetz entsprechend angeklagt; von den Staatsanwälten der Drogeneinnahme während der Schwangerschaft beschuldigt.

Sie hat die Behauptungen von sich gewiesen und wartet auf ein Revisionsverfahren; wenn sie verliert, erwartet sie eine zehnjährige Gefängnisstrafe.

Sie sagte der Guardian: "Ich lebe einfach von einem Tag zum nächsten und kümmere mich um meine drei anderen Kinder. Die sagen ich sei eine Kriminelle, wie soll ich darauf antworten? Ich bin eine gute Mutter", sagte sie.

Die vor Gericht gestellten Mütter werden unterstützt -- gemeldete 70 Organisationen haben Empfehlungsschreiben für Gibbs eingereicht, um gegen ihre Verurteilung zu protestieren. Kurz gesagt steht darin, dass ein Mädchen, das eine Totgeburt hatte, und dann wie eine Mörderin behandelt wird, ihr Leid nur noch verschlimmert.

Eine anderes Briefing einer Gruppe von Psychologen argumentiert, dass eine irrige Vorstellung über Sucht vorliegt, besonders in Bezug auf werdende Mütter.

Es sagt aus, dass Gibbs Kokain nicht genommen habe, weil sie ein "schlechtes Herz" hat oder sie "den Fötus schädigen wollte" ; sie nahm Kokain, um ein akutes psychologisches und physiologisches Bedürfnis nach dieser speziellen Substanz zu bedienen.

Paltrow sagt, dass die Gegenreaktion in Gibbs Fall einen Hinweis darauf aufzeigt, womit Frauen in einem Staat konfrontiert sein könnten, wenn die Abtreibungsgesetze aufgehoben werden - und wenn ein Staatsreferendum von Anti-Abtreibungsgruppen aufgesetzt wird.

"In Mississippi schafft der Gebrauch des Mord-Gesetzes einen völlig neuen, legalen Standard, der Frauen rechenschaftspflichtig für den Ausgang ihrer Schwangerschaft macht und sie mit lebenslänglicher Haft wegen Mordes bedroht", sagte sie.