
Das wurmähnliche Osedax-Wesen ist eine Kuriosität der Evolution: Die Würmer besitzen weder Mund noch Darm. Ihre Leibspeise, die Knochen von Walskeletten am Meeresgrund, verdauen sie stattdessen mit Hilfe von wurzelartigen Auswüchsen, in denen symbiontische Bakterien als Verdauungshelfer fungieren. Bizarr ist auch ihre Fortpflanzung, bei denen mikroskopisch kleine Männchen auf dem Eileiter des Weibchens leben.
Knochenfresser im Walschädel
Bisher hielt man die Knochenfresser-Würmer für einen typischen Bewohner der Tiefsee: "Die Wassertemperatur dort, wo Osedax normalerweise vorkommt, liegt zwischen -1 und 15 Grad", erklärt Conxita Avila von der Universität Barecelona. Das Mittelmeer galt daher als zu warm und flach für diese Wesen, wenngleich dort verräterische Fraßspuren an fossilen Walknochen gefunden wurden.

Unterwasser-Canyon als kaltes Refugium?
"Die Tatsache, dass wir Osedax nun erstmals im Mittelmeer entdeckt haben spricht dafür, dass diese Organismen auch in relativ geringen Tiefen und in gemäßigten Breiten leben können", sagt Avila. Allerdings scheint es auch dort enge Verbreitungsgrenzen zu geben: An Knochenködern, die in geringerer Tiefe oder an anderen Stellen des Meeresgrunds deponiert worden waren, fanden sich keine Spuren der Osedax-Würmer.
"Der glückliche Fund von Osedax im Canyon könnte darauf zurückzuführen sein, dass diese Knochen vom kälterem, tieferen Wasser des Blanes-Canyons umspült wurden", vermuten die Forscher. "In flacheren, wärmeren Zonen des Mittelmeeres dagegen zersetzen sich die Walknochen wahrscheinlich durch die reichliche Bakterienflora zu schnell, um von den Würmern kolonisiert werden zu können.
Verbreitung und Morphologie noch unbekannt
"Wir müssen nun weitere Studien durchführen um herauszufinden, ob diese neue, noch nicht benannte Art nur im westlichen Mittelmeer lebt oder auch in den tieferen Becken des östlichen Mittelmeeres", sagt Avila. Ihre geografische und bathymetrische Verbreitung sei noch völlig unbekannt.
Auch über die Art als solches weiß man bisher kaum etwas. Weil bisher nur ein einziges Exemplar dieses Knochenfressers entdeckt wurde und dieses in schlechtem Zustand war, konnten die Forscher zwar genetische Unterschiede zu den bisher sechs beschrieben Osedax-Arten feststellen. Um die neue Osedax-Art auch morphologisch genauer beschreiben zu können, sind jedoch weitere Funde nötig.
(PloS One, 2016; doi: 10.1371/journal.pone.0140341)



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