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Sie sind wieder da: Eigentlich hatte die Hacker-Gruppe Lulz Security öffentlich ihre Auflösung bekanntgegeben. Doch die Affäre um den australischen Medienmogul war für die Aktivisten offenbar zu verlockend.

Gegen Mitternacht Londoner Zeit war es soweit: "We have joy, we have fun, we have messed up Murdoch's sun" meldeten Hacker über den Twitter Account. Eine Reminiszenz an den Cat Stevens Klassiker Seasons in the sun und zugleich ein Showdown nach rund vierwöchiger Abstinenz: Passend zur Anhörung Rupert Murdochs vor dem britischen Parlament melden sich die Hacker der Gruppe Lulz Security mit lautem Knall zurück.

Diebische Freude bei den Hackern

Denn wer in der Nacht zum Dienstag die Seite der britischen Boulevardzeitung The Sun anklickte, wurde auf ein täuschend echtes Double der Seite umgeleitet, das den Tod des Medienunternehmers verkündete. "Leiche von Medienmogul gefunden" lautete die Schlagzeile - in nicht ganz korrekter Rechtschreibung. Im Artikel wird dann behauptet, Murdochs Körper habe leblos im Garten gelegen.

Stundenlang war die echte Sun-Webseite deshalb unerreichbar - und die Hacker tobten vor Freude: "Wie sollen die Leute heute die neuesten 'Sun'-Nachrichten lesen, wenn es gar keine 'Sun'-Webseite mehr gibt. Uhuuuuuu", lautet einer der Tweets. Zwischen dem Triumphgeheul versteckt sich auch eine Begründung für den Einsatz: "Wir wollten eigentlich aufhören, aber wir können nicht vor unserem Wein hocken, während das Walnuss-Gesicht Murdoch herumhampelt", heißt es auf Twitter.
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Medienunternehmer Murdoch: Hacker bezeichnen ihn als "Walnuss-Gesicht"

Eigentlich hatten die Hacker auf ihrer eigenen Webseite öffentlichkeitswirksam ihren Rückzug kundgetan. Nach nur 50 Tagen ihres Bestehens verabschiedeten die Aktivisten sich auf ihrer Webseite. Ihre aktive Zeit war kurz, aber turbulent - und machte die Hacker schnell bekannt: Die Gruppe attackierte Internetseiten des Elektronikkonzerns Sony, des US-Geheimdienstes CIA und des Senders FoxTV - ebenfalls eine Firma aus dem Murdoch-Imperium - und schloss sich mit Hackern von Anonymous zur globalen Bewegung Operation Anti-Security zusammen.

Ende Juni machte Lulz dann Schluss. Die überraschende Begründung: Hinter der fröhlichen Maske steckten Menschen und die würden sich jetzt wieder ihrem Leben zuwenden. Angeblich umfasste die Gruppe nur eine Handvoll Personen. Denen war der Spaß wohl zu heiß geworden, da die britische Polizei kurz vorher einen 19-Jährigen verhaftet hatte, der der LulzSec zugerechnet wurde.

Es ist nicht klar, ob sich tatsächlich dieselben Hacker wie vorher zurückgemeldet haben - oder ob sich neue gefunden haben, die Lulz Security wieder Leben einhauchen.

Letztlich ist das aber auch nicht wichtig. Die Hacker definieren sich ohnehin nicht als feste Gruppe, sondern über gemeinsame Ziele - den Kampf gegen die Zensur im Netz. Und ein bisschen Spaß sollten die Aktionen auch immer machen. Daher leitet sich auch der Name Lulz ab - eine Verballhornung des Internetkürzels "Laughing out loud" (lol).

Und die Freude an der Arbeit hatten die Aktivisten offenbar schmerzlich vermisst. Bereits am Sonntag wurde vom Account der Gruppe aus wieder fleißig getwittert. Dass dabei Server großer US-Fernsehsender in die Knie gingen, war allerdings eher Nebensache: Mit fast kindlichem Vergnügen twitterte da jemand über Verfolgungsjagd der Polizei in Los Angeles und setzte dazu immer wieder Links zu Fernseh-Live-Streams. Da der Account von Lulz Security allerdings fast 300.000 Follower hat, dürfte das die betreffenden Sender nicht sonderlich gefreut haben: Ihre Server brachen wegen des großen Ansturms zeitweise zusammen.

Und glaubt man den Ankündigungen der Aktivisten, dürften Angriffe wie der auf auf die Sun nicht die letzte Aktion der Gruppe gewesen sein: "Wir sind die unaufhaltbare Hacker-Generation", protzen sie auf Twitter.