Bei einem Anschlag in der Urlaubsstadt Sousse sind mindestens 37 Menschen ums Leben gekommen. Unter den Todesopfern seien viele Ausländer, sagte ein Vertreter des Innenminsiteriums. Ziel des Anschlages waren das Hotel Imperial Marhaba sowie das Nachbarhotel Muradi Palm Marinay.
schwerverletzter
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Sousse - Unter den Toten seien Deutsche, Briten, Iren und Belgier, teilte das tunesische Gesundheitsministerium am Freitag mit. 36 Personen wurden verletzt, zwei oder drei Touristen seien in kritischen Zustand. Nach Angaben der tunesischen Sicherheitsbehörden betraten zwei Bewaffnete die beiden Hotels und eröffneten das Feuer. Später kam es zu einem Schusswechsel mit der Polizei, hieß es nach früheren Angaben. Im Hotel Imperial Marhaba sei einer der Angreifer getötet worden.

Getöter Terrorist war Student

Bei dem getöteten Attentäter hat es sich nach Angaben von Staatssekretär Rafik Chelly um einen der Polizei nicht bekannten jungen Studenten gehandelt. Der Mann sei Tunesier und stamme aus der Region um (die für Muslime heilige Stadt) Kairouan, so der Staatssekretär laut Radio Mosaique.

TUI bietet Urlaubern gratis Umbuchung oder Storno

Nach dem Anschlag bietet TUI Urlaubern aus Österreich und Deutschland den kostenlosen Rücktritt von Reisen in das Land an. TUI-Gäste, die in der aktuellen Sommersaison eine Tunesien-Reise gebucht haben, könnten bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte der Tourismuskonzern am Freitag mit.

Für Urlauber vor Ort, die ihre Reise vorzeitig beenden wollten, organisiere TUI vorzeitige Abreisen, wenn dies möglich sei, sagte TUI-Österreich-Sprecherin Kathrin Limpel. Derzeit befinden sich laut dem Unternehmen rund 3.800 deutsche TUI-Gäste in Tunesien. Zur Zahl der österreichischen Urlauber könne sie aber keine Angaben machen, sagte die Sprecherin.

Derzeit 500 Österreicher in Tunesien

Nach Angaben von Außenamtssprecher Martin Weiss halten sich derzeit rund 500 Österreicher in Tunesien auf. Es gebe keine Hinweise, dass sich Österreicher unter den Opfern des Terroranschlags auf die beiden Hotels bei Sousse befinden, sagte Weiss. Allerdings seien noch nicht alle Opfer identifiziert, schränkte er ein.

Zum Zeitpunkt des Anschlags hielten sich vier Österreicher in dem hauptbetroffenen Hotel Imperial Marhaba auf. Man habe sie kontaktiert und sie seien wohlauf, aber geschockt, so der Außenamtssprecher. Einige von ihnen hätten für Samstag ihre Rückreise geplant. Um die Österreicher vor Ort kümmere sich der Honorarkonsul, Mitarbeiter der österreichischen Botschaft und die Vertreter der Reiseveranstalter. Zudem stehe man in Kontakt mit den tunesischen Behörden.

Radikale Islamisten haben Tunesien im Visier

Noch ist unklar, wer hinter dem blutigen Anschlag auf die zwei Touristenhotels steht. Es dürfte sich um radikale Islamisten handeln. Sie haben Tunesien schon seit geraumer Zeit ins Visier genommen, erst im März verübten sie einen blutigen Anschlag auf das Nationalmuseum Bardo in Tunis. Das Land ist aus einer Reihe von Gründen gefährdet. Ein Überblick:

Islamistische Kämpfer in schwer zugänglichen Gebirgsregionen:

Schon seit den politischen Umwälzungen in Tunesien 2011, dem Beginn des sogenannten Arabischen Frühlings, haben sich Islamisten in die Gebirgsregion an der Grenze zu Algerien zurückgezogen. Sie bekennen sich heute zum Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Islamischen Maghreb (AQMI) oder zur Jihadisten-Gruppe "Islamischer Staat" (IS). Immer wieder hat die tunesische Armee mit größeren Offensiven versucht, die Islamisten zu vertreiben, bisher aber ohne Erfolg. Vielmehr wurden bei Gefechten dutzende Soldaten getötet.

Immer wieder attackieren die Islamisten Regierungstruppen. Im Februar töteten islamistische Kämpfer nahe der Grenze zu Algerien in einem Hinterhalt vier tunesische Polizisten und raubten ihre Waffen. Mitte Mai töteten Soldaten bei einer Militäroperation in der Unruherprovinz Kasserine an der algerischen Grenze vier Jihadisten.

Chaos im Nachbarland Libyen:

Die dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage im östlich angrenzenden Krisenstaat Libyen hat auch Auswirkungen auf die Lage in Tunesien. Islamisten können die lange Grenze unbehelligt passieren, die durch Wüstengebiete verläuft und so gut wie unkontrollierbar ist. "Natürlich erhöht die geografische Nähe die Risiken", erklärte kürzlich Jamil Sayah von der tunesischen Beobachtungsstelle für globale Sicherheit. Die Staaten in der Region bräuchten eine "gemeinsame Strategie, um den IS innerhalb der Grenzen Libyens zu ersticken".

Tunesische IS-Kämpfer in Syrien und im Irak:

Zwischen 2.000 und 3.000 junge Tunesier haben sich Schätzungen zufolge in den vergangenen Jahren den Islamisten in Syrien und im Irak angeschlossen - es ist das wohl größte Kontingent ausländischer Kämpfer in der Region. Mindestens 500 von ihnen sollen inzwischen aus dem Kampfgebiet zurückgekehrt sein und sind nun eine ständige Bedrohung in Tunesien selbst. "Salafistische jihadistische Gruppen schicken junge Leute nach Syrien, um sie vorzubereiten und für einen möglichen Kampf in Tunesien auszubilden", sagt der tunesische Analyst Slaheddine Jourchi.

Im vergangenen Dezember veröffentlichte der Franko-Tunesier Boubaker al-Hakim von Syrien aus ein Video, in dem er sich mit der Ermordung der beiden bekannten tunesischen Oppositionellen Chokri Belaid und Mohamed Brahmi im Jahr 2013 brüstete. "Wir werden zurückkommen und mehrere von euch töten", warnte der IS-Kämpfer an seine Landsleute gerichtet. "Ihr werdet nicht in Frieden leben, solange Tunesien nicht das islamische Recht anwendet."