Homophobe Männer haben ein Geheimnis. Ein Geheimnis, so düster und schambeladen, dass sie es bisher gehütet haben wie einen verschollenen Schatz. Doch die Wissenschaft ist schließlich doch dahinter gekommen: Männer, die Schwule hassen, fühlen sich in Wahrheit von ihnen angezogen.
© Ronen Zvulun / Reuters
Eine neue Studie, die in der Fachzeitschrift Journal of Sexual Medicine veröffentlicht wurde, legt nahe, dass homophobe Männer sich durchaus für die Darstellung von gleichgeschlechtlicher Liebe interessieren.

Forscher der University of Geneva untersuchten eine Gruppe Männern, die sich in vorherigen Tests als homophob erwiesen hatten sowie Männer, die keine negative Einstellung gegenüber Homosexuellen hatten. Sie wollten herausfinden, ob es tatsächlich stimmt, dass Männer, die sich selbst als homophob bezeichnen, ablehnend auf homosexuelle Stimuli reagieren.

Wissenschaftler messen Augenbewegungen

Bei ihrem Experiment zeigten die Wissenschaftler den Testpersonen Bilder homosexueller sowie heterosexueller Natur. Zu sehen war jeweils ein heterosexuelles und ein homosexuelles Paar in der Mitte des Bildes. Dann bewegte sich eine menschliche Figur aus dem Bild heraus.

Während die Teilnehmer die Bilder ansahen, wurden die Bewegungen ihrer Augen gemessen. Die Wissenschaftler wollten herausfinden, wie lange die Testpersonen das Paar in der Bildmitte betrachteten.

In einem zweiten Test sollten die Teilnehmer Bilder von heterosexuellen und homosexuellen Paaren bewerten. Auch diesmal maßen die Wissenschaftler, bei welchem Bild die Teilnehmer länger verweilten.

Das Ergebnis war eindeutig: "Männer mit einem hohen Homonegativität-Wert betrachteten das homosexuelle Paar wesentlich länger als das heterosexuelle Paar", berichten die Forscher.

Homophobe Menschen sind häufig selbst homosexuell

Mit ihrer Entdeckung ist die University of Geneva nicht allein. Ein Team von Wissenschaftlern der University of Rochester in New York, der University of California und der University of Essex fand bereits 2012 heraus, dass homophobe Menschen sogar häufiger selbst homosexuell sind.

Netta Weinstein, eine Dozentin an der University of Essex und Hauptautorin der Studie, sagte, dass diese Individuen "sich möglicherweise durch Schwule und Lesben bedroht fühlen, weil Homosexuelle sie an ihre eigenen, ähnlichen Neigungen erinnern."

lp