Nach dem schweren Zwischenfall auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Kurfürstendamm ist die Zahl der Todesopfer nach Polizeiangaben auf zwölf gestiegen. „Traurige Gewissheit, heute verloren am #Breitscheidplatz 12 Menschen ihr Leben, 48 liegen, zum Teil schwer verletzt, in Krankenhäusern“, schrieb die Polizei am frühen Dienstagmorgen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Bis zu diesem Zeitpunkt war von neun Toten die Rede gewesen.
Zuvor haben Rettungskräfte ihre Einsatz auf dem betroffenen Breitscheidplatz beendet. Ein Sprecher der Polizei sagte, für Berliner und Besucher der Stadt bestehe keine Gefahr mehr. „Die Situation ist sicher.“ Die Spurensicherung dauerte am frühen Morgen noch an.
Am Abend war ein Lkw in den gut besuchten Weihnachtsmarkt gefahren. Die Polizei nahm einen Mann fest, bei dem es sich um den Fahrer des Todes-Lkw handeln könnte. Sein Beifahrer ist demnach unter den Toten. Laut Feuerwehr gingen die ersten Notrufe gegen 20.07 Uhr ein. Der Weihnachtsmarkt sei zu diesem Zeitpunkt stark besucht gewesen. Am Dienstagmorgen erklärte die Polizei auf Twitter: „Unsere Ermittler gehen davon aus, dass der LKW vorsätzlich in die Menschenmenge auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz gesteuert wurde." Demnach verdichten sich die Befürchtungen, dass es sich um einen terroristischen Anschlag gehandelt haben könnte.
Ein Live-Video auf der Facebook-Seite der Berliner Morgenpost zeigte zerstörte Buden auf dem Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche, zahlreiche Polizei-Fahrzeuge waren zu hören. Wie die Berliner Zeitung schreibt, kam der schwarze Lkw von der Budapester Straße auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin-Charlottenburg angefahren und hielt erst vor der Weihnachtstanne. Augenzeugen berichteten, dass es einen lauten Knall gegeben habe.
Justizminister Heiko Maas (SPD) schrieb auf Twitter, dass die Bundesanwaltschaft in dem Fall die Ermittlungen aufgenommen habe. Er sprach von „schockierenden Nachrichten vom Breitscheidplatz“. „Wir trauern mit den Angehörigen.“ Die Berliner Polizei erklärte über Twitter, der Generalbundesanwalt habe ein „paralleles Verfahren eröffnet“. In der Hauptstadt selbst seien sieben Staatsanwälte mit den Ermittlungen befasst. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte in der ARD, die Karlsruher Ermittlungen seien „etwas, das der Generalbundesanwalt zu verantworten hat“. Er habe „dafür viel Verständnis“. Zunächst müsse nun aber „so weit wie möglich Klarheit“ herrschen.
De Maizière sagte am späten Abend in der ARD: „Ich möchte im Moment noch nicht das Wort Anschlag in den Mund nehmen, obwohl viel dafür spricht.“ Der Minister sagte, er wolle gemeinsam mit den Berliner Behörden erst Klarheit darüber haben, was geschehen sei. „Über die Hintergründe und den Hergang wissen wir noch nichts Endgültiges.“ Von der Wortwahl gehe auch eine psychologische Wirkung für das ganze Land aus. „Da wollen wir sehr, sehr vorsichtig sein und hart an den tatsächlichen Ermittlungsergebnissen operieren, nicht mit Spekulationen.“
Der Minister warb um Vertrauen in die Ermittlungsbehörden und darum, ihnen ein paar Stunden Zeit zu geben. Er versicherte: „Wir werden nicht eher ruhen, bis das vollständig aufgeklärt ist.“ Es werde mit Hochdruck die ganze Nacht und die ganzen nächsten Tage gearbeitet. Am Dienstagvormittag werde es eine Schaltkonferenz mit allen Innenministern geben.
Bundeskanzlerin Angela Merkel steht nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert mit De Maizière und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller in Verbindung. „Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann“, twitterte Seibert.
Gauck: „Ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land“
Bundespräsident Joachim Gauck äußerte sich tief betroffen über das „schreckliche Geschehen“. „Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt“, teilte Gauck am Montagabend mit. „Auch wenn wir noch nicht viel über die Hintergründe des schrecklichen Geschehens auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wissen: Ich bin in Gedanken bei den Opfern, bei ihren Angehörigen, bei allen Menschen, die um Familienangehörige oder Freunde fürchten.“ Er danke den Helfern und Sicherheitskräften für ihren Einsatz, ergänzte das Staatsoberhaupt.
Die Berliner Polizei teilte in der Nacht zu Dienstag über Twitter mit, es bestehe der Verdacht, dass der „Lkw in Polen von einer Baustelle gestohlen wurde“. Die Ermittlungen dazu dauerten an. Der Besitzer des polnischen Lkw-Unternehmens erklärte am Montagabend, dass er seit dem Nachmittag keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer gehabt habe. „Ich weiß nicht, was mit ihm ist. Er ist mein Vetter, ich kenne ihn seit meiner Kindheit. Ich bürge für ihn“, sagte er der Nachrichtenagentur AFP am Telefon.
Ein leitender Mitarbeiter der Firma sagte AFP, seit 15.00 Uhr versuche das Unternehmen vergeblich, Kontakt zu dem 37-jährigen Fahrer aufzunehmen. „Wir wissen nicht, was mit ihm ist. Wurde er entführt, getötet?“ Der Lastwagen transportierte den Angaben zufolge 25 Tonnen Metallprodukte aus Italien. Die Berliner Polizei bestätigte, dass der Lkw Metallträger geladen hatte.
Trump spricht von „schrecklichem Terrorangriff“
Der designierte amerikanische Präsident Donald Trump bezeichnete den tödlichen Zwischenfall als einen „schrecklichen Terrorangriff“. „Unschuldige Zivilisten wurden auf der Straße ermordet, als sie sich gerade anschickten, die Weihnachtsferien zu feiern“, erklärte Trump in einer Mitteilung.
„Regelmäßig schlachten der Islamische Staat und andere islamistische Terroristen Christen in ihren Gemeinden ab“, erklärte Trump weiter. Diese „Terroristen, ihre regionalen und weltweiten Netzwerke müssten vom Erdboden getilgt werden“, fügte Trump hinzu. „Ein Auftrag, den wir gemeinsam mit allen freiheitsliebenden Partnern durchführen werden.“ Zum Zeitpunkt der Mitteilung Trumps war in Berlin zwar von einem möglichen Anschlag die Rede, nicht aber von einem islamistischen Hintergrund.
Kommentar: Trump hat mit seinen Mitteilungen recht, sofern es sich wirklich um Islamisten handelt. Doch dafür benötigt es noch jede Menge Fakten. Die andere Frage ist natürlich, wer steckt hinter den Islamisten und wer hat sie gesponsert?
Auch EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich erschüttert. „Europa einmal mehr getroffen“, twitterte sie. „Unsere Gedanken sind bei allen Opfern und ihren Familien“. Ebenso Frankreichs Präsident François Hollande hat sich nach dem Vorfall auf einem Weihnachtsmarkt in Berlin betroffen gezeigt. „Die Franzosen teilen die Trauer der Deutschen angesichts dieser Tragödie, die ganz Europa trifft“, teilte der Élysée-Palast am Montagabend mit. Premierminister Bernard Cazeneuve erklärte auf seinem Twitteraccount auf Deutsch: „Ganz Frankreich steht an Deutschlands Seite.“
Der Vorfall erinnert an den Terroranschlag in Nizza vom 14. Juli 2016. An dem französischen Nationalfeiertag fuhr ein Mann mit einem Lkw in die Promenade und tötete 84 Menschen. Mehr als 300 Personen wurden damals schwer verletzt. Der Attentäter wurde noch im Wagen von Sicherheitskräften erschossen.




Kommentar: Dieser Angriff und vermutlich noch weitere die kommen werden, könnte besonders die Bundestagswahl und die Wahl in Frankreich im nächsten Jahr beeinflussen und besonders die AfD bestärken. Zusätzlich könnte sich weiter Islamfeindlichkeit verbreiten. Dazu ein Statement von dem AfD-Landesvorsitzenden von NRW und Europaabgeordneten Marcus Pretzell: