Kabul - Bei einem schweren, nächtlichen Überfall von drei Talibankämpfern auf das Haus eines afghanischen Parlamentariers in Kabul sind acht Zivilisten und die drei Angreifer getötet worden.
Afghan security forces keep watch in front of a mosque where an explosion happened in Kabul, Afghanistan November 21, 2016
© REUTERS/ Omar Sobhani
Unter den Todesopfern im Haus des Politikers Mir Wali aus der umkämpften Südprovinz Helmand seien zwei seiner Enkelkinder, ein Neffe sowie der Sohn eines Parlamentariers aus der an Helmand grenzenden Provinz Urusgan sagte der Leiter der Kabuler Kriminalpolizei, Fraidun Obaidi. Polizeisprecher Basir Mudschahid sprach auch von zwei toten Leibwächtern und zwei weiteren toten Gästen. Medien hatten zuvor von sieben zivilen Opfern berichtet.

Sechs Menschen, darunter die Frau des Parlamentariers, sind demnach verletzt worden. Mir Wali floh leicht verletzt. Die Schnelle Reaktionstruppe der Polizei und Spezialkräfte konnten den Angriff offenbar erst nach Stunden am frühen Morgen zurückschlagen.

Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag. Talibansprecher Sabiullah Mudschahid twitterte in der Nacht, der Angriff habe sich gegen eine Zusammenkunft "wichtiger militärischer Führer aus Helmand" gerichtet. Am Morgen berichtete er, bis zu 20 Menschen seien tot. Talibanmeldungen sind allerdings oft übertrieben.

Die Südprovinz Helmand ist dieses Jahr neben der Nordprovinz Kundus ein Hauptziel vieler Talibanoffensiven. Experten nehmen an, dass die Taliban dort einen Staat im Staat für sich erkämpfen wollen.

Unterdessen ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) zu ihrem traditionellen Weihnachtsbesuch bei der Bundeswehr-Truppe in Afghanistan eingetroffen. Am Donnerstagmorgen landete sie im Feldlager von Masar-i-Scharif im Norden des Landes, wo noch rund 800 deutsche Soldaten stationiert sind. Von der Leyen ist zum fünften Mal innerhalb von drei Jahren in dem Land.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in diesem Jahr massiv verschlechtert. Im November wurde auch das erst 2013 eröffnete deutsche Generalkonsulat in Masar-i-Scharif von den Aufständischen angegriffen. Sechs Menschen wurden getötet, 128 verletzt. Das Auswärtige Amt entschied daraufhin, das Konsulatsgebäude aufzugeben.

Die Nato hatte ihren Kampfeinsatz am Hindukusch Ende 2014 nach 13 Jahren beendet. Seitdem beschränkt sich die internationale Truppe in Afghanistan auf die Ausbildung und Beratung afghanischer Soldaten.

Der Einsatz der Bundeswehr war erst in der vergangenen Woche um ein weiteres Jahr verlängert worden. Bis zu 980 Soldaten dürfen derzeit zum Einsatz kommen. Derzeit sind es insgesamt 940 in Masar-i-Scharif und der Hauptstadt Kabul.

dpa