
Diese größte digitale Landkarte des Kosmos umfasst immerhin rund zwei Petabytes an Daten, das entspricht in etwa der Information von einer Milliarde Selfies oder 40 Millionen Aktenschränken mit jeweils vier Schubladen eng bedrucktem Text. Ein internationales Astronomenteam hat an der Erstellung dieser riesigen digitalen Karte für rund drei Milliarden Sterne, Galaxien und andere Himmelsobjekte seit dem Jahr 2010 gearbeitet.
Eine enorm leistungsfähige Kamera
Die Detailaufnahmen für den Atlas machte man mit dem Teleskop PS1, das auf der Insel Maui (Hawaii) steht. PS1 ist kein besonders großes Teleskop, doch seine Kamera gehört zu den leistungsfähigsten ihrer Art: Die Fotos haben eine Auflösung von 1,5 Milliarden Pixel. Zum Vergleich: Eine "normale" Digitalkamera bringt es auf rund zehn Millionen Pixel.
Dieses Beobachtungssystem namens "Pan-Starrs" (kurz für "Panoramic Survey Telescope And Rapid Response System") durchforstete zunächst ab 2010 über vier Jahre hinweg den Nachthimmel und machte etwa eine halbe Million Aufnahmen mit einer Belichtungszeit von 45 Sekunden. Auf diese Weise wurden rund 75 Prozent des Sternenhimmels (bis auf den südlichen Teil) aufgenommen, darunter zahllose Sternenexplosionen (Supernovae), Asteroiden, fremde Galaxien und bis zu 12,5 Milliarden Lichtjahre entfernte Schwarze Löcher.
Der Himmel war dafür 60-mal durchkämmt und gescannt worden. Die Astronomen brauchten dann noch drei weitere Jahre, um alle Informationen systematisch zu erfassen, damit Astrophysiker, andere Forscher, aber auch Amateurastronomen und interessierte Laien schnell darauf zugreifen können. Sie haben nun Zugang zu Millionen von Bildern, Karten von Sternenstaub und präzisen Messdaten der Objekte.
Tiefere Einblicke ins All
Außerdem wurde eine 3-D-Karte der Milchstraße, unserer Heimatgalaxie, erstellt. Im Unterschied etwa zur Sternenhimmelkarte des Astronomiesatelliten "Gaia" wurden dabei Farbfilter verwendet, die eine fünfmal tiefere Schau in die Galaxie ermöglichen und auch schwächer leuchtende Objekte sichtbar machen. In den Worten von Hans-Walter Rix, Direktor des an Pan-Starrs beteiligten Max-Planck-Instituts für Astrophysik in Heidelberg: "Wir konnten bis an den Rand des Universums blicken."
Die Forscher erhoffen sich vom neuen Atlas des Himmels neue wichtige Hinweise auf die Entstehung des Universums. Zudem können sie erdnahe Asteroiden suchen und sichten, um damit die mögliche Gefahr eines Einschlags auf der Erde besser zu bewerten. Interessierte Laien sind zum Mitsuchen ganz explizit eingeladen.
(tasch)
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