
Um mehr Klarheit in die Lage zu bringen, haben sie und ihre Kollegen in den vergangenen Jahren den Meeresboden südlich von Sizilien und Kalabrien intensiv untersucht und kartiert. „Historische Naturkatastrophen zeugen von Aktivitäten in diesem Gebiet, aber bisher waren die Ursachen nicht genau bekannt", sagt Kopp. Zwar hatte man in diesem Gebiet schon zuvor Indizien für eine mögliche Verwerfung entdeckt, es war jedoch umstritten, ob diese noch aktiv ist.
Aktive Subduktion
Die neue Kartierung enthüllt: Vor der Südostküste Siziliens liegt tatsächlich eine Plattengrenze im Meeresgrund - und sie ist noch aktiv. Die Analysen des Untergrunds zeigen, dass entlang dieser Verwerfung ein Plattenstück unter das andere gedrückt wird - es handelt sich um eine aktive Subduktion. „Die Platten bewegen sich langsam, aber so, dass sie Spannungen im Erdinneren aufbauen können", berichtet Kopp. Im Laufe langer Zeiträume »schluckt« diese Plattengrenze Teile des Meeresbodens südlich von Sizilien und Kalabrien. Ausläufer dieser Verwerfung reichen bis in den Osten Siziliens und in die Straße von Messina.
Erdbebenträchtiges Gebiet
Die untersuchte Region ist auch deshalb von großem Interesse, weil sich dort schon häufiger verheerende Erdbeben und Tsunamis ereigneten. So forderte ein Erdbeben in der Meerenge von Messina mit darauffolgendem Tsunami im Jahr 1908 rund 72.000 Menschenleben. Die genauen tektonischen Ursachen dieses und weiterer Erdbeben blieben aber bisher unklar. „Natürlich können wir auch mit den neuen Erkenntnissen nicht vorhersagen, ob und wann sich hier ein schweres Beben genau ereignen wird", betont Kopp. „Aber je mehr wir über den Meeresboden und seinen Aufbau im Detail wissen, desto besser können wir abschätzen, wo die Wahrscheinlichkeit für Naturgefahren besonders hoch ist."



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