35 Jahre später fand Estela de Carlotto ihr Enkelkind, ein Gentest bestätigte, dass es Lauras Sohn ist. Laura blieb damals solange am Leben, bis ihr Kind auf die Welt kam. Es war eine schreckliche Zeit in Argentinien. Ganze sieben Jahre dauerte die Militärherrschaft. Menschen verschwanden, darunter auch Säuglinge und Kleinkinder. Die Mütter von der Plaza de Mayo‘ wurden gegründet als Reaktion auf den Staatsstreich vom 24. März 1976. Damals hatte eine Diktatur aus Zivilisten und Militärs die verfassungsmäßige Regierung abgesetzt und die Macht im Land übernommen. Obwohl jede Kritik oder jeder Protest zu einer Festnahme zu führten drohte, drehten die mutigen Frauen jeden Donnerstag auf der Plaza de Mayo, dem großen Platz vor dem Präsidentenpalast, deutlich sichtbar für alle, auch für die Militärs, ihre Runden. Schweigend, mit weißen Kopftüchern, in den Händen Plakate und Fotos von ihren Kindern und Enkelkindern. Immer wieder wurden sie bedroht. Doch sie ließen sich nicht einschüchtern, sondern suchten immer weiter. Noch immer verlangen die Madres Gerechtigkeit.
Die neue argentinische Regierung besteht aus Bankern und Managern.
So wurde der einstige Deutsche-Bank-Manager Nicolas Caputo, ein Jugendfreund des Präsidenten Mauricio Macri, für das Finanzministerium ausgewählt. Der frühere Zentralbankpräsident und einstige Manager der US-Bank JPMorgan, Alfonso Prat-Gay, führt das Haushaltsministerium. Auch der Ölgigant Shell ist durch den früheren Chef von Shell Argentinien, Juan José Araguren, als Energieminister vertreten. Präsident Mauricio Macri hat selber arge Probleme, seitdem bekannt wurde, dass auch er in den Panama-Papers-Skandal verwickelt ist. Aber bei so guten Freunden dürfte bald wieder Ruhe einkehren.
Wie sehr sich die Investmentbanker dieser Welt freuen, dass Präsident Mauricio Macri das Zepter in Argentinien übernommen hat, sehen Sie an folgenden Meldungen aus einer Anlageempfehlung zu Investitionen in Lateinamerika:
„In Argentinien: Mauricio Macri feierte einen spektakulären Wahlsieg im Dezember 2015. Die argentinische Bevölkerung machte Schluss mit den sozialistischen Experimenten der Regierung Kirchner. Das ist das Ende von Enteignungen, Exportbeschränkungen, Preisdiktaten und der Ausplünderung des privaten Pensionssystems.Ein ganzer Kontinent mit 500 Millionen Menschen erwacht, macht sich frei und eröffnet einen gigantischen Marktplatz, so die Investmentbanker.
In Peru löste im Juni der liberale ehemalige Weltbank-Ökonom Pedro Pablo Kuczynski den linksnationalistischen Ollanta Humala als Präsidenten ab.“
Siehe dazu: Die neue brasilianische Regierung braucht Wachstum und könnte den Amazonas opfern, um es zu erlangen
Der von Milagro Sala ist nur ein weiteres Beispiel von Präsident Macri und seiner zweifelhaften Menschenrechtsbilanz und ein Jahr nach der Inhaftierung von Milagro Sala mehren sich Proteste
Wir hatten bereits über Milagro Sala und ihre Verhaftung berichtet.
Die Anführerin der Sozialorganisation Tupac Amaru Milagro Sala sitzt seit dem 16. Januar 2016 in Untersuchungshaft. Argentinische Menschenrechtsorganisationen, darunter das Zentrum für Rechts- und Sozialwissenschaften (CELS) und Amnesty International hatten eine Beschwerde bei dem UN-Gremium eingereicht. Die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Verhaftungen kam zu dem Ergebnis, dass die “Verhaftung von Frau Milagro Sala willkürlich ist” und hat deshalb die argentinische Regierung aufgefordert, „sie unverzüglich freizulassen“. Siehe: Argentinien: UN fordert sofortige Freilassung von Milagro Sala
Aus Anlass des ersten Jahrestages der Inhaftierung von Milagro Sala, Anführerin der Basisbewegung Túpac Amaru, haben Unterstützer erneut ihre sofortige Entlassung gefordert. Vor Hunderten Vertretern sozialer Organisationen, Menschenrechtsgruppen und politischen Aktivisten traten bei einer Pressekonferenz in Buenos Aires unter anderen Taty Almeida von den Müttern der Plaza de Mayo, der ehemalige Oberste Richter Raul Eugenio Zaffaroni und der Journalist Horacio Verbitsky für sie ein. Aufgerufen hatte das Komitee für die Freilassung Milagro Salas.
25 Runden auf der Plaza Belgrano in Jujuy
26. 01. 2017 - San Salvador de Jujuy - Redacción Argentina
Dieser Artikel ist auch auf Spanisch und Italienisch verfügbar.
San Salvador de Jujuy, Argentinien - Donnerstag vor einer Woche fand ein Protesttag auf der Plaza de Belgrano statt, demselben Ort, wo ein Netzwerk von sozialen Organisationen in Jujuy ein sogenanntes acampe, ein friedliches Protestlager von 50 Tagen organisiert hatte, um den Gouverneur der Provinz Gerardo Morales um ein Gespräch zur Erhaltung von Arbeitsplätzen zu bitten, die den Unterhalt von Tausenden Familien in Jujuy garantierten, von Familien, die heute ohne Einkommen sind. Dieses Protestlager hatte zur willkürlichen Verhaftung von Milagro Sala, Leiterin der sozialen Bürgerbewegung Tupac Amaru, geführt, die nunmehr seit 370 Tagen andauert.
Einer nach dem anderen kommen die Mitstreiter auf der Plaza an, die - inspiriert durch die Proteste der Mütter der Mairevolution, den madres de la Plaza de Mayo - beschlossen haben, die Forderung nach der Freilassung der insgesamt sechs politischen Gefangenen am Leben zu erhalten: Milagro Sala, Gladys Diaz, Mirta Guerrero, Mirta Aizama, Graciela Lopez und Alberto Cardozo.
Tupaqueros, wie die Mitglieder der Bürgerbewegung genannt werden, Familienangehörige der Gefangenen, Aktivisten und andere soziale Organisationen, die sich für Menschenrechte engagieren, sowie Mitglieder der Komitees zur Befreiung von Milagro Sala aus allen Teilen Argentiniens marschierten zusammen auf der Plaza vor dem Regierungsgebäude mit Manifesten und Bannern, um die sofortige Freilassung von Milagro zu fordern. Sie machten Runden um den Platz, insgesamt 25, manchmal schweigend, manchmal auch singend mit der Bitte für Freiheit.
Die Protestrunden wurden von Polizeibeamten beobachtet, nach Angaben von Passanten versuchten sie, Teilnehmer von vergangenen Protesten wiederzuerkennen, nicht identifizierte Sicherheitsagenten machten Fotos und Notizen. Am Ende der 25 Runden versammelten sich die Demonstranten in einem Kreis, diskutierten zukünftige Aktivitäten und machten sich gegenseitig Mut, die Proteste der verschiedenen Komitees weiterzuführen.
Wie damals auch die Mütter der Mairevolution, diesen großen und tapferen Kriegerinnen, marschieren die Mutigen heute um die Plaza Belgrano, die sich trauen, trotz der Einschüchterungen und Verfolgungen durch die Polizei, ein Schild mit Milagro Salas Gesicht hochzuhalten.
Fotos von Manuela Pita:
Übersetzung aus dem Italienischen von Evelyn Rottengatter, bei der wir uns ganz herzlich bedanken und bei pressenza für die Freigabe von: 25 Runden auf der Plaza Belgrano in Jujuy






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