Diabetes wird als Todesursache unterschätzt. Jeder sechste Deutsche stirbt nach aktuellen Studiendaten letztlich an Folgen der Zuckerkrankheit wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Berlin. Die Gefahr, die von Diabetes ausgeht, wird massiv unterschätzt. Neuesten Zahlen zufolge liegt die von Typ-2- Diabetes ausgelöste Mortalität um annähernd den Faktor 6 höher als bislang erfasst. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Untersuchung des Deutschen Diabetes Zentrum (DDZ) in Düsseldorf hervor.
Diabetes in Deutschland

Rund sechs Millionen Menschen mit Diabetes leben in Deutschland.

Bei weiteren zwei Millionen ist die Krankheit nicht erkannt.

Bei 25.000 Gestorbenen war 2010 Diabetes als Todesursache vermerkt.

138.000 Diabetiker sind nach einer Hochrechnung 2010 an Diabetes oder Folgekrankheiten gestorben. Das waren mehr als jeder sechste der 858.786 Todesfälle des Jahres.
Demnach müsse für das Jahr 2010 von rund 138 000 an Diabetes-Folgen gestorbenen Menschen in Deutschland ausgegangen werden, sagte Dr. Wolfgang Rathmann vom DDZ am Donnerstag in Berlin. Insgesamt starben im Bezugsjahr in Deutschland 858 786 Menschen. Die offizielle Statistik des Bundes weise dagegen nur rund 25 000 Totenscheine mit dem Vermerk Diabetes aus, berichtete Rathmann.

Der Grund: Todesfälle aufgrund von Diabetes-Folgeerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen seien nicht eingerechnet, sagte Rathmann bei der vom dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk in der dänischen Botschaft ausgerichteten Veranstaltung „Diabetes 2030“. Die Folgen sind dramatisch. Jeder fünfte 60- bis 69-Jährige stirbt letztlich als an Diabetes-Folgen (22 Prozent). Und: Ein 60-Jähriger mit Diabetes hat im Vergleich zu einem Altersgenossen ohne Diabetes eine um 4,5 Jahre verringerte Lebenserwartung.

In Deutschland leben nach offiziellen Angaben rund sechs Millionen Menschen mit einem Diabetes. Die Dunkelziffer wird auf mindestens zwei Millionen geschätzt. Die Wissenschaftler konnten für ihre Arbeit die Daten von 65 Millionen gesetzlich Versicherten in Deutschland auswerten. Um die ausschließlich diabetesbedingte Sterblichkeit zu ermitteln, rechneten sie mit Werten aus der Bevölkerung in Dänemark. Grund: In dem Land ist die Krankheit gründlicher dokumentiert, zum Beispiel auch durch flächendeckende Register.

In der Politik scheint das Problembewusstsein an dieser Stelle zu wachsen. Die Arbeiten an einer Nationalen Diabetesstrategie seien weit fortgeschritten, berichtete die Bundestagsabgeordnete und Allgemeinärztin Dr. Sabine Dittmar (SPD). Noch in dieser Legislaturperiode solle sie greifen.

Dittmar warnte vor einem zunehmenden Mangel an Diabetologen und Diabetesassistenten im Land. Die Interdisziplinarität lasse zu wünschen übrig. Die Versorgungsqualität bei Hausärzten sei durchaus schwankend. Der Widerstand gegen die DMP Diabetes sei inzwischen gebrochen. Ob sie nützten, sei jedoch unklar.

Noch deutlicher wurde Professor Diethelm Tschöpe von der Universität Bochum. „Die Sicherstellung bei der endokrinologischen Versorgung ist in Gefahr“, sagte Tschöpe. Ganze Landkreise hätten schon keine Betreuung mehr. Die Delegation ärztlicher Leistungen müsse an dieser Stelle ausgebaut werden. Insgesamt starben im Bezugsjahr in Deutschland 858.786 Menschen. Die offizielle Statistik des Bundes weise dagegen nur rund 25.000 Totenscheine mit dem Vermerk Diabetes aus, berichtete Rathmann.

Die Todesfälle aufgrund von vom Diabetes verursachten Folgeerkrankungen wie Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien nicht eingerechnet, sagte Rathmann bei der vom dänischen Pharmaunternehmen Novo Nordisk in der dänischen Botschaft ausgerichteten Veranstaltung "Diabetes 2030".