Am Mittwoch endete ein trilaterales Treffen zwischen den Generalstabschefs der USA, der Russischen Föderation und der Türkei im südtürkischen Antalya. Zuvor hatten US-General Joseph Dunford, sein russischer Kollege General Wasili Gerasimow und der türkische Generalstabschef Gen. Hulusi Akar zwei Tage lang über den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" in Syrien und im Irak gesprochen.
Bereits am Dienstag hatte Akar der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge gegenüber seinen Kollegen die Wichtigkeit der Zusammenarbeit betont:
Es gibt eine Krise in der Region und wie Sie wissen, sind wir in intensiver Weise in diese verwickelt. Die Krise muss beendet werden. Ich möchte noch einmal unterstreichen, wie wichtig Ihre Erklärungen und Beiträge zur Lösung der Krise sind.Akar gab zudem seiner Hoffnung Ausdruck, dass die von der Türkei angeführten Operationen im Kampfgebiet einen signifikanten Schritt zur Verhinderung weiteren Blutvergießens in der Region setzen. Es sei das gemeinsame Interesse der Nationen, diesen Konflikt zu beenden und Frieden zu erzielen.
US-Generalleutnant: "Überfüllter Kampfplatz"
Bereits im Laufe der vorangegangenen Monate hatte es mehrere bilaterale Treffen zwischen russischen, US-amerikanischen und türkischen Militärs gegeben. Die trilaterale Zusammenkunft in Antalya war jedoch die bislang erste ihrer Art.
Der türkische Premierminister Binali Yildirim hatte bereits vor Beginn des Treffens gegenüber dem Sender A Haber dazu Stellung genommen. Er erklärte, dass der Zweck der Zusammenkunft der obersten Militärs dazu diene, eine erfolgreiche und reibungslose Koordination zwischen den USA, der Türkei und der Russischen Föderation im Kampf gegen den IS abzusichern.
Die jüngsten Erfolge der unterschiedlichen Anti-IS-Koalitionen haben im Umfeld von Regionen wie Manbidsch oder Al-Bab jedoch einen "überfüllten Kampfplatz" geschaffen, wie es US-Generalleutnant Steven Townsend gegenüber Reportern des Pentagon erklärte. Die Akteure, die gegensätzliche geostrategische Interessen in der Region aufweisen, seien einander "auf Handgranatenlänge" näher gerückt.
Sie arbeiten für die beteiligten Parteien daran, dass diese einander mit ihren jeweiligen Operationen nicht in die Quere kommen", betonte Yildirim.Es sei nötig, alle terroristischen Elemente ins Visier zu nehmen, die einer dauerhaften politischen Friedenslösung im Wege stehen.
Damit deutete der türkische Kabinettschef jedoch auch einen Themenbereich an, der in Vergangenheit mehrfach zu Irritationen zwischen Ankara, Washington und Moskau geführt hatte. Die Türkei hatte in letzter Zeit sowohl von den USA als auch von Russland immer vehementer ein Ende der militärischen Zusammenarbeit mit den syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) gefordert.
Türkei: Befreiung Rakkas nur ohne YPG
Die YPG sind der bewaffnete Arm der kurdischen Demokratischen Vereinigungspartei (PYD). Diese stellt unter den kurdischen Gemeinden in Nordsyrien die dominierende politische und militärische Kraft dar. Sie ist jedoch zum einen mit den Peschmerga und der Kurdischen Regionalregierung im Norden des Iraks verfeindet, zum anderen gilt sie als syrische Verbündete der in der Türkei agierenden, verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei (PKK).
Die Türkei befürchtet, dass die Einbindung der YPG in den Kampf gegen den IS dazu führen könnte, dass Waffen aus den Beständen der Verbündeten in die Hände der PKK gelangen und künftig gegen die Türkei gerichtet werden könnten. Außerdem will die Türkei eine Vereinigung der vier kurdisch dominierten Kantone im Norden Syriens verhindern, da auf diese Weise eine geschlossene feindselige Front entlang ihrer Grenze entstehen würde.
Die USA und die Russische Föderation hingegen betrachten die Kurdenmiliz als verlässliche und entschlossene Partnerin im Bodenkrieg gegen den IS. Die USA würden im Zusammenhang mit einer Offensive auf die IS-Hochburg Rakka gerne auf Kräfte der YPG zurückgreifen, die Türkei lehnt dies kategorisch ab. Die Türkei hatte zuletzt angekündigt, sich im Fall einer Einbindung der YPG selbst nicht an einer Befreiung Rakkas beteiligen zu wollen.




Kommentare von Lesern
für unseren Newsletter an