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Im Rahmen seiner Forschungsarbeit hat Paul Kingsbury in den letzten Jahren Geister gejagt, an UFO-Konferenzen teilgenommen und sich mit Menschen unterhalten, die behaupten, von Außerirdischen entführt worden zu sein. Am 15. März wird er nun die vorläufigen Ergebnisse seiner Analyse von Paraforschern auf der Fakultätsvorlesung des SFU-Programmes »President's Faculty Lecture Series« bekanntgeben. Der Titel seiner Studie: Die Welt von UFO-, Geister- und Bigfoot-Forschungsorganisationen.

Kingsbury ist Professor für Geographie an der kanadischen Simon Fraser University (SFU) und hat »SFU News« vorab ein kurzes Interview zu seinem Vortrag gegeben:

SFU News: Was haben Sie bisher über Paraforscher erfahren?

Paul Kingsbury: Paraforscher sind genau wie alle anderen in Bezug auf ihre sozio-ökonomischen Hintergründe, Bildungsniveau oder psychologisches Wohlbefinden. Die meisten von ihnen hatten tiefgreifende, paranormale Erfahrungen und wollten einfach mehr darüber erfahren. Sie werden von Leidenschaft getrieben und verlangen kein Geld für ihre Ermittlungsdienste.

SFU News: Warum haben Sie sich entschlossen, Paraforscher zu studieren?

Paul Kingsbury: Ich wollte ein Thema wählen, das mich fasziniert und wurde von einem Kommentar in der »Globe und Mail« (eine kanadische Zeitung, Anm. F. Calvo) inspiriert. Der Artikel kritisierte, dass der TV-Kanal »National Geographic« die Dokus von »Ancient Aliens« und »UFO Hunter« zeige. Der Redakteur war besorgt, dass diese Dokumentationen das Weltbild von Kindern schädigen könnten. Ich stimmte dem Redakteur nicht ganz zu, weil es mir als kultureller Geograph wichtig ist, anzuerkennen, das Außerirdische und Geister bedeutende kulturelle Phänomene sind und eine große Rolle im Leben vieler Menschen spielen. Deshalb dachte ich mir, dass ich allzu gerne die Welt von Paraforscher studieren würde, um herauszufinden, was sie antreibt, das zu tun, was sie tun.

SFU News: Was war bisher der Höhepunkt Ihrer Forschung?

Paul Kingsbury: Während einer UFO-Konferenz in Arizona interviewte ich eine Person, die behauptete, er sei von Aliens entführt worden. Er erinnerte sich an die Entführung in seiner Wohnung in London. Seine Katze erschreckte sich vor etwas, das außen am Fenster war und sie sprang alle Stufen des Katzenbaums herunter, was sie sonst noch nie zuvor getan hatte. Dann erinnerte er sich, wie er sich erhob und den Flur hinunter schwebte, die Treppe hinauf und in sein Schlafzimmer. Dabei fühlte er Emotionen, die weit jenseits von Liebe, Schmerz, Wut und Angst lagen. Seine weitere Erinnerung erlosch und er erinnerte sich nur noch daran, ein Wesen mit einem Erdbeergesicht zu sehen. Paraforscher haben festgestellt, dass Außerirdische oft Erinnerungen in die Entführten implantieren, die der österreichische Psychoanalytiker Sigmund Freud als »Deckerinnerungen« bezeichnete. Das sind fremde Eindrücke/ Bilder, die versuchen sollen,die traumatische Erinnerung an die tatsächlichen sichtbaren Geschehnisse zu verbergen oder zu verzerren oder die Erfahrung der Entführung durcheinanderbringen.

SFU News: Glauben Sie an paranormale Phänomene?

Paul Kingsbury: Ich bekomme immer diese Frage nach dem Glauben. Persönlich habe ich noch nie eine direkte paranormale Erfahrung in Bezug auf UFOs, Bigfoot oder Geister gehabt. Ich bin aber offen für die Möglichkeit, dass es Dinge gibt, die jenseits der bekannten Gesetze der Natur oder des normalen wissenschaftlichen Verständnis liegen. Meine Forschung ver- sucht nicht, die Existenz von paranormalen Ereignissen zu beweisen oder zu widerlegen, sondern zu erfahren, was die Paraforscher motiviert, ihre Arbeit fortzusetzen, und wie sie sie an den verschiedensten Standorten und Tagungen durchführen.