Ein echter Niersteiner weiß sowas: „Das hatten wir schon lange nicht mehr zum Winzerfest.“ Und was Wehrführer Klaus Buhl da wertet, bekommt im nächsten Augenblick die Wertung: „Bislang noch normales Ereignis.“

Um kurz vor 17 Uhr - das so genannte „Starkregenereignis“ hatte gerade eingesetzt - ging auch schon der erste Notruf bei der Niersteiner Feuerwehr ein. Erste Einsatzkräfte machten sich auf den Weg. Und dann ging es plötzlich Schlag auf Schlag: Die Unterführung an der Kreuzung B420/B9 lief schnell voll, in wenigen Minuten stand das Wasser über einen halben Meter hoch, und prompt blieb auch ein Auto in der braunen Brühe stecken. Nichts ging mehr - und das im Freitags-Feierabendverkehr. Schnell bildeten sich Staus in drei Richtungen: die B420 in Richtung Dexheim und die B9 sowohl Richtung Mainz als auch Richtung Worms. Die Fahrzeuge, die durch die Unterführung wollten, mussten erst bis ganz nach vorne rollen, um zu sehen, dass wirklich nichts zu machen war - und dann hieß es, sich wieder einzuordnen in den Geradeausstrom und an anderer Stelle abzubiegen.

Nicht nur Unterführung, auch Keller voll

Das führte vor allem bei denjenigen Autofahrern zu Problemen, die glaubten, dass sie einfach irgendwie in den alten Ortskern gelangen müssten und sich dann durchschlängeln könnten Richtung B420. Denn natürlich waren zu dem Zeitpunkt schon etliche Straßen, die Richtung Marktplatz führen, wegen des Winzerfestes abgesperrt. Wütende Gesten, verzweifelte Wendemanöver und Schulterzucken waren angesagt.

Vor allem aber auch deshalb, weil mittlerweile die Wassermassen nicht nur die Unterführung, sondern natürlich auch wieder einige Keller erreicht hatten. „Wir haben bis 19 Uhr insgesamt 24 Einsätze gefahren“, berichtete Einsatzleiter Buhl. Längst waren die Kollegen aus Oppenheim mitalarmiert worden. Sie erschienen mit drei, die Niersteiner Wehr war mir sechs Fahrzeugen im Einsatz.

"Nirgendwo wirklich dramatisch"

„Es ist nirgendwo wirklich dramatisch“, stellte Klaus Buhl fest. Das Auto in der Unterführung ließ sich per Seilwinde herausholen, und die Keller wiesen „nur“ Wasserstände von zehn bis 20 Zentimetern auf. „Keine Dramatik“, wie Buhl befand, obwohl selbst zehn Zentimeter Wasser im Keller äußerst unangenehm sind.

„Und ich hatte in diesem Jahr ehrlich seit langem wieder mal vor, die Winzerfesteröffnung live mitzukriegen“, gab Buhl zu, dass ihm der Starkregen-Einsatz gar nicht ins Konzept passte. Nicht nur ihm, wenn es denn tröstet.