Nachdem in den vergangenen Monaten immer mehr Psychopathen/Soziopathen als Täter bei meinen Mandanten auftauchen, möchte ich einen kurzen Abriss über diese so für die Umwelt schwierige Persönlichkeitsstörung geben, einen entsprechenden Fragebogen Ihnen gleichfalls weiter unten vorstellen.
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Das Gebiet aber ist so groß, dass dieser Beitrag nur ein erster Hinweis sein kann. Es gibt mittlerweile genügend Fachliteratur, wobei ein guter Überblick bei dem später erwähnten Buch von Hare vermittelt wird. Soziopathen sind zumeist Wölfe im Schafspelz. Unter einer oft geschliffenen und charmanten Oberfläche verbirgt sich ein schwer gestörter Mensch mit der Fokussierung ausschließlich auf sich, fehlender Empathie (Mitgefühl für andere), sozialer Verantwortung und Gewissen. Schätzungen zufolge ist jeder 25. der Menschen Soziopath.

Während Psychopathen auffällig sind, vermögen es Soziopathen, ihre Persönlichkeitsstörungen nach außen hin zu verbergen, und in der Gesellschaft verankert zu sein. Tatsächlich aber sind sie innerlich genauso gestrickt und gestört, damit genauso gefährlich und sind der Inbegriff der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Der bekannte amerikanische Psychiater Hare hat die wichtigsten Symptome zusammengetragen, die sehr eindrucksvoll die Problematik im Umgang mit Psychopathen (dieser Ausdruck wird im Weiteren auch für Soziopathen benutzt) beschreiben. Seine Auflistung (Hare, Gewissenlos. Die Psychopathen unter uns, Springer, Wien, New York 2005, Seite 30) führt die Kategorien „emotional/zwischenmenschlich“ und „abweichendes Sozialverhalten“ auf.


Kommentar: Hier ist eine klare Unterscheidung für Soziopathen und Psychopathen aus einem anderen Artikel, denn man kann die Begriffe nicht gleichsetzen:
Sozipathen neigen dazu, nervös und leicht erregbar zu sein. Sie sind unbeständig und tendieren zu emotionalen Ausbrüchen, einschließlich Wutanfällen. Sie sind wahrscheinlich ungebildet und leben am Rand der Gesellschaft, unfähig, einer geregelten Arbeit nachzugehen oder für sehr lange Zeit an einem Ort zu bleiben. Es ist schwierig, jedoch nicht unmöglich für Soziopathen, Bindungen zu anderen aufzubauen. Viele Soziopathen können eine Beziehung zu einem bestimmten Individuum oder einer bestimmten Gruppe herstellen, obgleich sie keine Rücksicht auf die Gesellschaft im Allgemeinen oder ihre Regeln nehmen. In den Augen anderer erscheinen Soziopathen als sehr gestört. Jedes Verbrechen einschließlich Mord, das von einem Soziopathen begangen wird, wird eher planlos, desorganisiert und spontan anstatt geplant sein.

Psychopathen, andererseits, sind unfähig, emotionale Bindungen aufzubauen oder echte Empathie mit anderen zu fühlen, obgleich sie oftmals über entwaffnende oder gar einnehmende Persönlichkeiten verfügen. Psychopathen sind sehr manipulativ und können leicht das Vertrauen der Menschen gewinnen. Sie lernen Emotionen zu imitieren, trotz ihrer Unfähigkeit sie tatsächlich zu fühlen, und sie erscheinen für arglose Menschen normal. Psychopathen sind oftmals hochgebildet und haben feste Arbeitsplätze. Einige sind so gut beim Manipulieren und Nachahmen, dass sie Familien haben und andere langfristige Beziehungen führen können, ohne dass jene um sie her jemals ihre wahre Natur erahnen.

Bei emotional / zwischenmenschlich beschreibt er die Abweichungen mit:
  • heuchlerisch und oberflächlich
  • egozentrisch und grandios
  • Mangel an Reue oder Schuldbewusstsein
  • Mangel an Einfühlungsvermögen
  • hinterlistig und manipulativ
  • flaches Gefühlsleben
Bei abweichendem Sozialverhalten führt Hare folgende Eigenschaften auf:
  • impulsiv
  • unbeherrscht
  • sucht Erregung
  • verantwortungslos
  • gestörtes Verhalten als Kind
  • abweichendes Sozialverhalten als Erwachsener
Die Problematik ist, Psychopathen zu erkennen. Dadurch, dass sie manipulativ und zumeist eloquent sind, können sie sich in der Gesellschaft verbergen. Opfer von ihnen, die schlimme Erlebnisse und nahezu unvorstellbare Schädigungen bzw. Taten beschreiben, werden sehr oft nicht ernst genommen.

Auch bei Konfrontationen zwischen Opfern und Psychopathen vermögen letztere zumeist, sich besser ins Licht zu stellen. Es verwundert nicht, dass bei den Sexualdelikten und häuslichen Gewaltdelikten zu einem Großteil Psychopathen die Täter sind. Durch ihr quasi eindimensionales Denken hinsichtlich einer Tat bzw. eines Erfolges (oft werden sie mit einem punktuellen Suchscheinwerfer verglichen) gehen sie auf ihr Ziel los, ohne Rücksicht auf Verluste.

Menschen, die sich ihnen in den Weg stellen oder ihnen unbequem sind, werden überrannt und vernichtet. Damit aber sind Psychopathen höchst gefährlich und - was nicht verwundert - auch bei Serienmördern in großer Menge anzutreffen. Die Psychologin Martha Stout übrigens bescheinigt den Soziopathen ein überdurchschnittliches Selbstmitleid (Der Soziopath von nebenan, Springer Verlag, Wien, 2006), durch das sie auch leichter erkennbar sein sollen. Pointiert formuliert sie: „Sollte der Teufel existieren, dann würde er sich von uns allen wünschen, dass wir ihn über die Maßen bemitleiden“.

Neurologisch sind Psychopathen auffällig und nachweisbar, da bestimmte Gehirnregionen nicht dem Standard entsprechen. Der bereits zitierte Hare geht dagegen über eine Prüfliste (s.u.) an das Auffinden von Psychopathen heran. Die Therapie von Psychopathen ist fast nicht möglich. In Deutschland versucht man im Strafvollzug mittels sozialtherapeutischer Einrichtungen an sie heranzukommen, was praktisch aber nie Erfolg hat. Daher muss man sagen, dass ein Psychopath ein Psychopath bleibt, egal was mit ihm angestellt wird. Hiermit ist die Gefahr für Wiederholungstaten immens gegeben.

Sollten Sie der Meinung sein, Sie es mit einem Psychopathen zu tun haben, so seien Sie vorsichtig, holen Sie sich rechtzeitig qualifizierte Hilfe, vielleicht nützt Ihnen die Auflistung von Hare ja etwas bei der Diagnose. Notieren Sie sich in jedem Fall die Verhaltensauffälligkeit, auch das Vorgehen bei an Ihnen begangenen Taten, führen Sie quasi ein Psychopathen-Tagebuch. Wenn Sie, was ja oft der Fall ist, mit einem Psychopathen in der häuslichen Gemeinschaft leben, so bedenken Sie, dass er sich, egal was Sie unternehmen, nie ändern wird. Nicht Sie sind an ihm schuld, vielmehr er ist der Täter, der sich dazu berufen fühlt, Sie zu vernichten. Hier hilft nur, die Hilfe der Justiz in Anspruch zu nehmen, also beispielsweise Distanz mittels einstweiligen Anordnungen nach dem Gewaltschutzgesetz zu erwirken, aber auch das Aufsuchen von Frauenhäusern. Auf jeden Fall aber der Mut, sich von ihm nachhaltig zu trennen.

Nachstehend die ursprünglich von Hare in 1980 begründete und fortentwickelte Psychopathie-Checkliste „PCL-R“. Jedes Merkmal ist wie folgt zu bewerten: 0 = trifft überhaupt nicht zu 1 = trifft etwas zu 2 = trifft voll zu Bei mehr als 30 von 40 möglichen Punkten ist die beurteilte Person ein Psychopath/Soziopath
  1. sprachgewandt mit charmantem Auftreten
  2. übersteigertes Selbstwertgefühl
  3. ständiges Gefühl der Langweile, Bedürfnis nach Stimulation
  4. pathologisches Lügen
  5. betrügerisch-manipulatives Verhalten
  6. Mangel an Reue oder Schuldgefühlen
  7. oberflächliche Gefühle
  8. Gefühlskälte, Mangel an Empathie
  9. schlechte Kontrolle des eigenen Verhaltens
  10. impulsives, unüberlegtes Verhalten
  11. Fehlen von langfristigen, realistischen Zielen
  12. parasitärer Lebensstil
  13. Promiskuität
  14. viele kurzzeitige Beziehungen und Affären, Polygamie
  15. verantwortungsloses Verhalten wie Fernbleiben von der Arbeit
  16. mangelnde Bereitschaft, Verantwortung für eigenes Verhalten zu übernehmen
  17. Verhaltensauffälligkeiten in der Jugend wie lügen, von zu Hause weglaufen
  18. Jugendkriminalität
  19. Missachtungen von Weisungen und Auflagen der Gerichte
  20. Straftaten aller Art