Einige Menschen haben am oberen Ansatz der Ohrmuschel eine kleine Einkerbung, die wie ein kleines Loch aussieht. Doch welche Bedeutung oder Zweck hat es?
© Smooth_O/Wikimedia
In den USA und Europa besitzen etwa 0,1 bis 0,9 Prozent der Menschen diese Einsenkung am Ohr und bei den Asiaten und Afrikanern sind es sogar zwischen vier bis zehn Prozent der Bevölkerung. Der medizinische Fachbegriff für dieses Phänomen lautet Präaurikulare Fistel und es kann sowohl nur an einem Ohr als auch auf beiden auftreten. Diese Ohrfistel befindet sich meistens außerhalb des Ohrs neben dem oberen Ohrmuschel-ansatz oder hinter dem Ohr und ist eine angeborene Fehlentwicklung, die sich bereits im Embryonalstadium herausbildet.

Dabei unterscheidet man zwei Varianten von Ohrfisteln: Mit Typ I bezeichnet man eine spontan auftretende Missbildung, die blind endet und in der Regel zu keinen Komplikationen führt. Bei Typ II dagegen ist die Missbildung genetisch bedingt und mit anderem Gewebe wie beispielsweise der Hautoberfläche und der Mittelohr-Schleimhaut verbunden - das kann größere Beschwerden verursachen und ist grundsätzlich anfälliger für Entzündungen. Typ II ist im Gegensatz zu Typ I, der nur einseitig auftritt, meistens immer an beiden Ohren vorzufinden.

Muss man sie behandeln?

Diese angeborene Missbildung fällt uns oft erst dann auf, wenn es viele Jahre nach der Geburt tatsächlich zu spürbaren Entzündungen sowie Sekret- und Eiterbildung oder Abszessen kommen sollte. In diesem Fall ist es ratsam, sich die Fistel entfernen zu lassen, da Medikamente keine langfristige Genesung verschaffen. So ein chirurgischer Eingriff ist jedoch ziemlich kompliziert und nicht völlig risikofrei, denn dazu müssen die Ohrfisteln komplett entfernt werden, damit sie sich nicht neu bilden können, was zu einer Beschädigung der eventuell mit ihnen verwobenen Gesichtsnerven und/oder der Speicheldrüse führen kann.