Miami - US-Diabetologen wollen das Omentum majus, die fettgewebsreiche Duplikatur des Bauchfells, die schürzenartig den Darm bedeckt, in ein endokrines Mini-Pankreas umfunktionieren. Die erste Teilnehmerin einer Pilotstudie kommt laut einem Bericht im New England Journal of Medicine (2017; 376:1887-1889) nach einer Inselzell­trans­plantation seit mehr als einen Jahr ohne Insulin-Injektionen aus. Sie muss allerdings immunsupprimierende Medikamente einnehmen.
Die Idee einer Inselzelltransplantation ist nicht neu. Eine erste klinische Studie wurde bereits 1990 begonnen und mit dem sogenannten Edmonton-Protokoll wurde eine Immunsuppression gefunden, die die Inselzellen langfristig am Leben erhält. Die meis­ten Protokolle sehen eine Infusion der Inselzellen in die Pfortader vor, wonach sich die Inseln in der Leber ansiedeln. Die Leber ist jedoch nur bedingt für die Insel­trans­plan­tation geeignet, da die Infusion schwierig ist, es zu Blutungen kommen kann und die Menge der transplantierten Inseln begrenzt ist.

Wissenschaftler des Diabetes Research Institute an der Universität von Florida in Miami haben deshalb nach einem Ersatzorgan gesucht und es im Omentum majus gefunden. Es ist über einen minimal invasiven Zugang in der Bauchdecke leicht zugänglich und verfügt über die gleiche Blutversorgung wie die Bauchspeicheldrüse.

Der erste Patient war eine 43-jährige, bei der seit 25 Jahren ein Typ 1-Diabetes bestand und die aufgrund einer sehr geringen Restproduktion von körpereigenem Insulin unter häufigen Hypoglykämien litt, die bei ihr ohne Vorwarnung auftraten. Diese verminderte Hypoglykämiewahrnehmung stellt heute die wichtigste Indikation für eine Inselzell­trans­plantation dar. Für Menschen mit einem unkomplizierten Typ 1-Diabetes ist die Substi­tution des Hormons mit weniger Risiken und Nebenwirkungen verbunden als die lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva.

Bei der Behandlung wurden 602.395 Inselzell-Äquivalente eines verstorbenen Spenders im Verhältnis 1 zu 2 mit Blutplasma der Patientin vermischt und auf das Omentum majus aufgebracht. Darüber brachten die Chirurgen eine Schicht aus 20 ml rekombinantem Thrombin. Eine weitere Schicht bestand wiederum aus Blutplasma der Patientin. Die Schichten sollten die Inselzellen solange schützen, bis sie sich in das Omentum majus integriert hatten.

Dort setzte bereits nach wenigen Tagen die Insulin-Produktion ein. Am 17. Tag nach der Operation konnte die Patientin die Insulin-Injektionen absetzen. Wie das Team um David Baidal berichtet, kommt die Patientin seit mehr als 12 Monaten ohne Insulin-Injektionen aus. Ihr HbA1c-Wert liegt mit 6,0 Prozent in einem Normalbereich und Hypoglykämie-Episoden seien seither nicht mehr aufgetreten.

Die Patientin muss allerdings weiterhin Immunsuppressiva einnehmen. In den ersten Monaten erhielt sie eine Kombination aus Mycophenolat und Tacrolimus. Nachdem es zu einem Haarausfall gekommen war wurde Tacrolimus durch Sirolimus ersetzt, was vorübergehend zu schlechteren Blutzuckerwerten führte. Inzwischen habe sich die Frau jedoch wieder erholt und darf jetzt hoffen, dass sie den Diabetes besiegt hat - solange sie konsequent ihre Medikamente einnimmt.

rme/aerzteblatt.de