Die Schuld für ihr grandioses Scheitern bei den US-Präsidentschaftswahlen sucht Hillary Clinton nicht bei sich. Unverzüglich nach ihrer Niederlage schwor sie ihr Team darauf ein, wer in der Öffentlichkeit dafür verantwortlich zu machen ist: Russland.


Kommentar: Ein Psychopath kann nicht anders reagieren:

© AP/Patrick Semansky/John Locher/Photo montage by Salon
It's the "economy" of it stupid!"
In ihrem jüngst erschienenen Buch "Shattered: Inside Hillary Clinton's Doomed Campaign" liefern die beiden US-Journalisten Jonathan Allen und Amie Parnes detailreiche Hintergründe zu Clintons missglückter Wahlkampagne - RT Deutsch berichtete.

Eine bisher in der Berichterstattung außer Acht gelassene Passage des Buches fügt den Verfehlungen der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin eine weitere hinzu. Wikileaks machte vor Tagen mit folgendem Tweet darauf aufmerksam:


Demnach hat Clinton innerhalb von 24 Stunden nach ihrer überraschenden Niederlage ihr Team auf eine einheitliche Argumentationslinie eingeschworen: Schuld für das Wahldesaster tragen Moskau beziehungsweise die vom Kreml befehligten Hackerangriffe auf Rechner der Parteizentrale der Demokraten.

Wikileaks hatte während des laufenden Wahlkampfs nach und nach E-Mails aus den Reihen der Demokraten veröffentlicht, die deren Präsidentschaftskandidatin in einem denkbar ungünstigen Licht erschienen ließen.

Mit der eiligst erfolgten Schuldzuweisung in Richtung Moskau wollte Clinton aber nicht nur von ihrem eigenen Versagen ablenken. Mit dem Vorwurf torpedierte sie zeitgleich gezielt die bevorstehende Präsidentschaft von Donald Trump, der sich seit Amtsbeginn permanent des Vorwurfs erwehren muss, insgeheim mit Russland zu kooperieren.

Für eine solche Konspiration gibt es zwar keinerlei Beweise, dennoch halten Trumps Gegner an diesem Narrativ fest. Dabei zeigt schon der Ausgangspunkt der ganzen Kampagne nach dem Motto "Russland-beeinflusst-die-US-Wahlen", auf welch schwachem Fundament diese beruht. Denn bislang ist unklar, ob die Wikileaks zugespielten E-Mails überhaupt durch einen Hackerangriff an dorthin gelangten - von einer russischen Urheberschaft ganz zu schweigen.

Auf schwachem Fundament: Anschuldigungen gegen Russland

Laut Wikileaks hatte ein Mitarbeiter der Demokraten selbst der Enthüllungsplattform die E-Mails zugespielt, der mit Clintons intrigantem Agieren innerhalb der Partei unzufrieden war. Es handelte sich demnach nicht um einen Hackerangriff. Der ehemalige britische Botschafter Craig Murray erklärte diesbezüglich dem Guardian, den Whistleblower persönlich zu kennen. Er habe die Person getroffen und kenne deren Identität. Es handele sich um einen Insider aus den Reihen der Demokraten, "ganz sicher kein Russe", so Murray.

Mit der Untersuchung der vermeintlich gehackten Rechner hatten die Betroffenen übrigens nicht das FBI, sondern die private IT-Sicherheitsfirma CrowdStrike betraut. Bereits einen Tag nach Untersuchungsbeginn präsentierte die Firma im Juni 2016 die vermeintlich Schuldigen in Gestalt von zwei Hackergruppen, die sie in Verbindung mit russischen Geheimdiensten bringt. Damit legte CrowdStrike das Fundament, auf dem anschließend die Kampagne zur angeblich russischen Wahlbeeinflussung ihren Lauf nahm - obwohl IT-Sicherheitsexperten die Analyse von CrowdStrike mittlerweile fachgerecht demontierten.

Dieses Fundament droht nun völlig auseinanderzufallen, sollten sich die Angaben von Jewgeni Nikulin bestätigen. Der 29-jährige Russe wurde im vergangenen Oktober in Tschechien auf Ersuchen der USA festgenommen. Ihm werden vier Jahre alte Hackerangriffe zur Last gelegt, die aber in keinem politischen Zusammenhang stehen. Die Vereinigten Staaten drängen auf seine Auslieferung.

Nach Aussage Nikulins wurde ihm kurz nach den US-Wahlen vom FBI das Angebot unterbreitet, die Anklage gegen ihn fallenzulassen, ihm Gelder und die US-Staatsbürgerschaft zukommen zu lassen, wenn er im Gegenzug "gesteht", an dem vermeintlichen Hackerangriff auf Geheiß des Kreml beteiligt gewesen zu sein. Gegenwärtig beschäftigt sich ein Prager Gericht mit seinem Fall.

In diesem Zusammenhang erwähnenswert: Der Gründer und Chef von CrowdStrike, Dmitri Alperovitch, ist zugleich leitender Wissenschaftler des Atlantic Council. Der extrem anti-russisch ausgerichtete Think Tank verlieh im Jahr 2013 Hillary Clinton den "Distinguished International Leadership Award".