Ein Tweet von US-Präsident Trump hat kürzlich auf ein dunkles Kapitel in der Geschichte der USA angespielt.

© Steve and Donna O'Meara, National Geographic Creative
Das Hexenhaus von Salem – das frühere Heim des Richters Jonathan Corwin – ist das einzige verbleibende Gebäude in der Stadt, das einen direkten Bezug zu den Hexenprozessen von 1692 hat.
„Das ist die größte Hexenjagd auf einen Politiker in der amerikanischen Geschichte!“ So lautete der Tweet von US-Präsident Donald Trump von letzter Woche - anscheinend eine Reaktion darauf, dass das Justizministerium einen Sonderermittler ernannt hat, der Trump und seine Mitarbeiter auf Verbindungen nach Russland überprüfen soll.

Die Hexenprozesse von Salem, die in den USA als Ursprung für das Wort „Hexenjagd“ im Sinne der ungerechtfertigten Verfolgung einer Person gelten, fanden während des Winters und Frühlings von 1692-1693 in Salem, Massachusetts statt.

Bis sie schließlich ihr Ende fanden, wurde 141 Verdächtigen, sowohl Männern als auch Frauen, der Prozess gemacht. Neunzehn von ihnen wurden gehängt. Einer wurde von schweren Steinen zerquetscht. Viele andere starben in den brutalen Gefängnissen.

„Unser Land hat eine lange Geschichte der Hexenjagd, besonders während der Kolonialzeit“, sagt Jason Coy. Er ist Professor für Geschichte am College von Charleston und ein Experte für Hexenjagden.

Coy sagt, dass die Art, auf die Trump das Wort genutzt hatte - in Unterstellung einer politisch motivierten Kampagne gegen eine unschuldige Person - , ihren Ursprung in zwei Dingen hat: Den McCarthy-Anhörungen zu mutmaßlichen Kommunisten in den 1950ern und dem erfolgreichen Theaterstück „Hexenjagd“ (en. „The Crucible“) von Arthur Miller von 1953, das als Allegorie auf die Anhörungen geschrieben wurde.

Hier haben wir fünf Fakten darüber zusammengetragen, was wir über die echte Hexenjagd tatsächlich wissen:

1. Es gab komplexe politische, religiöse und ethnische Probleme

© Wikipedia Commons (Illustration von 1878)
Tituba, eine der ersten Beschuldigten der Salemer Hexenprozesse
Zu der Zeit gab es eine Menge Veränderungen im kolonialen Amerika. Salem teilte sich in eine wohlhabende Stadt - nur übertroffen von Boston - und in ein Bauerndorf auf. Diese zwei Einheiten stritten oft über Ressourcen, Politik und Religion. Außerdem teilten sich die Dorfbewohner in verschiedene Fraktionen auf, die darüber stritten, ob das Dorf seine Unabhängigkeit von der Stadt erklären sollte. Das verkomplizierte die Dinge noch mehr.

1689 erhielten die Dorfbewohner schließlich das Recht, ihre eigene Kirche zu bauen. Sie wählten Reverend Samuel Parris, einen ehemaligen Kaufmann, als ihren Pfarrer. Dessen unbeugsame Art und sein Bestehen auf eine Vergütung - inklusive seines Eigentumsrechts auf das Dorfpfarrhaus - führten zu weiteren Spannungen. Viele Dorfbewohner sprachen sich dafür aus, Parris zu vertreiben. Sie hörten im Oktober 1691 auf, sich an seinem Gehalt zu beteiligen.

Während dieser angespannten Zeit erfreuten sich Parris‘ neunjährige Tochter Betty und ihre Cousine Abigail Williams an den faszinierenden Geschichten von Tituba, einer Sklavin aus Barbados.

Es waren also durchaus einige Voraussetzungen gegeben, die ein metaphorisches Pulverfass bildeten...

2. Zu der Zeit beunruhigte seltsames Verhalten die Bewohner Salems

Im Februar 1692 begann die junge Betty Parris, von Anfällen geplagt zu werden, die sich zur damaligen Zeit niemand erklären konnte. Dasselbe traf auch auf Abigail Williams zu und auf die Freundin der beiden Mädchen, Ann Putnam. Die Ärzte und Pfarrer sahen mit Schrecken zu, wie die Mädchen sich verdrehten, unter Stühlen kauerten und Unsinn schrien.

Mit höchstens rudimentären Kenntnissen in Biologie, Medizin und Psychologie schlussfolgerten die Experten jener Zeit, dass die Mädchen verhext sein mussten. Sie setzten die Kinder so lange unter Druck, bis sie schließlich begannen, mit den Fingern auf weibliche Sonderlinge in ihrer Umgebung zu zeigen. Tituba wurde als Hexe bezeichnet, ebenso eine zerzauste Bettlerin namens Sarah Good und die alte Sarah Osburn.

3. Folter förderte bizarre Geständnisse zutage

© Wikipedia Commons
Martha Corey, eine 72 Jahre alte Frau, die während der Hexenverfolgung in Salem zu Unrecht der Hexerei beschuldigt wurde
Nachdem sie brutal geschlagen worden war, begann Tituba zu gestehen und ebenfalls mit dem Finger zu zeigen.

„Der Teufel kam zu mir und befahl mir, ihm zu dienen“, sagte sie Berichten zufolge im März 1692.

Die Dorfbewohner lauschten gebannt, als sie von schwarzen Hunden, roten Katzen, gelben Vögeln und einem weißhaarigen Mann sprach, der ihr befahl, im Buch des Teufels zu unterschreiben. Es gebe mehrere unentdeckte Hexen, soll sie gesagt haben, die danach trachteten, die Puritaner zu vernichten.

Das Aufspüren dieser angeblichen Hexen wurde zu einem Fieber, das die ganze Gemeinde ergriff und sich auch auf die umliegende Region ausbreitete.

4. Die Leichen türmten sich auf

Als die Ermittler von Tür zu Tür gingen, nannten die verängstigten Bewohner noch mehr angebliche Hexen. Die abenteuerlichen Aussagen und Gerüchte häuften sich. Die Beschuldigten wurden gefoltert und mussten sich vor Gericht verantworten. Die Prozesse waren dabei übereilte Angelegenheiten vor einem Spezialgericht, das extra für diesen Zweck gegründet worden war.

Neunzehn verurteilte „Hexen“ wurden auf Gallows Hill, dem Galgenhügel, gehängt. Der Angeklagte Giles Cory wurden zu Tode gefoltert, als er während seiner Verhandlung nicht schuldig plädieren wollte. Fünf andere Menschen, darunter ein Kleinkind, starben im Gefängnis.

5. Manche verurteilten die Prozesse ... bis sie schließlich aufhörten

© Public domain / Artist unknown
Die zentrale Person in dieser Illustration von 1876 des Gerichtssaals wird gewöhnlich als Mary Walcott, 17, identifiziert, eine von mehreren Mädchen in Salem mit einem psychologischen Problem, das als Massenhysterie bekannt war, und deren Zustand Hexerei zugeschrieben wurde.
Am 3. Oktober 1692 schritt schließlich Reverend Increase Mather ein, der Präsident des Harvard-College und Vater des berühmten Predigers Cotton Mather. Er verurteilte die Nutzung von schwachen Beweisen und das Vertrauen auf nicht nachweisbare, übernatürliche Behauptungen.

„Besser, dass zehn verdächtigte Hexen entkommen, als dass eine unschuldige Person verurteilt wird“, sagte er.

Gouverneur William Phips hatte genug, als schließlich auch seine eigene Frau von den geplagten Kindern genannt wurde. Entschlossen, dem Wahnsinn ein Ende zu setzen, löste er das Spezialgericht auf und ersetzte es durch ein neues Obergericht - welches sogenannte geisterhafte Beweise nicht anerkannte. Das Gericht verurteilte nur drei von 56 Beschuldigten. Phips begnadigte sie zusammen mit fünf anderen, die auf ihre Hinrichtung warteten.

Im Mai 1693 begnadigte Phips all jene, die noch wegen Vorwürfen der Hexerei im Gefängnis saßen. Mit der Zeit entschuldigten sich auch einige der Ankläger öffentlich. Der Gesetzgeber verabschiedete schließlich ein Gesetz, welches den guten Namen einiger der Verdammten wiederherstellte und ihren Erben eine Entschädigung zusprach.