Neuer Trend: Fit und schlank durch Intervallfasten
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Intervallfasten liegt im Trend. Im Gegensatz zu anderen Diäten kann man bei der Methode an mehreren Tagen der Woche schlemmen, während man an anderen Tagen die Kalorienzufuhr drastisch reduziert. Nicht alle Experten sind von dieser Art des Fastens überzeugt.
Die meisten Menschen, die aus nichtreligiösen Gründen fasten, tun dies vornehmlich, um ihr Gewicht zu reduzieren. Umso besser, wenn man dabei nicht nur schlanker, sondern auch fitter und gesünder wird. Beim sogenannten „Intervallfasten“ soll all dies erreicht werden. Allerdings sind nicht alle Experten von dieser Methode überzeugt.

Unterschiedliche Methoden zum Abnehmen

Menschen, die abnehmen wollen, versuchen dies oft mit den unterschiedlichsten Methoden. Manche reduzieren Fett auf ihrem Speiseplan, andere meinen, dass man durch Low-Carb-Diäten schneller schlank werden kann. Und einige wenige versuchen es auch mit eher außergewöhnlichen Methoden wie der Paleo-Diät, bei der man wie in der Steinzeit speist. Es gibt aber Wissenschaftler, die meinen, solche Diäten bringen fast nichts, weil man aufgrund des Jojo-Effekts schnell wieder zunimmt. Dennoch gibt es immer wieder neue Abnehm-Methoden, die viele Anhänger finden. Ein relativ neuer Trend: Das Intervallfasten.

Neuer Trend aus den USA

Experten zufolge hat man mit einer dauerhaften Diät mit weniger Kalorien, begleitet von regelmäßiger Bewegung, die besten Erfolgsaussichten beim Abnehmen.

Wenn es aber schneller gehen soll, können mitunter auch spezielle Abnehm-Programme helfen. Eines davon ist das sogenannte „Intervallfasten“.

Diese Methode soll nicht nur bei der Gewichtsreduktion, sondern auch bei Bluthochdruck helfen, die Stimmung verbessern und die geistige Leistungsfähigkeit steigern.

Doch was ist dran an der Diät, die - wie so viele - aus den USA den Weg nach Europa gefunden hat? In einer aktuellen Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Fachleute Wissenswertes zum Thema zusammengefasst.

Eine „für den Menschen artgerechte Ernährung“

Wie der Name schon verrät: Auf eine Zeit der Nahrungsaufnahme folgt eine des Fastens. Möglich sind beispielsweise eine 2:5-Regelung, also zwei Tage fasten und fünf Tage normal essen oder eine 16:8-Variante, also 16 Stunden fasten und acht Stunden essen.

„Der Mensch ist ursprünglich nicht an konstante Mahlzeiten gewöhnt“, sagte der Hamburger Diabetologe und NDR-„Ernährungsdoc“ Matthias Riedl.

Unsere Vorfahren seien aufgrund der Lebensumstände auf Phasen des Fastens eingestellt gewesen. Gegessen werden konnte erst, wenn die Jagd erfolgreich oder die Ernte reif war. Laut Riedl entspreche ein Wechsel zwischen Fastenzeiten und Zeiten der Nahrungsaufnahme daher einer natürlichen Lebensweise, sei sozusagen „die für den Menschen artgerechte Ernährung“.

An Fastentagen viel trinken

Dem Mediziner zufolge „ist der Körper ständig im Speichermodus“, weil es in unserem Alltag mit regelmäßigen Mahlzeiten und vielen Snacks keine Hungerphasen mehr gibt.

Die möglichen Folgen: Übergewicht und daraus resultierende Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder auch Demenz.

Wenn jedoch Hungerphasen in den Alltag eingebaut werden, lernt der Organismus wieder, auf seine eigenen Reserven zurückzugreifen, wodurch der Insulinspiegel sinkt und der Fettabbau angeregt wird. Der Organismus wird entlastet, Stoffwechsel und Organe können regenerieren.

Der Konstanzer Sportwissenschaftler, Autor und Gesundheitsberater Michael Despeghel plädiert für die 2:5-Methode. Er empfiehlt, an zwei Tagen der Woche nur jeweils 500 Kilokalorien zu sich zu nehmen. An den restlichen Tagen wird wie gewohnt gegessen.

Bereits durch die Reduzierung der wöchentlichen Gesamtkalorienzahl würden die Chancen gut stehen, mit vergleichsweise wenig Veränderung im Alltag nachhaltig abzunehmen. Ein wesentlicher Vorteil dieser Methode: Die Fastentage können nach persönlichen Lebensumständen gewählt werden.

Despeghel hob hervor, dass es an den Fastentagen wichtig sei, viel zu trinken, am besten Wasser, Tee und Gemüsebrühe. Einmal täglich gibt es eine eiweißreiche Mahlzeit, die den Körper mit einem Mindestmaß an Energie versorgt und so verhindert, das Muskelmasse abgebaut wird.

Positive Auswirkungen auf die Stimmung und geistige Leistungsfähigkeit

Der Münchner Fitnesstrainer und Ernährungsberater Hanjo Fritzsche, der nach der 16:8-Methode lebt und sich acht Stunden am Tag normal ernährt, in der restlichen Zeit aber nur Wasser zu sich nimmt, sagte laut dpa: „In den ersten Wochen denkt man viel über Essen nach.“

Bei manchen stellen sich dann auch Kopfschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten ein. Nach einer Eingewöhnungsphase fühlt man sich laut Fritzsche wach und kann sich besser konzentrieren

Riedl zufolge zeigen Tierversuche, dass sich temporäre Fastenzeiten positiv auf die Stimmung und die geistige Leistungsfähigkeit auswirken. Bei Mäusen und Ratten profitierte demnach auch das Immunsystem, und selbst die Lebenserwartung stieg.

Der Diabetologe sagte, Intervallfasten sei prinzipiell für jeden geeignet, der es schafft, die Fastenzeiten durchzuhalten und in seinen Wochenablauf zu integrieren. Man solle sich zu Beginn bestimmte Ziele setzen, etwa so und soviel Zentimeter Bauchumfang zu verlieren.

Zusätzliche Motivation kann man sich holen, indem Ausgangssituation und erste Erfolge protokolliert werden.

Zusätzlich für ausreichend Bewegung sorgen

Zudem ist es nach Ansicht der Experten hilfreich, das intermittierende Fasten mit Sport und Bewegung zu begleiten. „Sitzen treibt den Blutzuckerspiegel nach oben“, so Despeghel.

Bewegung stärke neben dem Abbau von Kalorien auch das allgemeine Wohlbefinden. Laut dem Fitnesstrainer Fritzsche sei es „eine der besten Fatburning-Strategien überhaupt“, nüchtern zu trainieren. Dann sei der Körper gezwungen, auf seine Reserven zurückzugreifen.

Die Fettverbrennung werde optimiert und selbst hartnäckige Fettpolster in den Problemzonen könnten so zum Schmelzen gebracht werden.

Doch auch wenn sich die Fachleute in der dpa-Meldung durchgehend positiv über das Intervallfasten äußern, gibt es auch Kritik.

So schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf ihrer Webseite: „Die DGE hält diese Methode für nicht sinnvoll, um langfristig das Gewicht zu regulieren. Eine Umstellung zu einer gesundheitsfördernden Ernährung erfolgt hierdurch nicht.“

„Solch kurzzeitige Diäten wirken nicht dauerhaft und gefährden eine ausgewogene Nährstoffzufuhr“, erklärte DGE-Pressesprecherin Antje Gahl.

„Schnell viel abnehmen und genauso schnell wieder das Ausgangsgewicht oder sogar mehr erreichen - das charakterisiert diese Diäten und kann zum so genannten Jojo-Effekt führen“, so Gahl in einer Mitteilung, in der erläutert wird, warum sogenannte Blitz-Diäten keinen Erfolg bringen.

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