Gesundheitsexperten betonen schon seit Jahren, wie wichtig es ist, den Vitamin-D-Spiegel im Blut hoch zu halten, nicht nur zum Schutz vor Knochen- und Zahnkrankheiten, sondern auch vor Autoimmunerkrankungen, Krebs und vielen anderen chronischen Krankheiten.

Doch anstatt den Menschen zu raten, mehr Zeit in der Sonne zu verbringen, empfahlen sie bisher häufig die Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels (Vitamin D und Krebs - neun Fakten, die man Ihnen vorenthalten will).

Nun zeigt eine weitere Studie von Forschern am Telethon Kids Institute in der westaustralischen Stadt Perth, die in der Fachzeitschrift Diabetes veröffentlicht wurde, dass Sonnenlicht nicht nur wegen der Bildung von Vitamin D gesund für uns ist.

Sonnenstrahlen regen die Haut auch zur Bildung von Stickstoffoxid an, das den Körper bei der Regulierung des Stoffwechsels unterstützt und eine Gewichtszunahme bremst.

»Wir wissen, dass Sonnenanbeter länger leben als Menschen, die ihr Leben im Schatten verbringen«, sagte der Dermatologe Richard Weller von der Universität Edinburgh.

»Studien wie diese helfen uns zu verstehen, wie uns die Sonne nützen kann. Wir sollten nicht vergessen, dass Hautkrebs nicht die einzige Krankheit ist, die uns umbringen kann, und sollten vielleicht unsere Ratschläge über Sonnenbäder etwas balancierter erteilen.« (Superhormon Vitamin D: So aktivieren Sie Ihren Schutzschild gegen chronische Erkrankungen (Videos))

Nutzen, der nicht vom Vitamin D kommt

Bei der neuen Studie setzten die Forscher Mäusen ein fettreiches Futter vor, bis sie fettleibig waren und an Diabetes litten. Anschließend wurden einige der Mäuse ultravioletter (UV-) Strahlung ausgesetzt, die die Haut zur Bildung von Vitamin D und Stickstoffoxid anregt. Diese Mäuse zeigten geringere Gewichtszunahme sowie bessere Werte bei Blutzucker und Insulinresistenz.

Die Verbindung zwischen UV-Strahlung, Stickstoffoxid und Blutdruck war aus früheren Studien bereits bekannt; deshalb rieben die Forscher die Mäuse mit einer Hautcreme ein, die entweder Stickstoffoxid oder Vitamin D enthielt.

Bei den Mäusen, die mit der Stickstoffoxid-Creme eingerieben wurden, zeigte sich hinsichtlich Fettleibigkeit und Diabetes-Symptomen dieselbe Wirkung wie bei den Mäusen, die der UV-Strahlung ausgesetzt wurden. Bei den Mäusen, die mit der Vitamin-D-Creme eingerieben wurden, ergab sich indes keine Veränderung.

»Unsere Beobachtungen deuten darauf hin, dass sich die Menge des von der Haut freigesetzten Stickstoffoxids nicht nur günstig auf Herz und Blutgefäße auswirkt, sondern auch auf die Regelung des Stoffwechsels«, sagte der Wissenschaftler Martin Feelish von der Universität Southampton.

Warum Sonnenlicht für gute Gesundheit wichtig ist

Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes gelten weltweit als Volkskrankheiten, vor allem in den reicheren Ländern, wo sich die Menschen oft ungesünder ernähren und sich viel zu wenig bewegen. Beide Krankheiten werden bei Kindern und Erwachsenen häufiger.

Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat sich in den USA die Rate von Fettleibigkeit bei Kindern in den letzten 30 Jahren verdoppelt, heute sind 18 Prozent der Kinder zwischen sechs und elf Jahren fettleibig.

»Unsere Ergebnisse sind wichtig, weil sie zeigen, dass Sonnenlicht zusammen mit viel Bewegung und einer gesunden Ernährung dazu beitragen kann, die Entwicklung von Fettleibigkeit bei Kindern zu verhindern«, erklärte die Wissenschaftlerin Shelley Gorman vom Telethon Kids Institute.

Die Resultate lassen auch darauf schließen, dass es zu lebenslang schlechterer Gesundheit führen kann, wenn in der Jugend zu viel Zeit in geschlossenen Räumen verbracht wird (Hochdosiert: Die wundersamen Auswirkungen extrem hoher Dosen von Vitamin D3).

»Die Erkenntnisse bestätigen: Zu einem gesunden Lebensstil gehört es, sich im Freien aufzuhalten, nicht nur, um Sport zu treiben, sondern auch,um vom Sonnenlicht auf der Haut zu profitieren«, sagte Dr. David Ray von der Universität Manchester (Sonnencremes verursachen Vitamin-D-Mangel).

Es ist nicht bekannt, wie viel Sonnenstrahlung für einen gesunden Stoffwechsel nötig ist, doch Gesundheitsexperten raten hellhäutigen Menschen zu mindestens 15 Minuten Sonnenlicht täglich auf die ungeschützte Haut von Händen und Gesicht, um einen Mindestwert von Vitamin D sicherzustellen.

Je dunkler die Haut und je weiter entfernt vom Äquator jemand lebt, desto mehr Sonnenlicht braucht er.

Die Fähigkeit der Haut, Vitamin D und Stickstoffoxid zu bilden, wird durch Sonnenschutzmittel und die Kleidung blockiert.