Im Januar 1890 fand man in der Nähe der heutigen ukrainischen Stadt Kirowohrad eine rätselhafte hölzerne Statue, auf der seltsame Zeichen eingeschnitzt sind. Sie lag wie eine Zeitkapsel in einem Torfmoor des Uralgebirges und ist mit ihren etwa 11.000 Jahren die älteste Holzfigur der Welt.
© The Siberian Times
Erst in 2014 gelang es deutschen Wissenschaftlern, das aus Lärchenholz hergestellte Artefakt zu datieren. Die Experten glauben, dass es sich um eine Götzenskulptur handelt und diese Zeichen bzw. Piktogramme auf ihr codierte Informationen über das Verständnis von »der Schöpfung der Welt« in der Mittelsteinzeit enthalten. Die Figur besitzt ein dreidimensionales Gesicht mit einem klaffenden Mund und einem aztekisch wirkendem Aussehen, aber das liegt wohl nur daran, weil ein Teil der Nase abgebrochen ist. Insgesamt hat die Skulptur sieben Gesichter, von denen aber nur eins auf dem Haupt und sechs lediglich eindimensional im gesamten Körper verteilt geschnitzt wurden. Sowohl auf der Vorderseite als auch an der Rückseite und den schmalen Seitenflächen der Figur sind seltsame Zeichen angebracht. Die ursprüngliche Höhe der Skulptur betrug 5,3 m aber etwa 1,93 m davon haben die Revolutionen und Kriege des 20. Jahrhunderts nicht überlebt und so ist die Statue nur noch auf den damals angefertigten alten Zeichnungen vollständig und mit allen Zeichen sichtbar.

Die russischen Wissenschaftler rätseln seit der Entdeckung nicht nur über die Zeichen auf der Götzenfigur, sondern auch darüber, wie sie überhaupt in einer vertikalen Position gehalten werden konnte - schließlich ist sie so hoch wie ein zweistöckiges Haus. Sie können es sich nicht vorstellen, dass der untere Teil in den Boden gesteckt wurde, um sie aufrecht zu stellen. Dass es stützend an einem Baum angelehnt wurde, scheint ebenfalls unwahrscheinlich, denn in beiden Fällen wären über die Hälfte seiner Ornamente verdeckt gewesen.
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Zumindest konnte jetzt geklärt werden, wie die Statue angefertigt wurde. Wie The Siberian Times berichtet, habe Professor Mikhail Zhilin vergangene Woche auf einer Konferenz erklärt, dass die Erbauer der Statue zunächst die Oberfläche mit einem feinkörnigen Schleifmittel poliert hätten und erst anschließend die Verzierung einschnitzten. Dazu verwendeten sie aber mindestens drei verschiedene Meißelwerkzeuge mit unterschiedlichen Klingenbreiten. Die Gesichter sind vermutlich zuletzt geschnitzt worden, da sie noch zusätzlich mit einem sehr exotischem Werkzeug bearbeitet wurden: Der Hälfte eines Biber-Unterkiefers. „Biber sind dazu geschaffen, Bäume zu zerlegen. Wenn man die Schneidezähne eines Bibers schärft, erhält man ein ausgezeichnetes Werkzeug, das sich besonders für das Schnitzen konkaver Flächen eignet", sagte Prof. Zhilin.

Zu besichtigen ist dieses einmalige Werk prähistorischer Kreativität im »Yekaterinburg History Museum« von Jekaterinburg in Russland.
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