Varroamilben gefährden Völker / Nicht jeder Imker ergreift Gegenmaßnahmen
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© unbekanntWerner Warneke, Vorsitzender des Kreisimkerverbands, kontrolliert den Zustand seiner Bienenvölker.

Landkreis Diepholz - Noch krabbeln die Bienen eifrig das Rähmchen entlang, in dem sie mit unglaublicher Symmetrie ihre Waben eingezogen haben. Als Imker Werner Warneke es aus der grünen Plastikkiste zieht, schwärmen sie aus. „Wenn sie kommen, dann wie die Stukas“, kommentiert er den halbherzig vorgetragenen Angriff mit der Lässigkeit von 30 Jahren Berufserfahrung. Doch das geschäftige Summen und Brummen täuscht: Dem Volk geht es schlecht. Sehr schlecht. Wenn nicht bald etwas passiert, ist es dem Tod geweiht.


Die Varroamilbe hat den Bienenstaat befallen und der zuständige Imker hat nicht rechtzeitig auf den Befall reagiert. Jetzt hat er das Volk dem Vorsitzenden des Kreisimkervereins übergeben. Warneke versucht zu retten, was zu retten ist.

Die Parasiten nisten sich in den Zellen der Bienen ein und vermehren sich dort. Wie ein Vampir beißen sie sich in den Bienenmaden fest, bevor sie sich verpuppen. Die Verletzungen heilen nie. Das schwächt die Bienen und macht sie anfällig für Viren, zum Beispiel den Flügelvirus: Sie bilden keine oder nur verstümmelte Flügel aus und sterben in nur wenigen Tagen.

Die heimischen Bienen sind den Schädlingen, die ursprünglich aus Asien kommen, schutzlos ausgeliefert. Werner Warneke schätzt die Verlustrate bei den rund 2 000 Bienenvölkern im Landkreis Diepholz auf ungefähr zehn Prozent. Normal wären drei bis fünf Prozent.

Verantwortlich für das Bienensterben macht Warneke aber nicht die Milben mit dem fiesen Namen „varroa destructor“ oder die Viren, sondern Imker, die ihre Völker nicht vernünftig kontrollieren und bei starkem Varroamilbenbefall nicht richtig behandeln.

Denn wirklich wirksam ist der Kampf gegen die Parasiten nur, wenn er konzertiert erfolgt: Die 220 Imker in Diepholz müssten zeitgleich zuschlagen. Denn geschwächte Bienen, an die sich bis zu sechs Milben geheftet haben, verlassen in der Regel ihr Volk und verbreiten so die Schädlinge.

Doch für diese Zusammenarbeit fehlt offenbar die Bereitschaft. Es sind profane Gründe, etwa Urlaub oder der Zeitaufwand, die das Zusammenspiel der Imker verhindern. Von Kontrollen oder Androhung von Strafen für nachlässige Imker hält Werner Warneke nichts. Die kreisweite Zusammenarbeit kann seiner Meinung nach nur auf Vertrauen basieren.

Hochzeit für Varroamilben ist etwa drei Wochen nach der Mittsommerwende. Sie markiert den Höhepunkt der Brutzeit, in der eine Bienenkönigin bis zu 2.000 Eier pro Tag legt. Jedes Ei wird in einer Zelle abgelegt, und dort nisten sich dann auch die Milben ein. 21 Tage vergehen, bis aus einer Made eine Biene wird. Drohnen schlüpfen nach 24 Tagen. Die Milben brauchen nur zehn Tage, bis sie zur Welt kommen, durchlaufen also im Schutz der Zelle zwei komplette Zyklen und breiten sich danach im ganzen Bienenstock aus.

Werner Warneke hat deshalb seine Bienenvölker sofort nach der Honigernte, dem sogenannten Abschleudern, mit Ameisensäure behandelt. Er trägt die beißend riechende Flüssigkeit in geringen Mengen auf ein Schwammtuch auf, das er unter einer Plastikfolie auf die Rähmchen legt. So macht er allen Varroamilben, die sich an die Bienen geheftet haben oder sich frei im Bienenstock bewegen, den Garaus. Die im Schutz der Zellen nistenden Milben überstehen den Angriff.

In der Blütezeit, wenn die Bienen ihrer Arbeit nachgehen, kann er diese Methode nicht anwenden. Die Ameisensäure würde den Honig verunreinigen. Stattdessen wendet er einen Trick an, um den „Milbendruck“ im Volk zu senken. Er setzt ein leeres Rähmchen in die Beute (so nennt sich die Behausung der Bienen) ein. Dort legt die Königin dann nur unbefruchtete Eier, aus denen männliche Bienen schlüpfen. Weil die Drohnen sowieso von den Bienen aus Stock vertrieben werden würden, kommt Warneke ihnen zuvor: Er entfernt das Rähmchen, bevor die Drohnen schlüpfen und vernichtet es.

Möglich ist auch der Einsatz von synthetischen Mitteln im Kampf gegen die Milbenplage. Allerdings sollten diese nur in der brutfreien Zeit angewendet werden, sonst sind die Folgen verheerend: Weil sich die Milbengeschwister in den Zellen untereinander paaren, entwickeln sie schnell eine Resistenz gegen die Mittel, erklärt Warneke. Die rasche Generationenfolge beschleunigt die Evolution.

Nils Roloff, Tierarzt im Veterinäramt des Landkreises, bestellt auf Anfrage der Imker Mittel zur Behandlung der Bienenvölker, um die Kosten für den Einzelnen zu senken. Er sieht keinen akuten Handlungsbedarf, etwa zur zeitlichen Koordination der Behandlung. „Ich kenne keinen Imker, der das nicht behandelt.“ Die Varroamilbe sei „keine anzeigepflichtige Seuche“.