Tausende zerstörte Bäume, versperrte Wege: Eine Woche nach dem Unwetter im Raum Wiesbaden fällt die Bilanz verheerend aus. Ein Förster ist den Tränen nahe. Die Aufräumarbeiten dürften Monate dauern.
Einzelne, an der Spitze abgerissene oder zersplitterte Buchenstämme ragen in den Himmel. Drumherum ein unzugängliches Gewirr aus Stämmen, Sträuchern und Laub von herabgestürzten Baumkronen. Hier im Revier Altenstein zwischen Taunusstein und Wiesbaden hat das Unwetter vor einer Woche besonders heftig zugeschlagen.

Revierförster Achim Garth blickt auf kahle Buchenstämme, die vor wenigen Tagen noch gesund waren: "Umgefallen, aufgesplittert - selbst unterständige, kleinere Bäume, die sehr vital stehen, sind einfach abgebrochen. Das habe ich noch nie gesehen." Eine 140-jährige Buche, deren Krone abgebrochen ist, hätte noch 60 bis 80 Jahre stehen können, sagt Garth.

Gewitterfallböen mit 120 km/h

Extremer Starkregen mit Hagel und heftigen Windböen hatten vergangene Woche für etwa anderthalb Stunden über Wiesbaden, im Rheingau und im Taunus gewütet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von Gewitterfallböen. Die sind flächendeckender als Tornados, hatten nach Ansicht der Wetterfachleute aber auch Windgeschwindigkeiten von mehr als 120 Stundenkilometern.

Das Revier von Förster Garth ist am schlimmsten betroffen. Als er nach dem Sturm zum ersten Mal seinen Wald sah, war er erschüttert. "Ich stand mehrfach vor den Tränen." Wenn er heute nach und nach die Wege freischneide, kämen immer noch neue Katastrophen zutage. Sein Revier ist 1.600 Hektar groß. Dort seien etwa 10.000 Bäume umgestürzt, schätzt Garth.

Insgesamt beziffern die Forstämter Chausseehaus und Rüdesheim den Schaden auf etwa 30.000 umgefallene Laub- und Nadelbäume. Auch Ralf Bördner, Leiter des Forstamts Chausseehaus, spricht von einer "kleinen Katastrophe" im Wald. Er rechnet damit, dass die Aufräumarbeiten noch ein paar Monate dauern.

Bäume drohen zu verfärben

Stellenweise ist für die Förster Eile geboten. Wenn die Buchen zu lange liegen, verfärben sie sich, werden schwarz und bringen im Verkauf weniger Geld. Andererseits sind die Aufräumarbeiten gefährlich. Vielfach hängen abgebrochene Äste in den Kronen und drohen herunterzufallen. "Man schneidet einmal in das Dickicht, und dann kann einem ein Ast entgegen schlagen", erklärt Garth.

Zunächst werden darum Bäume in der Nähe von Häusern und Siedlungen kontrolliert und nach und nach die Waldwege freigeräumt. Dass er bis zum Jahresende mit allen Aufräumarbeiten fertig ist, bezweifelt der Förster.

Quelle: hessenschau.de