Russland und Japan führen ernste Gespräche über den Bau einer Brücke zwischen Hokkaido und Sachalin, sagte Vize-Premier Igor Schuwalow auf dem Östlichen Wirtschaftsforum. Es gebe aber immer noch Hindernisse, die der Umsetzung dieses Projekts im Wege stehen.
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Der russische Präsident Wladimir Putin und Japans Premier Shinzo Abe am 7. September im russischen Wladiwostok.
Wir haben unseren japanischen Partnern ein ernsthaftes Angebot bezüglich des Baus eines Überganges von Hokkaido bis zum südlichen Teil von Sachalin unterbreitet. Der Übergang sieht eine gemischte Brücke für Auto- und Eisenbahnverkehr vor",
sagte Igor Schuwalow auf dem Forum am 6. September.

Dabei sei die russische Seite nah dran, die erforderliche Eisenbahnstrecke bis zum Pazifik-Ufer fertigzustellen, um den Übergang vom Kontinent auf die Insel zu ermöglichen.
Das schafft in diesem Fall zusätzliche Möglichkeiten zur Nutzung unserer Eisenbahnbahn-Infrastruktur und Japan wird dabei zu einer kontinentalen Macht", sagte der russische Vize-Premier.
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Schuwalow ist auch der Meinung, dass moderne Technologien die Kosten des Projektes im Rahmen halten könnten. "Darüber führen wir mit japanischen Partnern ernste Gespräche", betonte er.

Sowjetunion hat ihr Eisenbahnprojekt nie fertiggestellt

Nur acht Kilometer trennen das Festland von der Insel Sachalin. Ideen, eine Brücke dorthin zu bauen, gab es schon im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1950 begann die Sowjetunion mit dem Bau einer Eisenbahnstrecke, die zu der Brücke führen sollte, das Projekt wurde aber nicht fertiggestellt. Im modernen Russland ist das Projekt hingegen schon seit Jahren wieder im Gespräch.

Das Projekt einer Verbindung nach Hokkaido und darüber hinaus auch nach Honsu - die größte japanischen Insel, von der aus es bereits eine Verbindung nach Hokkaido gibt -, befindet sich jedoch in einer anderen Dimension. Die Entfernung zwischen Sachalin und Hokkaido beträgt an ihrer schmalsten Stelle 43 Km, die Kosten einer Brücke werden auf drei Trillionen Rubel (50 Mrd. US-Dollar) geschätzt. Das übersteigt beispielweise die Kosten der gerade im Bau befindlichen Krim-Brücke um mehr als das Zehnfache.

Der Warenaustausch zwischen Russland und Japan konnte bislang gut über See abgewickelt werden. Deswegen fällt die Reaktion der japanischen Seite auf das Angebot eher verhalten aus. Der japanische Premier Shinzo Abe sagte im Interview mit dem russischen Fernsehkanal Rossija 1, das er am Vorabend seines Treffens mit Wladimir Putin vom 7. September gab, man müsse über den ökonomischen Nutzen eines solchen Projektes gut nachdenken.

Abe fügte auch hinzu, dass so ein Mega-Projekt auf breiter Zustimmung im Volk fußen müsse. Diese sei nur dann möglich, wenn zwischen den beiden Ländern tiefes Vertrauen herrsche. Damit wies er auf das Fehlen eines Friedensvertrages zwischen Russland und Japan hin. Der Streit um die Südkurilen-Inseln hinderte bislang dessen Zustandekommen.

Friedensvertrag und Kurilen-Lösung bleiben Voraussetzungen für weitere Projekte

Allerdings befinden sich beide Staaten seit Jahren auf Annäherungskurs. Shinzo Abe traf sich gestern bereits zum 19. Mal mit dem russischen Präsidenten, dessen Liebe zur japanischen Kampfsportart Judo in Japan sehr geschätzt wird. Abe sagte im Interview, er sehe sich vor einer historischen Aufgabe. Dass damit die Unterzeichnung des Friedensvertrages mit Russland gemeint ist, ist offensichtlich. Dieses Vorhaben hat der japanische Premier bekräftigt, als er nach dem Treffen am 7. September mit Wladimir Putin erklärte:
Das Wichtigtse für russisch-japanische Beziehungen ist der Abschluss des Friedensvertrages...Dieses mal haben wir fest beschlossen, dass Friedensvertrag ausgerechnet wir - ich und der russische Präsident Wladimir Putin, unterzeichnen sollen.
Vor diesem Hintergrund lässt sich Schuwalows neuerliches Angebot an die Japaner als politische Geste verstehen - gerichtet auf ein gemeinsam zu schulterndes Mammutprojekt und eine Vision zur Überwindung von Grenzen. Eine gemeinsame Erschließung nicht nur umstrittener Inseln, sondern auch des gesamten Fernen Ostens sollte aus russischer Sicht für die nächsten Jahrzehnte die Grundbasis der russisch-japanischen Beziehungen sein.