Der russische Präsident hat vorgeschlagen, das staatliche Programm der freien Landübergabe im Fernen Osten Russlands, den "Fernöstlichen Hektar", auf ausländische Staatsbürger mit russischem Hintergrund zu erweitern. Dies zielt vor allem auf große Familien.

Voraussetzung für eine Zuteilung soll sein, dass die Kandidaten den Wunsch haben, in der Region zu arbeiten und eine große Familien aufzubauen.
Es ist notwendig, die Chancen dieses Programms auf unsere Landsleute auszudehnen, die im Fernen Osten [Russlands] aus dem Ausland ankommen", sagte Wladimir Putin, als er am Mittwoch die Sitzung des Staatsrats-Präsidiums in Wladiwostok eröffnete.
"Im Ausland lebende Landsleute" ist ein Begriff, den russische Massenmedien und Behörden verwenden, um Menschen zu beschreiben, die der russischen Kulturgemeinschaft und in der Regel auch der russischen Ethnie zugehören. Viele von ihnen sind in den ehemaligen Sowjetrepubliken geblieben, nachdem die UdSSR 1992 zusammengebrochen war. Das russische Gesetz sieht eine vereinfachte Einbürgerung und einige andere Vorteile für diese Gruppe von Menschen vor, zu denen auch die Nachkommen derer gezählt werden, die einst in den heutigen Grenzen von Russland geboren wurden.

Putin betonte auch, dass diejenigen, die aus dem Ausland ankommen, um sich in Russland niederzulassen, in der Regel den Wunsch haben, zu arbeiten und eine große Familie zu gründen. Dies mache sie zu guten Kandidaten für den Erhalt freier Grundstücke und führe dazu, dass sie bereichtigt seien, zusätzliche Ansprüche auf Unterstützung durch den Staat geltend zu machen.

Schenkungsprogramm soll Trend zur Abwanderung umkehren

Der Präsident forderte auch die regionalen Gebietskörperschaften im russischen Fernen Osten auf, Fehler zu analysieren, die bislang in den Hauptstadien der Umsetzung des Programms aufgetreten sind, und alle notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, um einen reibungslosen Umsetzungsprozess zu erleichtern.

Putin betonte gegenüber den Mitgliedern des Staatsrates:
Die Regierung und die regionalen Gebietskörperschaften müssen ihnen [den Siedlern, die an dem freien Landübergabeprogramm teilgenommen haben] finanzielle Hilfe leisten und ihnen dabei helfen, eine regionale Infrastruktur zu schaffen. Ich schlage außerdem vor, denjenigen, die bereits erfolgreich arbeiten und ihr ein Hektar großes Grundstück als ihr Eigentum registriert haben, größere Grundstücke zu geben.
Im Mai 2016 führte Russland ein Gesetz ein, das eine freie Übergabe von Land in den fernöstlichen Regionen an Bürger vorsieht, die Häuser bauen oder Unternehmen in der Landwirtschaft oder im Tourismus gründen wollen. Die Autoren der Gesetzesvorlage verkündeten, dass sie auf diese Weise mehr Menschen in den Fernen Osten des Landes zu locken hoffen. So will man die seit Jahren zu verzeichnende Abwanderung der Einheimischen verlangsamen oder stoppen und die sozio-ökonomische Entwicklung der dortigen Territorien fördern.

Der eigentliche Start des Programms fiel auf den 1. Februar 2017.

Das Gesetz sieht die freie Übergabe von einem Hektar Land an alle vor, die ihre Teilnahme an dem Programm beantragen. Ausländische Staatsbürger sollen das Land nur nutzen können, es aber nicht besitzen. Eine Eintragung von Eigentumsrechten ist nur nach der Einbürgerung der potenziellen Besitzer möglich. Das Land kann für jeden rechtmäßigen Zweck verwendet werden, die neuen Eigentümer dürfen es im Laufe von fünf Jahren allerdings weder vermieten noch verkaufen oder auf andere Weise aus der Hand geben. Nach den fünf Jahren erhalten sie unter der Bedingung, dass sie das Grundstück in irgendeiner Weise entwickeln und produktiv nutzen, die vollen Eigentumsrechte der Immobilie.

Hoher Bestand an ungenutzten Flächen im Staatsbesitz

Anfang 2017 erklärte der Gouverneur der fernöstlichen Region Kamtschatka, Wladimir Iljuchin, gegenüber Journalisten, dass über 48.000 Menschen bereits ihre Bewerbungen für die Teilnahme am Programm eingereicht hätten und fügte hinzu, dass die Anträge aus fast allen Ecken Zentralrusslands kommen.

Etwa 28 Prozent der Russen, die sich für das Programm interessieren, sagen, dass sie das Land nutzen wollen, um ein Haus zu bauen. Ungefähr 17 Prozent wollen ihre Parzelle als Ackerland verwenden oder dort Vieh züchten. Weitere sieben Prozent gaben an, auf dem Land ein Hotel bauen und so den lokalen Tourismus entwickeln zu wollen.

Dem offiziellen Grundbuch zufolge verfügt Russland derzeit über etwa 198 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Flächen, derer mindestens 28 Millionen in Staatsbesitz und ungenutzt sind.