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Der Wachmann Jesus Campos (Mitte) schildert seine Erlebnisse in der Fernsehshow "Ellen".
Fast eine Woche war Jesus Campos aus der Öffentlichkeit verschwunden, was zahlreiche Spekulationen auslöste. Der vom Attentäter angeschossene Wachmann gilt als wichtiger Zeuge des Massakers von Las Vegas. Der Vorfall brachte die Behörden in Erklärungsnöte.

Das Rätselraten über den Verbleib von Jesus Campos hat ein Ende. Der Wachmann arbeitet für das Hotel Mandalay Bay in Las Vegas, aus dem heraus der mutmaßliche Attentäter Stephen Paddock zu Monatsbeginn das Feuer auf tausende Besucher eines gegenüber stattfindenden Musikfestivals eröffnet hatte - dabei starben 58 Menschen und hunderte wurden verletzt.

Jesus Campos wurde angeschossen, als er sich dem Zimmer von Paddock näherte. Unklar ist, ob Paddock auf den Wachmann schoss, bevor oder während er auch die Menschenmenge auf dem Festival unter Beschuss nahm. Diese Frage ist hinsichtlich der Reaktionszeit der Sicherheitskräfte von Bedeutung. Die Behörden hatten ihre Angaben über den zeitlichen Ablauf des Tathergangs mehrmals revidiert.


Kommentar: Allem Anschein nach war Paddock nur ein Sündenbock, hinter dem sich die eigentlichen Täter des Massakers verstecken. Weitere Infos erfahren Sie im Link am Artikel-Ende.


Trotz mehrerer Interviewtermine war Campos vor einer Woche plötzlich verschwunden, was zahlreiche Spekulationen zur Folge hatte. Am Mittwoch erschien Campos dann zusammen mit einem weiteren Mitarbeiter des Hotels in der TV-Sendung "Ellen". Dort schilderte der Wachmann die Situation aus seiner Sicht in einem vorher aufgezeichneten Gespräch.

"Bohrgeräusche" machten Campos hellhörig

Um den Alarm an einer Tür im Treppenhaus in der 32. Etage zu untersuchen, habe er sich auf den Weg gemacht. Doch die Tür, die eigentlich offenstehen sollte, war durch einen Metallbügel versperrt worden. Campos nahm daraufhin einen anderen Weg, um in den Flur der Etage zu gelangen.

Dort angekommen, vernahm er "Bohrgeräusche", als er sich dem Zimmer von Paddock näherte. Daraufhin eröffnete dieser das Feuer auf den Wachmann durch die geschlossene Tür seines Hotelzimmers. Jesus Campos wurde dabei am Bein getroffen. Nach Angaben der Polizei hatte Paddock eine Überwachungskamera in dem Flur installiert, weshalb er den sich nähernden Wachmann sehen konnte.

Polizei: Campos war nie verschwunden

Zum Grund des plötzlichen Abtauchens von Jesus Campos vor einer Woche äußerte sich der Sprecher des Las Vegas Metro Police Department (LVMPD), Larry Hatfield, gegenüber World Net Daily am Mittwoch:
Er ist ein Privatmann. Lassen Sie es mich so sagen. Wenn du von Medienleuten wie Laura Loomer verfolgt wirst, ist es deine Entscheidung, deinen Aufenthaltsort nicht preiszugeben. Aber das macht dich nicht zu einer vermissten Person. Es waren die Medien, die davon sprachen, er werde vermisst, nicht die Polizei.
Die unabhängige Journalistin Loomer hatte sich mehrfach zum Anwesen des Wachmanns begeben und anschließend behauptet, er und seine Familie seien mit einem Sprechverbot belegt worden. Zur Kritik der Polizei an ihrer Person sagte sie auf Twitter:
Es ist ziemlich absurd, dass das LVMPD behauptet, Jesus Campos brauche einen besonderen Schutz vor einer zierlichen, unbewaffneten Reporterin, wenn sie bereits eine bewaffnete Wache vor seinem Wohnsitz postiert haben.
Zeitlicher Verlauf bleibt weiter strittig

Zur Klärung der entscheidenden Frage, ob der Wachmann vor oder während des Attentats angeschossen wurde, und diesem möglicherweise durch sein Erscheinen ein Ende bereitete, trug Campos mit seiner Aussage allerdings nicht bei. So machte er keine Angaben zum genauen Zeitpunkt.

Er sprach lediglich davon, keine Schüsse gehört zu haben, bevor er in den Hotelflur ging, jedoch Bohrgeräusche. Damit bleibt viel Interpretationsspielraum offen - nicht jedoch für die Moderatorin der Sendung, Ellen DeGeneres. Als Campos von den Bohrgeräuschen sprach, die ihn darauf schließen ließen, es würden "irgendwelche Arbeiten in dem Areal" durchgeführt, schritt DeGeneres korrigierend ein: "Es handelte sich um Schüsse, aber Sie dachten, es waren Bohrgeräusche".

Woher die Moderatorin weiß, dass es sich nur um Schüsse gehandelt haben kann, bleibt ihr Geheimnis. Jedenfalls kommt ihre Interpretation den Behörden zupass, die sich andernfalls - sollte Campos vor Beginn des Attentats angeschossen worden seien - dafür rechtfertigen müssten, warum der mutmaßliche Attentäter Stephen Paddock so lange ungestört morden konnte.

Auf Twitter hinterfragten viele Zuschauer der Sendung, warum Campos für seine erste öffentliche Aussage dieses Fernsehformat wählte, anstatt der Pressekonferenz der Polizei beizuwohnen.