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Die Zwillinge Mark (links) und Scott (rechts) Kelly
Die NASA hat neue Ergebnisse ihres jüngsten Weltraum-Experiments mit den Zwillingen Scott und Mark Kelly bekannt gegeben.

Für ein NASA-Experiment verbrachte der Astronaut Scott Kelly 340 Tage an Bord der Internationalen Raumstation (ISS), während sein Zwillingsbruder auf der Erde blieb. Das Ergebnis war für die Wissenschaftler verblüffend.

Im Rahmen ihrer sogenannten Zwillingsstudie wollte die NASA vergleichen, welche biologischen Parameter sich zwischen Zwillingsbrüdern verändern, wenn einer als Astronaut lange Zeit in der Schwerelosigkeit im Weltall lebt und der andere auf der Erde verbleibt. Diese Untersuchung gab den Wissenschaftlern die einzigartige Gelegenheit, zu studieren, welche Auswirkung die Raumfahrt tatsächlich auf dem menschlichen Körper hat, indem sie den gesundheitlichen Zustand der Zwillinge nach der Testphase miteinander verglich.

Für das Experiment verbrachte Scott Kelly vom 28. März 2015 bis zum 2. März 2016 ein knappes Jahr auf der ISS, wo er sich regelmäßigen, umfangreichen medizinische Untersuchungen unterziehen musste. Bei seinem Zwillingsbruder Mark wurden die gleichen Untersuchungen auf der Erde durchgeführt. Nachdem Scott aus dem Weltall zurückgekehrt war, wurden weitere Tests durchgeführt, um sein körperliches Wohlbefinden mit dem seines Bruders zu vergleichen, der die ganze Zeit am Boden geblieben war.

Bereits Anfang des Jahres hatte die US-Raumfahrtbehörde erste Ergebnisse dieses Experiments veröffentlicht und bekannt gegeben, dass sie bei Scott Kelly feststellen konnten, dass seine sogenannten Telomere, die sich an dem aus repetitiver DNA und assoziierten Proteinen bestehenden Enden von Chromosomen befinden, länger geworden waren (wir berichteten). Und da die Telomere im Alter immer kürzer werden, werden sie von der Wissenschaft mit der Lebenserwartung eines Menschen in Verbindung gebracht. Insofern sind sie ein Indikator für den Alterungsprozess eines Menschen, mit dem sich annäherungsweise sein Alter bestimmen lässt.

Nun zeigen die weiteren medizinischen Auswertungen der NASA, dass Scotts DNA zudem Merkmale einer übermäßigen Methylierung aufwies - eine chemische Abänderung an Grundbausteinen der Erbsubstanz einer Zelle. Obwohl es sich hierbei eigentlich um einen normalen Prozess handelt, der in jedem Menschen abläuft, schien es in Scotts Fall so, als ob sich die Anpassungsbemühungen seines Körpers an das Leben im Weltraum mit einer viel höheren Geschwindigkeit als üblich entwickelt hätte. "Eines der aufregendsten Dinge, die wir bei der Beobachtung der Genexpression im Weltraum gesehen haben, ist, dass wir wirklich eine Explosion wie ein Feuerwerk sehen, sobald der menschliche Körper ins All abhebt", schilderte der Forscher Chris Mason gegenüber Popular Mechanics. "In dieser Studie haben wir Tausende und Abertausende von Genen gesehen, wie sie ein- und ausgeschaltet werden. Das geschieht, sobald ein Astronaut den Weltraum betritt."

Derartige Untersuchungen sind für die US-Weltraumbehörde von sehr großer Bedeutung, weil sie aufzeigen, was man bei Langzeitmissionen im All in Bezug auf die Gesundheit von Astronauten berücksichtigen muss.