Mit nur 19 Jahren verlor die damals im achten Monat schwangere Lilly Ross ihren Ehemann - er nahm sich kurz vor der Geburt des gemeinsamen Sohnes das Leben. Die werdende Mutter traf damals eine unglaublich tapfere Entscheidung: Sie entschloss sich dazu, nicht nur die Organe, sondern auch das Gesicht ihres Mannes für Transplantationen zu spenden. Eineinhalb Jahre später traf sie nun jenen Mann, der heute das Gesicht ihrer verstorbenen großen Liebe trägt.
© AP
Lilly Ross und Andy Sandness
Der 21-jährige Calen "Rudy" Ross erschoss sich 2016 im US-Bundesstaat Minnesota. Nachdem seine Frau sich dazu bereit erklärt hatte, neben den Organen ihres Mannes auch sein Gesicht zu spenden, wurde kurz darauf in der Mayo-Klinik in Rochester Geschichte geschrieben: Ein 60-köpfiges Team transplantierte dem damals 31-jährigen Andy Sandness das Gesicht des Verstorbenen in einer 56 Stunden andauernden Operation.

Sandness nach Kopfschuss völlig entstellt

Sandness teilt ein ähnliches Schicksal mit seinem Spender: Ebenfalls mit 21 Jahren hatte er sich das Leben im Bundestaat Wyoming nehmen wollen. Er schoss sich mit einem Gewehr in den Kopf, überlebte allerdings knapp - und litt seither unter einem völlig entstellten Gesicht. Die erfolgreiche Transplantation schenkte dem heute 32-Jährigen neuen Lebensmut.

"Du siehst richtig gut aus"

16 Monate nach der Operation, traf Sandness nun jene Frau, die durch ihre selbstlose Entscheidung sein Leben für immer veränderte. "Du siehst richtig gut aus", ist Lilly Ross bei der ersten Begegnung mit Sandness nach einer innigen Umarmung begeistert.
© AP
Vor der "Transformation": Andy in der Mayo Clinic im Juni 2016
"Es sieht umwerfend aus. Man kann Rudy am Kinn erkennen, aber sonst sehe ich nicht viel von ihm", so die Witwe in einem von der Mayo-Klinik veröffentlichten Video. Sie sei wahnsinnig stolz auf ihren Mann, der "mit seinen Organen so vielen Menschen geholfen hat", zeigt sich die Mutter eines 17 Monate alten Sohnes gerührt.
© AP
Andy Sandness vor seinem Suizidversuch (li.) und Calen Ross (re.)
"Es ist einfach unglaublich"

Emotionen kochten aber freilich auch bei Andy Sandness hoch. "Ich weiß nicht, ob ich jemals genug Danke sagen kann. Man kann dafür nicht genug Danke sagen oder Geld geben. Man kann nichts dafür tun. Es ist einfach unglaublich", so der 32-Jährige, der dank des neuen Gesichtes heute wieder normal essen und sprechen kann. Einen großen Wunsch konnte Sandness der Witwe dann aber doch erfüllen: 16 Monate nachdem sie ihren Mann verloren hatte, konnte Ross das Gesicht ihrer großen Liebe noch einmal berühren: "Es fühlt sich richtig gut an", so die junge Mutter.
© AP
Lilly Ross berührt das transplantierte Gesicht ihres verstorbenen Mannes.
Nach dem ersten berührenden Treffen wollen sich der 32-Jährige und Ross bald wiedersehen, heißt es in einem Bericht der AP. "Es macht mich extrem glücklich zu wissen, dass er jetzt sein Leben leben kann, ganz wie er es möchte", so Ross.