Auf der Webseite S8intcom findet sich ein interessanter Verweis auf drei riesenhafte Doppeläxte, die Archäologischen Museum Heraklion in der Stadt Iraklio (Herakleion) auf der Insel Kreta ausgestellt werden, wo auch der berühmte Diskos von Phaistos zu besichtigen ist.

In einer kurzen, auf besagter Webseite zitierten Selbstdarstellung des Museums, in der man voller Stolz auf die Fülle der dort ausgestellten Exponate verweist, werden diese drei in der Tat außergewöhnlichen Spezimen allerdings nur am ganz Rande, quasi nebenbei erwähnt:
"Das Archäologische Museum von Herakleion enthält eine einzigartige Sammlung von antiken Objekten aus Ausgrabungen in allen Teilen Kretas, einschließlich der archäologischen Stätten von Knossos, Phaistos, Gortyn und vielen anderen.

Die Exponate stammen hauptsächlich aus der prähistorischen minoischen Ära, die nach dem legendären kretischen König Minos benannt ist. Das Museum ist in 20 Galerien unterteilt, die Funde aus Palästen, Häusern, Gräbern und Höhlen enthalten, die in Gruppen nach Zeit und Herkunft angeordnet sind.
Die Exponate umfassen eine Zeitspanne von 5.000 Jahren, von der Jungsteinzeit bis zur griechisch-römischen Zeit. Beispiele sind Töpferei, Steinschnitzerei, Siegelgravur (eine der Miniaturkünste, in denen die Minoer ausgezeichnet waren), Goldarbeiten, die aufgrund ihrer Technik und der Vielfalt ihrer Themen bemerkenswert sind, Metallarbeiten (Haushaltsgeräte, Werkzeuge, Waffen und heilige Äxte, sorgfältig und genial gemacht) und Fresken..."
Und in einer Beschreibung der Äxte heißt es dort lediglich:
"Bronzene Doppeläxte aus dem Megaron von Nirou. Die Doppelaxt wurde auf Kreta, wo sie einst das Instrument zur Opferung des heiligen Stiers war, zum wichtigsten religiösen Symbol der Kreter (sie wird meistens zusammen mit einem Stierkopf dargestellt). Der minoische Name für die Doppelaxt ist >Labrys<, daher könnte das Wort Labyrinth ursprünglich >Haus der Doppelaxt< gemeint haben. Sie [die ausgestellten Äxte; d.Ü.] datieren aus der Zweiten Palastperiode und der Nachpalastzeit (1700-1300 v. Chr.)."
An keiner Stelle wird auf die monströse Größe dieser Bronze-Äxte eingegangen, die sie ganz offensichtlich von anderen 'Kultobjekten' dieser Art unterscheidet, und so wirft man bei S8intcom zu Recht die Frage auf:
"Wenn Sie ein weltberühmtes und einzigartiges Museum mit antiken minoischen und kretischen Artefakten [besäßen] und in Ihrer Sammlung riesige doppelköpfige Äxte von erstaunlicher Größe hätten - würden Sie nicht etwas in ein Foto der Artefakte zur Bestimmung des Maßstabs einschließen? Würden Sie die Dimensionen der Objekte nicht in den offiziellen Beschreibungen des Artefakts angeben?"
Dass in Veröffentlichungen zu diesen Äxten regelmäßig 'vergessen' wird auf ihre Übergröße hinzuweisen, die erst auf Fotos deutlich wird, in denen Museumsbesucher vor und neben ihnen stehend zu sehen sind, muss schon befremden. Möchte man hier vielleicht bewusst Bezugnahmen auf das Thema 'Riesen' vermeiden? (Riesen im deutschsprachigen Raum: Eine gigantologische »Baustelle«)

Tatsächlich steht die offizielle Interpretation der drei Spezimen als Ritual-Objekte insofern auf einem schwachen Fundament, dass wohl nur echte Riesen in der Lage gewesen wären, mit ihnen ein Stieropfer zu vollziehen; und als reine Devotionalien (Anbetungs-Gegenstände) würden sie eine nur schwer zu erklärende Ausnahme von der Regel darstellen, denn ansonsten haben die bisher entdeckten rituellen Doppeläxte im ägäischen Großraum offenbar allesamt kein allzu beeindruckendes Format.

Andererseits wurde die Insel Kreta noch in der Antike, als sie auch unter dem Namen Arcadia bekannt war, in höchst eindeutiger Weise mit Riesen und Riesenvölkern in Verbindung gebracht.

Dazu heißt es z.B. auf der Webseite Gnostic Warrior: "Der griechische Historiker Herodot hat über Eustathios, einen anderen Historiker geschrieben, dieser habe ausgesagt, dass Arcadia früher wegen der Riesen, die einst dort gelebt hatten, Gigantis, >Land der Giganten< genannt wurde. [...]

Mehrere der einflussreichsten Autoren der Welt bestätigten im Laufe der Geschichte Berichte von Riesen, Göttern und der Insel Kreta. Leute wie Diodorus Siculus, Plinius, Strabo, Plutarch und Platon, um nur einige zu nennen. [...]

Plinius spricht im 6. Kapitel des 7. Buches seiner Naturgeschichte von einem Berg auf Kreta, der bei einem Erdbeben eingestürzt sei und die Knochen eines gewaltigen Riesen enthüllt habe. Philodemos von Gadara (ca. 110-40 v.Chr.) berichtete von einem anderen auf Kreta gefundenen Riesen, der 48 Ellen lang war; dies würde einer Länge von 72 Fuß [ca. 22 m: d.Ü.] entsprechen". [3] Und noch der mittelalterliche italienische Mönch, reisende Geograph und Kenner der Ägäis, Cristoforo Buondelmonti (1386 - ca. 1430) schrieb "über eine Stadt auf Kreta namens Sarandopolis, die vormals von Riesen bewohnt worden sei..."

Halten wir also, um abschließend noch einmal auf die drei 'Titanenäxte' aus dem Museum zurückzukommen, mit dem Autor von S8intcom fest: "Die Tatsache, dass diese Objekte sehr groß sind, beweist nicht, dass sie von Riesen benutzt wurden. Vielleicht waren sie auch, wie das Museum und andere Quellen behaupten, nur Votiv- oder Anbetungs-Objekte."

Allerdings können und sollten wir weder die erstgenannte Option (d.h. die 'Riesenhypothese') völlig ausschließen, noch die Möglichkeit ignorieren, dass Religion und Kulte der Minoer von der Erinnerung an - oder sogar durch die Präsenz von - Riesen der Vorzeit beeinflusst wurden.