tt.comSo, 28 Aug 2011 09:20 UTC
Das Unwetter am Samstag überraschte gleich mehrere Kletterer in Österreichs Bergen. Unterkühlungen, Herzrhythmusstörungen und schwere Erfrierungen waren die Folge.
Graz, Salzburg, Linz - Gleich sieben Bergsteiger, alle aus Ungarn oder Tschechien, sind am Samstag in der Obersteiermark wegen der hereinbrechenden Unwetterfront in alpine Notlage geraten und mussten von Rettungskräften ins Tal geholt werden. Drei der Kletterer waren dabei noch glimpflich davongekommen, als sie wegen eines nahe einschlagenden Blitzes ins Seil geworfen wurden, hieß es am Sonntag seitens der Sicherheitsdirektion Steiermark.
Die Männer im Alter von 29 bis 44 Jahren waren in Zweier- bzw. einer Dreiergruppe im Raum Schladming und Ramsau unterwegs und wurden offenbar alle gegen 17.00 Uhr vom Unwetter überrascht. Schnee und Eis legten sich teilweise über die Kletterrouten in 2600 Seehöhe. Vier der in Notlage geratenen Kletterer wurden per Seilbergung und Hubschrauber gerettet.
Die drei anderen stiegen nach ihrem Sturz ins Seil sogar noch bis nahe der Bergstation der Dachsteinseilbahn ab, obwohl sie sich während dem Einschlag am Stahlseil festgehalten hatten und daher Herzrhythmusstörungen und andere Beschwerden hatten. Bedienstete der Seilbahn hörten ihre Hilfeschreie. Anschließend konnten die Ungarn mit der Bahn ins Tal fahren. Die Kletterer wurden mit Unterkühlungen und einer auch mit schweren Erfrierungen ins Krankenhaus gebracht.
Bergsteiger von Ausläufern eines Blitzschlages getroffen
Auch in Salzburg gerieten am Samstag Alpinisten wegen des Unwetters in Bergnot. Zwei Deutsche sind beim Klettern im Hochkönigmassiv von den Ausläufern eines Blitzschlages getroffen worden. Einer der beiden 43-Jährigen wurde kurzfristig bewusstlos und erlitt Lähmungserscheinungen am Arm. Die Rettungsaktion war wegen des schlechten Wetters sehr schwierig und dauerte bis nach Mitternacht. Bergretter aus Dienten (Pinzgau) und zwei Ärzte brachten die Kletterer ins Tal. Sie wurden ins Krankenhaus Schwarzach im Pongau gebracht.
Trotz des angekündigten Kaltfronteinbruchs waren die zwei Alpinisten gegen 9.00 Uhr in den als sehr schwierig bewerteten Klettersteig „Königsjodler“ eingestiegen, berichtete die Sicherheitsdirektion Salzburg. Bereits im unteren Drittel der Tour, auf rund 2.600 Meter Seehöhe, ging ein Gewitter mit starken Regenfällen nieder. Wegen des Blitzschlages konnten die beiden nicht mehr weiter. Um 14.30 Uhr setzten sie mit einem Mobiltelefon einen Notruf ab.
Wegen des schlechten Wetters scheiterte der Versuch, die Bergsteiger mit einem Helikopter zu bergen. Der Pilot des Notarzthubschraubers „Martin 1“ musste wieder umkehren. In der Zwischenzeit waren Bergretter aufgestiegen, sie erreichten die Deutschen nach Einbruch der Dunkelheit. Der vom Blitzschlag verletzte Mann musste bis zur Erichhütte getragen werden. Von dort brachten ihn Mitglieder der Feuerwehr in einem Geländewagen ins Tal. Der zweite Bergsteiger konnte aus eigenen Kräften absteigen.
Slowakin aus Klettersteig
Ebenfalls am Samstagnachmittag haben Bergretter aus Obertraun und Hallstatt in Oberösterreich unter Einsatz ihres Lebens eine 22-jährige Slowakin aus dem Seewand-Klettersteig bei Hallstatt (Bezirk Gmunden) geborgen. Die Frau konnte rund 80 Meter vor dem Ausstieg des Steigs aufgrund völliger Erschöpfung nicht mehr weiter. Das gab die Sicherheitsdirektion Oberösterreich am Sonntag bekannt.
Obwohl extrem schlechtes Wetter vorhergesagt wurde, waren die 22-Jährige und ihr Freund am Vormittag in den Klettersteig eingestiegen. Gegen 13.30 Uhr konnte die Frau jedoch aufgrund völliger Erschöpfung nicht mehr vor und zurück, so die Polizei. Ihr Freund ließ sie zurück und kletterte bis zum Ausstieg weiter, wo er die Bergrettungsdienste Obertraun und Hallstatt verständigte.
Auch ein Rettungshubschrauber aus Salzburg wurde angefordert, der die Bergung jedoch aufgrund von Starkregen und Sturmböen nach einer Stunde abbrechen musste. Trotz der extremen Witterung mit starken Regenfällen, die in Schneefall übergingen, riskierten die Männer der Bergrettung den Einsatz. Unter extremer Lebensgefahr für die Rettungskräfte und die Slowakin seilten sie sich 80 Meter zu der 22-Jährigen ab, teilte die Polizei mit.
Erst um 19.00 Uhr konnte die Slowakin, die unterkühlt war, geborgen werden. Im Einsatz standen 13 Mann des Bergrettungsdienstes Obertraun und elf Mann des Bergrettungsdienstes Hallstatt. Verletzt wurde bei dem gefährlichen Einsatz niemand.
(APA)
Tiroler Tageszeitung, Onlineausgabe vom So, 28.08.2011 09:20
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