Nach dem Abziehen des Tropensturms „Irene“ könnte es noch Tage dauern, bis Millionen Menschen wieder an das Stromnetz angeschlossen sind. Besonders kritisch könnte die schlechte Stromversorgung für Ältere, Behinderte und andere Menschen sein, die auf Hilfe angewiesen sind.
Nach dem Durchzug des Tropensturms „Irene“ wird es möglicherweise Tage dauern, bis Millionen Menschen wieder an die Stromversorgung angeschlossen sind. Für mehr als sieben Millionen Menschen sowie Geschäfte zwischen den US-Staaten South Carolina und Maine gingen am Wochenende die Lichter aus. Mit Nachdruck arbeiten Tausende Mitarbeiter von Versorgungsunternehmen nun daran, die Energieversorgung wieder herzustellen. Doch das ist alles andere als ein leichtes Unterfangen, immerhin hat „Irene“ an großen Teilen der US-Ostküste Spuren der Zerstörung hinterlassen.
So wurden Hochspannungsleitungen niedergerissen und wichtige Anlagen in der Nähe von Kraftwerken zerstört. Küstenstädte wurden überflutet und elektrische Anlagen unter Wasser gesetzt. Noch immer sind Experten damit beschäftigt, das Ausmaß der Schäden zu bewerten. Etwa die Hälfte der 1,2 Millionen Kunden von Connecticut Light & Power saßen am Sonntag im Dunkeln, sagt Mitarbeiterin Theresa Gilbert. Es ist der größte Stromausfall in der Geschichte des Staates Connecticuts.
Besonders kritisch könnte sich die mangelnde Stromversorgung auf Ältere, Behinderte und andere Menschen auswirken, die auf Unterstützung angewiesen sind. „Was ist, wenn wir tagelang ohne Strom bleiben?“, fragt die 52-jährige Pat Dillon, die aufgrund eines Schlaganfalls teilweise gelähmt ist. In ihrem Altenheim in Milford in Connecticut sprang ein Generator nicht an. Als Dillon im Dunklen saß, fürchtete sie, dass die Akkus für ihren Rollstuhl zur Neige gehen könnten. Schlimmer wäre es allerdings, wenn sie ihre Diabetes-Medikamente nicht mehr kühlen könnte. „Wenn der Kühlschrank warm wird, wird mein Insulin schlecht“, sagt Dillon. „Ich könnte einen diabetischen Schock erleiden. Das beängstigt mich.“
Noch ist man vielerorts mit der Schadensermittlung beschäftigt
Die Stromversorger sagen, sie versuchten, wichtige Dienstleister wieder als erste ans Netz anzuschließen. Allerdings haben viele gerade erst begonnen, sich des ganzen Ausmaßes der Schäden am Stromnetz gewahr zu werden. „Für die am schwersten beschädigten Gebiete wird es mindestens einige Tage dauern“, bis diese wieder ans Stromnetz angeschlossen sind, sagt der Sprecher von Progress Energy in North Carolina, Mike Hughes.
Nach dem Hurrikan „Gloria“ 1985 habe es zwei Wochen gedauert, die von der Stromversorgung abgeschnittenen 477 000 Kunden wieder anzuschließen, sagt Theresa Gilbert von Connecticut Light & Power.
In Virginia unterbrach „Irene“ die Stromversorgung von mehr als 300 wichtigen Dienstleistern, darunter Krankenhäuser, Notrufzentralen und Feuerwachen. Der Versorger Dominion Resources ging davon aus, die meisten Betroffenen wieder bis Montagabend ans Netz anzuschließen. Ohnehin würden die meisten Gesundheitszentren und Sicherheitseinrichtungen über Generatoren verfügen, sagt Dominion-Sprecher Dan Genest.
In New York waren etwa 121 000 Haushalte von Stromausfällen durch „Irene“ betroffen. Der größte Energieversorger der Stadt, Consolidated Edison, teilte mit, dass für die meisten Kunden wohl bis Dienstagabend wieder die Lichter brennen würden.
gxb/dapd
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