Der am Sonntagmorgen tot aufgefundene CDU-Politiker Walter Lübcke ist laut LKA aus nächster Nähe erschossen worden. Eine Sonderkommission ermittelt in alle Richtungen: Weder ein Raubmord noch eine politische Tat werden ausgeschlossen.
Walter Lübcke
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Der bekannte nordhessische CDU-Politiker Walter Lübcke ist aus nächster Nähe erschossen worden.
Der bekannte nordhessische CDU-Politiker Walter Lübcke ist aus nächster Nähe erschossen worden. Suizid schließt die 20-köpfige Sonderkommission des Landeskriminalamtes Hessen inzwischen aus. Die SOKO zum gewaltsamen Tod des Kasseler Regierungspräsidenten wird von kriminaltechnischen Experten des Bundeskriminalamtes unterstützt. Ermittelt wird in alle Richtungen, weder ein Raubmord noch eine politische Tat werden ausgeschlossen. Sabine Thurau, die hessische LKA-Präsidentin, heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der federführenden Staatsanwaltschaft in Kassel:

"Das hessische Landeskriminalamt hat gestern die Ermittlungen übernommen. Das LKA übernimmt die Ermittlungen regelmäßig dann, wenn in einem Tötungsdelikt wie in diesem Falle das Opfer eine Person des öffentlichen Lebens ist."

Morddrohungen aus dem rechten Lager

Walter Lübcke war eine wichtige Person des öffentlichen Lebens in Hessen. Einer von drei Regierungspräsidenten des Bundeslandes, zuständig für Nordhessen. Chef einer 1.300- Personen-Behörde, die unter anderem für die Unterbringung von Flüchtlingen verantwortlich ist. Weil sich Walter Lübcke auch 2015 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegungen Richtung Europa für eine humane Asylpolitik aussprach, wurde Walter Lübcke aus dem rechten Lager stark angefeindet, er bekam auch Morddrohungen.


Kommentar: Möchte jemand dem rechten Lager den Mord anhängen, damit andere Parteien - wie zum Beispiel die Grünen - noch stärkeren Zuwachs bekommen?


Die Ermittler des Landeskriminalamtes Hessen können bisher jedoch keinen direkten Zusammenhang zwischen den Morddrohungen des Jahres 2015 und den Spuren erkennen, die sie nach der Tötung Lübckes gestern verfolgen. LKA-Präsidentin Sabine Thurau bittet die Medien, nicht zu spekulieren, um die Ermittlungen nicht zu gefährden:

"Unmittelbar nach dem Tatgeschehen beginnt eine Phase, die entscheidend für den Ermittlungserfolg ist. Uns ist bewusst, dass hier ein starkes mediales Interesse da ist, das ist nachvollziehbar. Aber es ist sehr wichtig, dass wir jetzt unter Geheimhaltung der Details, die schon bekannt sind und die wir noch erhalten, durch mögliche Hinweise aus der Bevölkerung, dass wir ungehindert ermitteln können."

Hessische Spitzenpolitiker aus mehreren Landtagsfraktionen haben sich schockiert über den Tod des beliebten Christdemokraten aus Nordhessen geäußert. Grüne und FDP betonten die politische Integrationskraft, die der 65 Jahre alte Regierungspräsident von Kassel in den vergangenen zehn Jahren im Amt gezeigt hatte. CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier spricht von einem "alten Weggefährten", um den er trauere:

"Der gestrige Tag war für uns alle ein Schock. Dr. Walter Lübcke war vielen von uns nicht nur Weggefährte, sondern auch Freund. Es ist ein schwerer Verlust für unser Land und es ist natürlich vor allem furchtbar für die Familie".

Öffentlichkeit wird bei konkretem Tatverdacht informiert

Ein Familienmitglied hatte Walter Lübcke in der Nacht von Samstag auf Sonntag mit der letztlich tödlichen Schussverletzung auf der Terrasse seines Privathauses in einem Dorf bei Kassel gefunden. Zwei Stunden später war im Krankenhaus der Tod des Politikers festgestellt worden.

Das Landeskriminalamt Hessen und die Staatsanwaltschaft Kassel bitten jetzt die Nachbarn oder andere mögliche Tatzeuginnen und Zeugen um Mithilfe. Sobald die Spur zum Täter konkreter werde, soll die Öffentlichkeit umgehend informiert werden, versprachen entschlossen wirkende Ermittler bei ihrer ersten Pressekonferenz in Kassel. Solange bitten sie um Geduld.