Die Kneipe "Ständige Vertretung" hat einigen Politikern "mit sofortiger Wirkung" Hausverbot erteilt, darunter Kanzlerin Merkel, Bürgermeister Müller und Bayern-Ministerpräsident Söder. Der Grund: die Zwangschließung im November. "Lächerlich" findet Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU).
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Die Geschäftsführer der Ständigen Vertretung Jörn Peter Brinkmann (links) und Jan Philipp Bubinger
Weil die Geschäftsführer der "Ständigen Vertretung" (StäV) Jörn Peter Brinkmann (41) und Jan Phillip Bubinger (35) trotz aufwendiger und teurer Hygienemaßnahmen genauso wie alle Gastronomen Deutschlands im November schließen müssen, haben sie in einem Video bei Facebook ein Hausverbot für die führenden Entscheider der Corona-Maßnahmen ausgesprochen - und fordern andere Gastronomen auf es ihnen gleich zu tun.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) und SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dürfen "mit sofortiger Wirkung" nicht mehr in dem Lokal, zu dessen Gästen sie alle gehören, speisen.

Doch nicht nur in der Gastronomie schlägt das Facebook-Video der StäV Wellen, auch in der Politik wird es diskutiert.

"Lächerlich. Denjenigen Hausverbot zu erteilen, die gegen die Pandemie ankämpfen, ist kein Beitrag zur Lösung", schreibt Landwirtschaftsminiserin Julia Klöckner dazu auf Twitter und kritisiert die beiden Gastronomen scharf.


Sie wirft den Gastronomen eine Art Doppelmoral vor und schreibt als "Ironie" gekennzeichnet: " Zumal A. Merkel + O. Scholz sicher jeden Tag Gäste ausgerechnet der StäV sind" und weiter "Auf deren Wahlkreis-Besuchergruppen wird StäV wohl aber nicht verzichten wollen", teilt Klöckner weiter aus.

Das Hausverbot sei ernst gemeint, betont Brinkmann am Sonntag. Aber sollte sich einer der Politiker mit konstruktiven Vorschlägen melden, seien sie durchaus zu Gesprächen bereit. Auf dem Bürgersteig vor der StäV. Später ruderten die Verantwortlichen etwas zurück.

Man sei selbstverständlich auch in Zukunft bereit, mit den genannten Politikern in den Dialog zu gehen, teilten die Verantwortlichen am Sonntagabend mit. Man freue sich, "auch in Zukunft weiterhin alle politisch Aktiven zusammen mit ihren Mitarbeitern und Wählern in der "Ständigen Vertretung" begrüßen zu können."

Als Grund für das Hausverbot für Spitzenpolitiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel hatten sie zunächst die erneute Zwangsschließung für die Gastronomie in der Corona-Krise genannt. Dafür habe es aber auch Applaus "aus der falschen Ecke" gegeben, hieß es wenige Tage später. "Wir verwehren uns dagegen, dass diese Kreise unser Video für ihre Zwecke ausnutzen und instrumentalisieren", teilten die Verantwortlichen mit und weiter: "Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, aber wir möchten noch einmal klarstellen, dass wir uns entschieden von rechtsextremen Gesinnungen und Verschwörungstheoretikern distanzieren."