Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran wird nach Einschätzung von Shell‑Chef Wael Sawan bereits ab dem kommenden Monat zu Knappheiten bei Diesel und Benzin in Europa führen. Zentrale Energieanlagen im Golf seien beschädigt worden, und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus - über die rund 20% der weltweiten Ölexporte laufen - sei nahezu zum Erliegen gekommen.

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Schon jetzt seien die Lieferungen von Flugbenzin beeinträchtigt, erklärte Sawan; als Nächstes werde Diesel betroffen sein, anschließend Benzin zu Beginn der sommerlichen Reisesaison. Besonders in Südasien - etwa in Sri Lanka, Bangladesch und Pakistan - seien Arbeitszeiten gekürzt und Treibstoffrationierungen eingeführt worden; Japan und Südkorea hätten Öl aus strategischen Reserven freigegeben.

Europa ist zwar weniger abhängig vom Golf als viele asiatische Länder und bezieht einen Teil seines Rohöls und bestimmter Produkte aus Nordafrika sowie aus den USA, Norwegen und Westafrika, doch das Angebot ist insgesamt knapp. Die starke Nachfrage aus Asien treibt die Preise in die Höhe.

Vor diesem Hintergrund wird in der EU wieder darüber diskutiert, ob russische Öllieferungen zurückkehren sollten. Vor 2022 stammte etwa ein Viertel der Öleinfuhren der EU aus Russland; seither wurden diese Importe stark reduziert, mit dem Ziel eines vollständigen Ausstiegs bis 2027. Die noch verbleibende wichtige Route über die Druschba‑Pipeline durch die Ukraine ist seit Ende Januar gestört, was zu Vorwürfen aus Ungarn und der Slowakei führt, Kiew blockiere die Lieferungen aus politischen Gründen.

Einige Politiker fordern daher, die Energiesanktionen gegen Moskau zu überdenken, um die Versorgung zu stabilisieren und Preissteigerungen zu begrenzen. Die EU‑Kommission lehnt dies jedoch ab; Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete eine Rückkehr zu russischer Energie jüngst als "strategischen Fehler".

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