Angst vor Spionage: Aus diesem Grund wird die russische Antivirensoftware von Kaspersky Lab von niederländischen Behördenrechnern entfernt. Das Unternehmen reagiert prompt auf die Entscheidung.

© Maxim Shemetov / Reuters
Die niederländische Regierung hat angekündigt, die Antivirensoftware des russischen IT-Konzerns
Kaspersky Lab künftig nicht mehr einsetzen zu wollen. Als Begründung wurden Sicherheitsbedenken angegeben.
Eine gründliche Prüfung habe ergeben, dass es durch die Software des russischen Unternehmens das Risiko der Spionage und Sabotage gebe, sagte Justizminister Ferdinand Grapperhaus am Dienstag im niederländischen Radio.
Im vergangenen Jahr hatten auch
Großbritannien und
die USA den Einsatz der Software eingeschränkt. Im September 2017 hatte die US-Regierung Bundesbehörden angewiesen, künftig keine Kaspersky-Software mehr zu verwenden.
Das US-Heimatschutzministerium erklärte damals, man sei wegen Verbindungen zwischen Firmenvertretern und russischen Geheimdiensten besorgt. Es bestehe das Risiko, dass die russische Regierung Kaspersky-Produkte ausnutzen könne, um die Computersysteme von US-Behörden zu kompromittieren.
Beschluss ohne konkrete HinweiseIn einem
Brief an das Parlament verweist der niederländische Justizminister nun ebenfalls auf "Risiken für die nationale Sicherheit". Nach russischer Gesetzgebung müssten "Unternehmen wie Kaspersky die russischen
Geheimdienste bei der Erfüllung ihrer Aufgaben unterstützen, wenn diese Dienste das fordern." Konkrete Hinweise auf einen Missbrauch der Kaspersky-Software zu solchen Zwecken gibt es nach den Worten des Ministers nicht.
Trotzdem sehe die niederländische Regierung das Verbot der Nutzung dieser Software auf Regierungscomputern als eine "geeignete Vorsichtsmaßnahme" an. Außer für Behördenrechner gilt die neue Vorschrift auch für Computer von Unternehmen und Organisationen, die unter die Allgemeinen Sicherheitsanforderungen für Verteidigungsaufträge (Algemene Beveiligingseisen Defensie Opdrachten, ABPO) fallen.
Verlagerung in die SchweizKaspersky Lab hatte derartige Bedenken stets als unbegründet zurückgewiesen. Firmengründer Eugene Kaspersky wehrte sich stets mit aller Kraft gegen die Vorwürfe, die das Image und Geschäft seines Unternehmens bedrohen. Über die Entscheidung aus Den Haag sei die Firma enttäuscht, berichtet die niederländische Nachrichtenagentur ANP. "Es hat den Anschein, dass unser Unternehmen Opfer von geopolitischen Entwicklungen ist", sagte ein Sprecher demnach.
Zeitgleich zu der Entscheidung der niederländischen Regierung hat Kaspersky neue Maßnahmen angekündigt, mit denen das Unternehmen Bedenken seiner Kunden zerstreuen will. Die Daten von Kunden unter anderem aus Europa und Nordamerika sollen künftig nicht mehr in Russland gespeichert werden, sondern
in der Schweiz. Bis Ende 2019 soll dafür ein neues Rechenzentrum in Zürich eingerichtet werden.
Zusätzlich werde die Produktion der Antivirensoftware des Unternehmens noch in diesem Jahr nach Zürich verlagert. Das neue Rechenzentrum will Kaspersky von unabhängigen Kontrolleuren beaufsichtigen lassen. Auf den Rechnern dort sollen auch Daten von Kunden aus Singapur, Australien, Japan und Südkorea gespeichert und verarbeitet werden. Weitere Länder würden folgen, hieß es.
mak/dpa
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